Allianz: Baubranche steht vor großem Boom, aber auch großen Risiken

„Covid-19 hat ein neues Zeitalter für die Bauindustrie eingeläutet“, sagt Robert Maurer, Leiter der Technischen Versicherungen der AGCS in Zentral- und Osteuropa. „Während die Bauprojekte während der Pandemie überwiegend weiterliefen und weiteres Wachstum zu erwarten ist, hat sich das allgemeine Umfeld grundlegend verändert. Die Branche sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Es gibt Lieferengpässe, Material und Mitarbeiter sind knapp, die Kosten steigen und über allem steht ein verstärkter Fokus auf Nachhaltigkeit. Darüber hinaus können die beschleunigte Umsetzung von Sparmaßnahmen und die Einführung neuer Technologien und Konstruktionen zu einer Zunahme der Risiken für Bauunternehmen und Versicherer gleichermaßen führen. Kontinuierliche Risikoüberwachung und Managementkontrollen werden daher in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Gemeinsam mit unseren Kunden werden wir dazu beitragen, diese Herausforderungen zu meistern, da AGCS die Bauindustrie als einen wichtigen Wachstumsbereich auch für das Versicherungsgeschäft ansieht.”

Die 10 wichtigsten Baumärkte der Welt verlagern sich weiter in die Schwellenländer, wobei China und die USA im Jahr 2030 eindeutig führend sein werden. Auf diese 10 Märkte werden 2030 voraussichtlich zwei Drittel der weltweiten Produktion entfallen.

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Die starken Wachstumsaussichten für die Baubranche und den Anlagenbau beruhen auf dem Ziel einer beschleunigten CO2-Reduzierung in allen Bereichen der Wirtschaft; dies erfordert erhebliche Investitionen in alternative Energieformen wie Wind, Sonne und Wasserstoff, Stromspeicher- und -übertragungssysteme, Batterieproduktionsanlagen oder Ladeinfrastruktur. Von Gebäuden wird nicht nur erwartet, dass sie emissionsärmer werden, sondern auch besser gegen extreme Wetterereignisse geschützt sind – gerade in katastrophengefährdeten Regionen werden bessere Küsten- und Hochwasser-schutzeinrichtungen sowie Abwasser- und Entwässerungssysteme benötigt. 

Die Regierungen vieler Länder planen umfangreiche Investitionen in große Infrastrukturprojekte, um sowohl die Wirtschaftstätigkeit nach der Pandemiekrise anzukurbeln als auch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft voranzutreiben. In den USA wird ein Infrastrukturpaket im Wert von über 1 Billion Dollar geschnürt, das von Brücken und Straßen bis hin zu den Breitband-, Wasser- und Energiesystemen des Landes reicht. Gleichzeitig haben die USA angekündigt bis 2022 in eine Reihe großer Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt zu investieren, um auf Chinas ehrgeizige Belt-and-Road-Initiative [1] zu reagieren. Auf vier Länder – China, Indien, die USA und Indonesien – werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich fast 60 % des weltweiten Wachstums im Baugewerbe [2] entfallen. Der Grüne Deal der EU will einen Investitionsplan in Höhe von rund 1 Billion Euro über die nächsten zehn Jahre mobilisieren. 

Der erwartete Boom bringt neben den Vorteilen auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Mittelfristig könnten plötzliche Nachfrageschübe die Versorgungsketten zusätzlich unter Druck setzen und bestehende Engpässe bei Material und Fachkräften verschärfen, was zu Termin- und Kostenüberschreitungen führen könnte. Darüber hinaus müssen viele in der Branche die Umsetzung von Effizienz- und Kostensenkungsmaßnahmen beschleunigen, wenn die Gewinnspannen durch Covid-19 zusätzlich geschmälert werden; dies könnte die Qualität und das Wartungsniveau beeinträchtigen und die Fehleranfälligkeit erhöhen. Eine AGCS-Analyse von fast 30.000 untersuchten Branchenschäden zwischen 2016 und Ende 2020 zeigt, dass Konstruktionsmängel und mangelhafte Ausführung eine der Hauptursachen für Verluste im Bau- und Ingenieurswesen sind und rund 20 % des Schadenwerts ausmachen.

Der verstärkte Nachhaltigkeitstrend wird die bisherige Risikolandschaft im Bausektor stark beeinflussen. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms [3] sind der laufende Betrieb von Gebäuden und die Bauindustrie weltweit für 38 % der energiebedingten Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Um diese zu senken, stehen Sanierungen oder Nutzungsänderungen von Bestandsgebäuden an. Außerdem müssen neue Materialien und Bauverfahren in relativ kurzer Zeit eingeführt werden. Dies birgt ein erhöhtes Risiko von Mängeln oder kann unerwartete Folgen für Sicherheit, Umwelt oder Gesundheit haben. Als nachhaltiges und kosteneffizientes Material hat zum Beispiel die Verwendung von Holz im Bauwesen in den letzten Jahren zugenommen. Dies hat jedoch Auswirkungen auf das Risiko von Brand- und Wasserschäden. Die AGCS-Analyse von Schadenfällen in der Technischen Versicherung zeigt, dass sich Brand- und Explosionsereignisse in den letzten fünf Jahren bereits mehr auf als ein Viertel (26 %) des Schadenwerts belaufen – und damit die teuerste Schadensursache sind.

Der Ausbau grüner Energien bringt auch neue Risiken mit sich. Offshore-Windprojekte werden immer größer, bewegen sich weiter hinaus aufs Meer und in tiefere Gewässer, was bedeutet, dass die Kosten im Zusammenhang mit Verzögerungen oder Reparaturen steigen. Offshore-Windparks können ebenso wie Onshore-Wind- und Solarprojekte von Serienschäden betroffen sein. Ein Konstruktions- oder Herstellungsfehler in einer Turbine kann sich beispielsweise auf viele Projekte auswirken. Auch fehlerhafte Fundamente in Solarparks und -anlagen haben zu hohen Schadenssummen geführt. Reparaturen an Unterseekabeln, die Tausende von Tonnen wiegen und für deren Verlegung Spezialschiffe erforderlich sind, können mehr als ein Jahr dauern. Allein eine Offshore-Konverterstation kann bis zu 1,5 Mrd. Dollar kosten, vergleichbar mit einer Ölplattform.

„Enorme Investitionen in grüne Energie bedeuten höhere Wertkonzentrationen, während die rasche Einführung von Prototyp-Technologien, Bauverfahren und -materialien eine enge Zusammenarbeit zwischen Underwriting, Schadenregulierung und Risk Engineering im Haus sowie zwischen Versicherern und ihren Kunden erfordert“, sagt Lena Bieringer, Regional Expert Green Energy in der CEE-Region.

Letztlich haben moderne Bau- und Produktionsmethoden das Potenzial, das Bauwesen radikal zu verändern, indem sie Risiken von der Baustelle wegverlagern und auf neue Technologien setzen. Insbesondere die modulare oder Fertigbauweise bietet viele Vorteile, wie z. B. ein kontrolliertes, fabrikbasiertes Qualitätsmanagement, weniger Baumüll, eine im Vergleich zu traditionellen Methoden halbierte Bauzeit und eine geringere Beeinträchtigung der Umgebung. Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich des Risikos von sich wiederholenden Schadensfällen. „Bei modularen Methoden besteht ein erhöhtes Risiko von Serienschäden, da ein und dasselbe Teil in mehreren Projekten verwendet werden könnte, bevor ein Fehler entdeckt wird“, erklärt Robert Maurer.

Der Fachkräftemangel im Baugewerbe wird den Trend zu Modulbau und Automatisierung wahrscheinlich noch verstärken. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung Cyberrisiken mit sich, gegen sich die Ingenieurs- und Bauunternehmen schützen müssen. Heute sind die Beteiligten auf einer Großbaustelle über verschiedene IT-Plattformen miteinander verbunden, was ihre Anfälligkeit erhöht. Cyberrisiken am Bau können von böswilligen Versuchen, sich Zugang zu sensiblen Daten zu verschaffen, über die Unterbrechung der Baustellenkontrolle und den damit verbundenen Diebstahl bis hin zur Unterbrechung der Lieferkette und der potenziellen Verfälschung von Projektentwurfsdaten reichen. 

Auf den Baustellen müssen auch die Auswirkungen von klimabedingten Ereignissen wie Waldbränden, Sturzfluten und Erdrutschen stärker berücksichtigt werden. Die Schadenanalyse der AGCS zeigt, dass Naturgefahren bereits die zweitteuerste Ursache für Schäden im Baugewerbe sind und in den letzten fünf Jahren 20 % des Schadenwerts ausmachten.

Wasserschäden sind nach wie vor eine der Hauptschadensursachen während der Bauphase. AGCS hat eine Reihe von überraschend großen Schäden durch Leckagen in Druckwasser- oder Feuerlöschsystemen beobachtet, die unentdeckt bleiben oder in Zeiten auftreten, wenn kein Baustellenpersonal anwesend ist. Systeme zur Erkennung und Überwachung von Wasserlecks können dazu beitragen, die Häufigkeit und den Schweregrad von Wasserschäden zu reduzieren und so teure Reparaturen und Projektverzögerungen zu vermeiden.

[1] CFR, China’s Massive Belt and Road Initiative, Januar 2020
[2] Marsh, A global forecast for construction to 2030 issued in partnership with Oxford Economics and Guy Carpenter, September 2021
[3] United Nations Environment Programme (UNEP), Building sector emissions hit record high, but low-carbon pandemic recovery can help transform sector, Dezember 2020

Die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) ist ein weltweit führender Anbieter von Industrieversicherungen und eine wichtige Geschäftseinheit der Allianz Gruppe. Wir bieten – über zehn speziellen Versicherungssparten – RisikoberatungSchaden- und Unfallversicherung und alternativen Risikotransfer für ein breites Spektrum von Firmen-, Industrie und Spezialrisiken.

Unsere Kunden sind so vielfältig wie die Wirtschaft. Sie reichen von den 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt über kleine Firmen bis hin zu Privatpersonen. Darunter sind führende Konsumgütermarken, Technologieunternehmen und die globale Luft- und Schifffahrtsindustrie ebenso wie Satellitenbetreiber oder Hollywood-Filmproduktionen. In einem dynamischen, multinationalen Geschäftsumfeld suchen sie bei der AGCS nach intelligenten Antworten für ihre größten und komplexesten Risiken und vertrauen auf unsere hervorragende Leistung im Schadensfall.

Weltweit beschäftigt die AGCS rund 4.400 Mitarbeiter an eigenen Standorten in 31 Ländern und ist über das Netzwerk der Allianz Gruppe oder von Partnern in über 200 Ländern und Gebieten vor Ort. Als eine der größten Schaden- und Unfallversicherungseinheiten der Allianz Gruppe verfügen wir über starke und stabile Finanzratings. Im Jahr 2020 erwirtschaftete die AGCS weltweit Bruttoprämien in Höhe von insgesamt 9,3 Milliarden Euro.

 

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 126 Millionen* Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 706 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors 1,7 Billionen Euro** für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir unter den führenden Versicherern im Dow Jones Sustainability Index. 2021 erwirtschafteten über 155.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 148,5 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 13,4 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

*Einschließlich nicht konsolidierter Einheiten mit Allianz Kunden.
**Stand: 30. September 2022

Pressekontakte

 

Hugo Kidston
Allianz Global Corporate & Specialty

 

Heidi Polke
Allianz Global Corporate & Specialty

 

Daniel Aschoff
Allianz Global Corporate & Specialty

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
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