3 Fragen, 3 Antworten

„Die Reaktionen der Finanzmärkte sind stark übertrieben“

Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz SE, beantwortet Fragen zur Lage auf den internationalen Finanzmärkten.

 

Wie schätzen sie die aktuelle Lage an den Märkten ein?

 
Die globalen Finanzmärkte stehen in jüngster Zeit unter dem Einfluss der Entwicklungen in China. Die drastische Kurskorrektur an den chinesischen Aktienmärkten und die Modifizierung des chinesischen Wechselkursregimes haben die Sorge geschürt, dass die chinesische Wirtschaft eine deutliche Wachstumsschwäche durchläuft. Angesichts der Bedeutung Chinas als Absatzmarkt und Rohstoffkonsument strahlt diese Entwicklung auch auf andere Schwellenländer aus und bringt deren Währungen unter Druck. Tatsächlich hat sich die chinesische Wirtschaft in den letzten Quartalen auf etwa sieben Prozent Wachstum abgekühlt, das ist beileibe keine Rezession und wird die Weltwirtschaft nicht in den Abgrund ziehen. Die Lage an den Märkten wird daher der wirtschaftlichen Lage nicht gerecht.
 

Womit müssen Anleger jetzt noch rechnen?

 
Die Phase der Unsicherheit an den Finanzmärkten wird noch anhalten. Sollten es weitere Anzeichen für eine wirtschaftliche Schwäche in China geben, ist davon auszugehen, dass die Wirtschaftspolitik Stabilisierungsmaßnahmen auf den Weg bringen wird. Sie wird alles unternehmen, um eine "harte Landung" zu vermeiden. Die weltweit rückläufigen Inflationsraten erlauben es den Notenbanken der großen Industrieländer zudem, eine nur sehr allmähliche Kurskorrektur ihrer Geldpolitik anzugehen. Dies wird die Märkte stabilisieren.
 

Was sollten Anleger nun am besten tun?

 
Die Reaktion der europäischen Finanzmärkte halte ich für stark übertrieben, gerade in Europa haben sich die realwirtschaftlichen Daten in letzter Zeit gebessert. Deshalb ist mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Stimmungsumkehr an den Aktienmärkten auszugehen. Auslöser könnte sein, dass Peking mit konjunkturstützenden Maßnahmen gegensteuert. Kurzfristig ist sicherlich noch mit deutlich erhöhter Volatilität zu rechnen. Investoren sollten keine Panikverkäufe unternehmen, sondern sich mittelfristig orientieren. Eher sehe ich auf dem derzeitigen Niveau wieder Einstiegsmöglichkeiten, immerhin hat der DAX seit dem Höchststand im April mehr als 20 Prozent eingebüßt.
Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE
Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE

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