ESG Risiken steuern

Der weltweite Ausbruch des Coronavirus und die daraus resultierenden Betriebsunterbrechungen für viele Unternehmen zeigen, wie risikoanfällig sie sind.

Natürlich lässt sich nicht voraussagen, wann und wo die nächste Pandemie ausbrechen wird. Aber überrascht nicht, dass Risiken in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) immer wichtiger werden.

In seinem jüngsten Global Risk Dialogue hebt Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) - der Unternehmensversicherer der Allianz Gruppe - fünf ESG-Themen hervor, die es im Jahr 2020 zu beobachten gilt:

Klimawandel

Auch wenn Covid-19 vorübergehend die Schlagzeilen beherrscht, bleibt der Klimawandel im Bewusstsein der Menschen. Verständlicherweise: Er ist die drängendste Herausforderung des kommenden Jahrzehnts. Die steigenden Kosten der globalen Erwärmung sind offensichtlich: Von 1980 bis heute haben sich die wetterbedingten und Hochwasserschäden verdrei- bis vervierfacht.

Tatsächlich fordern extreme Wetterereignisse laut Climate Transparency jährlich rund 16.000 Menschenleben in den G20-Ländern. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf schätzungsweise 142 Milliarden Dollar pro Jahr. Von der Bedrohung von Anlagen und Unternehmensvermögen bis hin zu Störungen der Lieferkette aufgrund von unterbrochenen Energie- und Transportverbindungen haben Firmen viel zu verlieren, wenn die Meere steigen, Dürren immer länger anhalten, die Heftigkeit von Stürmen und die Gefahr von massiven Überschwemmungen zunimmt.

Das ist noch nicht alles. Dazu kommen umweltbezogene Klagen.

"Es gibt bereits in 30 Ländern Klagen gegen die großen klimabelastenden Unternehmen. Die Mehrheit wurde in den USA eingereicht", erklärt Christopher Bonnet, Leiter der ESG Business Services bei AGCS. "Es sind jedoch nicht nur Regierungen und Regulierungsbehörden, die Druck auf Unternehmen ausüben, um positiv auf den Klimawandel zu reagieren. Immer stärker wird der gesellschaftliche Druck von Klimaaktivisten gegen Unternehmen, vor allem in Europa. Vorstände werden auch auch zunehmend von Investoren und anderen Interessengruppen herausgefordert.

Der Preis für die Bewältigung des Klimawandels für Unternehmen könnte laut einer Studie der Allianz im nächsten Jahrzehnt bis zu 2,5 Billionen Dollar betragen.

Wasserwirtschaft

Das schlichte Glas Wasser in Ihrer Hand könnte in Zukunft zu einer recht kostbaren Ressource werden. In den nächsten drei Jahrzehnten werden auf der Welt voraussichtlich 9,7 Milliarden Menschen leben. Entsprechend steigt auch die Nachfrage nach Wasser um 20-30 Prozent.

Auch heute noch gibt es Bevölkerungsgruppen, die verdursten. Bis zu 2 Milliarden Menschen leben in Gebieten mit wenig Wasser. Etwa 4 Milliarden Menschen - fast die Hälfte der Weltbevölkerung - leiden mindestens einen Monat lang pro Jahr unter starker Wasserknappheit.

Wenn man die steigende Nachfrage und die Folgen des Klimawandels einbezieht, ist die Schlußfolgerung eindeutig.

Unter den Industriezweigen gehören Agrarunternehmen und Landwirte, Wärmekraftwerke, Textil- und Bekleidungshersteller, Fleischverarbeiter, Getränkehersteller, Bergleute und Automobilhersteller zu den wasserintensivsten. Ihre Wassernutzung wird jetzt auf den Prüfstand gestellt.

Unternehmen stehen unter dem Druck, Wasserressourcen zu schützen, Verschmutzung zu verhindern und ihren Verbrauch durch effizientes Wassermanagement zu optimieren.

Biodiversität

Wirtschaftswachstum hat seinen Preis. Menschliche Aktivitäten haben fast 75 Prozent des Lebens auf der Erde und etwa 66 Prozent der Meereswelt negativ beeinflusst. Sage und schreibe eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht.

Zudem haben Stürme oder Dürre die Nutzbarkeit von fast einem Viertel der weltweiten Landfläche verringert. Dies könnte die weltweite Pflanzenproduktion um 577 Milliarden Dollar jährlich beeinträchtigen und die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen beeinträchtigen.

Die Verschmutzung durch Kunststoffe hat sich in den letzten vier Jahrzehnten verzehnfacht, wobei jährlich 300-400 Millionen Tonnen Schwermetalle, Industrieabfälle und Schlamm in die globalen Gewässer gekippt werden.

"Es steht außer Frage, dass menschliche Aktivitäten das Ökosystem Erde negativ beeinflussen", sagt Bonnet. "Unternehmen müssen verstehen, dass ihre Rentabilität tatsächlich abnimmt, wenn sie weiterhin natürliche Ressourcen ausbeuten, ohne die Auswirkungen ihres Handelns auf ihre Reputation, ihre Treuhänder  und die Regulierung zu bedenken.

Die Kreislaufwirtschaft wird bei vielen Firmen immer beliebter:  Produkte werden in Sekundärrohstoffe verwandelt und weiter genutzt, statt in den Abfall zu wandern.

"Unternehmen, die Nachhaltigkeit in bestehenden Produkte ausbauen oder Forschungs- und Entwicklungsressourcen einsetzen, um nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen, finden  Wettbewerbsvorteile und sind auch effizienter im Management anderer Nachhaltigkeitsinitiativen", sagt Bonnet.

Ausbeutung von Menschen

Viele denken bei Nachhaltigkeit vor allem an die Umwelt. Wichtig sind aber auch soziale Aspekte wie Menschenrechte. Zwangsarbeit und moderne Sklaverei sind für viele Menschen eine bittere Realität. Doch selbst für Unternehmen mit den besten Absichten ist es nicht leicht, soziale Missstände in ihren Lieferketten zu erkennen. Besonders gefährdet sind Branchen wie Textil, Lebensmittel und Landwirtschaft, Elektronik, Sport, Bauwesen, Gastgewerbe und häusliche Dienstleistungen.

Topmanager sollten wachsam zu sein, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in den unternehmenseigenen  Lieferketten geht. Die Schäden könnten erheblich sein - von Klagen über regulatorische Maßnahmen bis hin zu Reputationsrisiken.

"Eine sorgfältige Prüfung ist entscheidend", sagt Bonnet. "Unternehmen können einen Lieferantenkodex mit abgestuften Einhaltungspflichten einsetzen. Risikomanagement kann helfen, wenn Unternehmen ein Audit durchführen, Verbesserungsbedarf ermitteln und Lösungen vorschlagen.“

Unternehmensführung

Im Zeitalter der sozialen Medien können Fehler in der Unternehmensführung den Ruf eines Unternehmens im Handumdrehen beeinträchtigen. "Es ist wichtig, dass ein Unternehmen fair mit seinen Mitarbeitern umgeht, ethisch einwandfrei arbeitet, Reputationsrisiken vermeidet und den Großteil seiner Einnahmen aus nachhaltigen Aktivitäten erzielt", sagt Bonnet.

Wegen Bestechung und Korruption bis hin zu Datenschutz-Missbrauch und Betrug sind zahlreiche Unternehmen in die Kritik geraten. Wenn Unternehmen sich nicht selbst regulieren, könnten sie mit einer starken Regulierung konfrontiert werden.

"Gute Unternehmensführung bezieht sich auf Systeme, die  Rechenschaftspflicht, Transparenz, Legitimität, Öffentlichkeitsbeteiligung, Gerechtigkeit und Effizienz aufweisen. Wir als Versicherer belohnt solche guten Praktiken. Unternehmen sollten besser nicht an einer guten  Unternehmensführung scheitern - es ist die ‚licence to operate‘", schließt Bonnet.

Dieser Artikel basiert auf einer Geschichte, die in der Frühjahrs-/Sommerausgabe des AGCS Global Risk Dialogue veröffentlicht wurde. Klicken Sie hier, um mehr zu den ESG-Risiken zu erfahren.  

Die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) ist ein weltweit führender Anbieter von Industrieversicherungen und eine wichtige Geschäftseinheit der Allianz Gruppe. Wir bieten – über zwölf speziellen Versicherungssparten – Risikoberatung, Schaden- und Unfallversicherung und alternativen Risikotransfer für ein breites Spektrum von Firmen-, Industrie und Spezialrisiken.

Unsere Kunden sind so vielfältig wie die Wirtschaft. Sie reichen von den 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt über kleine Firmen bis hin zu Privatpersonen. Darunter sind führende Konsumgütermarken, Technologieunternehmen und die globale Luft- und Schifffahrtsindustrie ebenso wie Weinkellereien, Satellitenbetreiber oder Hollywood-Filmproduktionen. In einem dynamischen, multinationalen Geschäftsumfeld suchen sie bei der AGCS nach intelligenten Antworten für ihre größten und komplexesten Risiken und vertrauen auf unsere hervorragende Leistung im Schadenfall.

Weltweit beschäftigt die AGCS 4.400 Mitarbeiter an eigenen Standorten in 34 Ländern und ist über das Netzwerk der Allianz Gruppe oder von Partnern in über 200 Ländern und Gebieten vor Ort. Als eine der größten Schaden- und Unfallversicherungseinheiten der Allianz Gruppe verfügen wir über starke und stabile Finanzratings. Im Jahr 2018 erwirtschaftete die AGCS weltweit Bruttoprämien in Höhe von insgesamt 8,2 Milliarden Euro.

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von über 754 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager Allianz Global Investors und PIMCO fast 1,7 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsent-scheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2019 erwirtschafteten über 147.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 142 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,9 Milliarden Euro.

 

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakte

 

Heidi Polke
Allianz Global Corporate & Specialty

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
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