Chinas Währung auf dem Weg in die Freiheit

Die Abwertung des Renminbi (RMB) durch die chinesischen Notenbank (People´s Bank of China, PBoC) in einem ersten Schritt um fast 2 Prozent entspricht der höchsten Währungsabwertung an einem Tag seit 1994. Auch wenn Investoren von diesem Schritt überrascht wurden, ergänzen sich die Wechselkursreformen und die laufenden Maßnahmen zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs. Vor diesem Hintergrund wird sich der RMB-Wechselkurs stärker an den Marktkräften orientieren und ist damit im Onshore (CNY) als auch im Offshore (CNH)-Segment stärker den Schwankungen des Marktes unterworfen.

 

Da die PBoC wahrscheinlich weiter in die Märkte eingreifen wird, um die höhere Volatilität zu reduzieren als auch um größere Kapitalabflüsse im Zuge der Währungsabwertung zu vermeiden, gehen wir nicht von einer Abwertung im zweistelligen Prozentbereich aus. Allerdings halten wir eine weitere Abwertung des RMB gegenüber dem USD im Rahmen der gesetzten Handelsspannen von +/- 2% pro Tag vor dem Hintergrund der Divergenz zwischen einer erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) und weiteren gelpolitischen Lockerungsmaßnahmen der chinesischen Notenbank für realistisch.
 
Der internationale Währungsfonds (IWF) begrüßte Chinas neuen Wechselkurs-Mechanismus, wenngleich der IWF auch bekannt gab, dass die neue Methode zur Bestimmung des täglichen RMB-Referenzkurses keine direkten Implikationen auf die Zusammensetzung der IWF-Sonderziehungsrechte habe. Ferner geht der IWF auch davon aus, dass China in 2-3 Jahren ein freies Wechselkurssystem haben könnte, wonach unseres Erachtens nach dem Schritt durch die PBoC eine Erweiterung der Handelsspanne der nächste logische Schritt in Richtung mehr Währungsflexibilität wäre. Umso mehr, als die Regierung das vor kurzem explizit als mögliche Maßnahme angesprochen hat. Allerdings wird China warten wollen, bis sich der marktorientierte Wechselkurs eingependelt und sich die Markterwartungen stabilisiert haben, bis ein solcher Schritt gewagt wird. Doch es ist nicht auszuschließen, dass dies früher passieren könnte als es aktuell von den Marktteilnehmern erwartet wird.
 
Das Risikobewusstsein mit Blick auf China und dessen Währung könnte sich allerdings ändern, da der Renminbi über die letzte Dekade als stabile Währung mit Aufwertungspotential verstanden wurde. Investoren dürften sich dieser neuen Gegebenheit anpassen, was eine höhere Schwankungen zur Folge haben könnte. Die Ansteckungsgefahr der höheren Volatilität steigt absehbar aber auch für andere asiatische Währungen. Insbesondere die asiatischen Währungen wie der Australische Dollar (AUD), der Koreanische Won (KRW), der Malaysischer Ringgit (MYR), der Taiwanesische Dollar (TWD) sowie der Singapur-Dollar (SGD) werden als anfälliger mit Blick auf die Devisenpolitik Chinas.

Stefan Scheurer, Senior Strategist, Global Capital Markets & Thematic Research, Global Economics & Strategy, bei Allianz Global Investors
Stefan Scheurer, Senior Strategist, Global Capital Markets & Thematic Research, Global Economics & Strategy, bei Allianz Global Investors

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