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„Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“ Dieser einfache Satz an einer Wand in der East Side Gallery in Berlin spricht das an, was viele Europäer gerade denken.

Jeder, der die aktuellen Trends wahrnimmt, würde auch behaupten, dass es an der Zeit ist, dass sich Europa verändert – was die Arbeitswelt betrifft, das Rentensystem, in der Einstellung zu Umwelt, Bildung und Digitalisierung sowie in der unternehmerischen Verantwortung.  

Die gute Nachricht ist, dass die Europäer, zumindest die Deutschen, die Franzosen und die Italiener, bereit sind, den Wandel anzunehmen.

Doch auch wenn die meisten Europäer sich den Wandel wünschen, erwarten sie keine grundlegenden Veränderungen, so eine Allianz-Studie. Unter dem Titel Allianz Pulse 2019: The Political Attitudes of the French, Germans and Italians - Longing for Reform“ befragte die Studie jeweils 1.000 Personen in Deutschland, Frankreich und Italien zu ihren Ansichten über politische Prioritäten, Reformen und Ambitionen.

Das Thema Zuwanderung bereitet den Bürgern dieser Länder nicht die größten Sorgen.  

Soziale Frage im Vordergrund

Die Bekämpfung sozialer Ungleichheit verdrängt das Thema Zuwanderung in der Rangliste der Prioritäten der Bürger der drei größten Volkswirtschaften Europas (außer Großbritannien). Bis zu 75 Prozent der italienischen Befragten und jeweils 71 Prozent der Franzosen und Deutschen zeigten sich zunehmend unsicher über die Einkommensungleichheit. Arbeitsplätze und Renten waren weitere Stressfaktoren.

Die Italiener machten sich am meisten Sorgen um Arbeitsplätze, während die Deutschen mehr Wert auf Rentenreformen legten. Etwa zwei Drittel der französischen Befragten äußerten sich besorgt über beide Themen.

Viele Befragte scheinen eine drohende Rentenkrise zu befürchten, sagt Arne Holzhausen, Head of Wealth and Insurance bei Allianz Research und Koautor der Studie. "Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der Nullzinsen und der sich rasch ändernden Arbeitswelt sind diese Befürchtungen nicht vollkommen unbegründet. Die Rentenfrage kann jedoch nicht allein von der Regierung gelöst werden. Selbstverantwortung - eigene Vorsorgeanstrengungen - sind wichtig."

Der Abbau der Arbeitslosigkeit war für die Italiener und Franzosen eine Top-Priorität. Vor dem Hintergrund der guten Verfassung des Arbeitsmarkts, spielt dieses Problem nur eine untergeordnete Rolle für die Deutschen.

Auch die Steuerpolitik, ein Thema das seit jeher diskutiert wird, stand ganzoben auf der Problemliste. Die Italiener und Franzosen sahen in hohen Steuern eine Belastung für die zukünftige Entwicklung. Die Befragten aus Deutschland, dem Land mit einer der höchsten Steuerrate in der EU, zeigten sich diesbezüglich jedoch gelassener. Für die Deutschen ist das als unzureichend empfundene Bildungssystem ein größeres Problem.

Fast 60 Prozent der Befragten glaubten, dass sich die Gesellschaft in jüngster Vergangenheit eher zum Negativen entwickelt hat. Das zeigen auch die hohen Werte des Allianz Need for Change Indicator (ANCI), der den Wunsch der Menschen nach Veränderungen im Zusammenhang mit nationaler und supranationaler Politik, Globalisierung, Digitalisierung/Internet und Klimawandel misst.

Die Mehrheit der Befragten war jedoch nicht allzu zuversichtlich, dass grundlegende Veränderungen im Gange waren. Dieser Pessimismus spiegelte sich im Allianz Future Confidence Indicator (AFCI) wider, der in allen drei Ländern unter 50 lag, was auf geringes Vertrauen in das politische System hindeutet.  

Tatsächlich sah eine Mehrheit der italienischen und französischen Befragten ihr politisches Systems als eines der Hauptprobleme an!

Grenzüberschreitend

Auf der Makroebene standen Klimawandel, Zuwanderung, Globalisierung und sogar Digitalisierung im Mittelpunkt.

Die Franzosen und die Deutschen waren besonders besorgt über den Klimawandel und bewerteten ihn als zweit- bzw. drittgrößtes Risiko für ihre Länder. Beide wollen, dass die Europäische Kommission dieses Thema in der Politik über andere stellt.

Schaut man sich die Erwartungen an die nächste EU-Kommission an, ergibt sich ein relativ klares Mandat, sagt Allianz Chefvolkswirt Ludovic Subran. "Sie sollte sich auf über-nationale Probleme wie Klimaschutz und Zuwanderung fokussieren. Die nationalen Regierungen hingegen sollten sich auf soziale Belange konzentrieren. Das wäre eine klare Arbeitsteilung und ein Rezept, um Europa wieder voran zu bringen."

Überraschend konnte das Thema Digitalisierung die Franzosen nicht so sehr begeistern wie die Deutschen und Italiener. Tatsächlich erwarteten 11 Prozent der französischen Befragten, dass die Digitalisierung sogar ein Risiko für ihre Wirtschaft darstellen würde. Obwohl die Deutschen den Ruf haben, besonders sorgsam ihre Privatsphäre zu schützen, ergab die Studie, dass die Franzosen größere Ängste im Umgang mit ihren Daten haben.

Über ihre EU-Mitgliedschaft und die Globalisierung waren die Meinungen geteilt. Die französischen und italienischen Befragten sahen die EU-Mitgliedschaft als negativ an, während die Deutschen sie als positiv empfanden. Die Deutschen waren aber auch die härtesten Kritiker der Globalisierung, vielleicht geprägt durch die Auswirkungen der Auseinandersetzung zwischen den USA und China und dem Brexit.

Trotz all der Probleme war Drexit, Frexit oder Quitaly keine Option, die die Befragten dieser Nationalitäten in Betracht ziehen wollten. Sie würden lieber unglücklich verheiratet bleiben. Das Verhältnis ist eben kompliziert...

Eine Aufgabe für Unternehmen

Die Befragten aus allen drei Ländern wünschen sich, dass sich Unternehmen gesellschaftlich engagieren. Die Deutschen sind besonders anspruchsvoll: Fast die Hälfte der Befragten forderte die Unternehmen auf, ihr Umwelt-, Sozial- und Governance-Programm (ESG) zu stärken.

In allen drei Ländern forderten vor allem die jüngeren Europäer von den Unternehmen mehr Engagement in diesem Bereich.
Mehr als die Hälfte der Befragten aus Frankreich und Italien und 60 Prozent aus Deutschland möchten, dass die Unternehmen soziale Verantwortung zu übernehmen.

Ihre Erwartungen an den Klimaschutz waren noch höher. Ein hoher Prozentsatz forderte von den Unternehmen, sich auf Klimaneutralität zu konzentrieren und umweltfreundliche Investitionen zu tätigen. Auf die Frage, ob Unternehmen genug im sozialen Bereich tun, antworteten 60 Prozent der Befragten mit einem Nein.

Erfreulicherweise waren die Deutschen und die Italiener bereit, persönliche Opfer für den Klimaschutz zu bringen. Die französischen Befragten neigten jedoch insgesamt eher dazu, die Verantwortung der Regierung zu überlassen. Die Millennials in Frankreich, haben sich gegen den Trend in ihrem Land gestellt. Sie waren bereit, diese zusätzliche Meile zu gehen, um ihre Umwelt zu schützen. Der 'Greta-Effekt' ist real.

Allerdings glaubten die Befragten, dass Unternehmen viel mehr tun müssten in all diesen Bereichen, als sie es bereits auf individueller Ebene tun. Schließlich sind die Fußabdrücke der Konzerne viel größer als die einzelner Personen.

Für weitere Einblicke zur Stimmung in Europa klicken Sie direkt auf den Bericht „Allianz Pulse 2019: The Political Attitudes of the French, Germans and Italians - Longing for Reform.“
Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 92 Millionen Privat- und Unternehmenskunden. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von rund 764 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors mehr als 1,6 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2018 erwirtschafteten über 142.000 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern für die Gruppe einen Umsatz von 132 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakte

 

Dr. Lorenz Weimann
Allianz SE

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