Handel 2019: Krieg oder Frieden?

Das Jahr 2018 war überaus turbulent. Die Sorge, die beiden Wirtschaftsriesen USA und China könnten in einen Handelskrieg geraten, hielt Investoren und Unternehmer gleichermaßen in Atem. 

Auf dem jüngsten G20-Gipfel einigten sich die beiden Großmächte zwar auf einen 90-tägigen „Waffenstillstand“. Allerdings ließen die anschließenden Ereignisse schnell neue Zweifel darüber aufkommen, ob der Frieden lange halten wird.  

Gibt es also Grund zur Sorge was den Welthandel im Jahr 2019 betrifft? Oder können wir die Ängste von 2018 im neuen Jahr getrost hinter uns lassen?

Der aktuelle Global Trade Report von Allianz Research wirft einen Blick in die Zukunft des Welthandels … 

Im nächsten Jahr ist mit einem etwas geringeren globalen Wirtschaftswachstum zu rechnen. Hinzu kommen niedrigere Investitionen wegen der Zinserhöhungen in den USA und eine geringere Wachstumsdynamik in den Schwellenländern, die sich bereits jetzt abzeichnet. Für den Welthandel ergibt sich daraus einen eher gedämpfte Perspektive. 

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass sich das Wachstum des weltweiten Waren- und Dienstleistungsverkehrs von den für 2018 geschätzten 3,8 Prozent auf 3,6 Prozent verlangsamen wird. Das Wachstum des Werts der gehandelten Güter und Dienstleistungen wird voraussichtlich von 7,2 Prozent auf 6,3 Prozent sinken. 

Auch wenn die Aussichten für den Welthandel durch die derzeitige protektionistische Rhetorik belastet sind, gibt es gute Gründe dafür anzunehmen, dass der derzeitige Konflikt nicht weiter eskaliert und es zu einem Welthandelskrieg kommt: Die US-Regierung wird wegen der neuen Mehrheitsverhältnisse im Kongress voraussichtlich pragmatischer handeln, China geht vorsichtig mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA um und neue Liberalisierungsschritte und Freihandelsabkommen in anderen Teilen der Welt gleichen die negativen Wirkungen des Handelskonflikts teilweise aus. Tatsächlich zeigt der jüngste Bericht der Weltbank „Doing Business“ einen positiven Trend zu mehr Handel in den meisten wichtigen Volkswirtschaften.

Wer wird importieren?

Unabhängig von ihrer derzeit schwierigen Beziehung werden die USA und China auch im nächsten Jahr die Top-Ziele für Exporteure bleiben. Laut Allianz Research könnten die USA 2019 Waren und Dienstleistungen im Wert von 193 Milliarden Dollar zusätzlich importieren, während China seine Importe um 161 Milliarden Dollar steigern könnte. 

Eine Verbesserung der Lage auf dem EU Arbeitsmarkt sowie eine nachhaltige Investitions- und Konsumnachfrage werden die Nachfrage nach importierten Waren und Dienstleistungen in der Region antreiben. "Die Eurozone wird ihre Importe im nächsten Jahr um 260 Milliarden Dollar steigern, der Hauptimpulsgeber ist Deutschland", sagt Ludovic Subran, Global Head of Macroeconomic Research bei der Allianz. 

Die Aussichten innerhalb der Eurozone im nächsten Jahr sind durchaus positiv. Die Löhne werden um 2,4 Prozent steigen (2018: + 2,2 Prozent), während die Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent auf 7,9 Prozent sinken wird. 

Weitere Länder auf der Liste der wichtigsten Exportziele sind Indien und Japan. 

Wer wird exportieren?

China und die USA - und das in der Reihenfolge. China wird Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 146 Milliarden Dollar mehr ausliefern, während die USA ihre Exporte um 134 Milliarden Dollar steigern werden. 

In den USA werden höhere Kapazitäten den Energieexport ankurbeln, während in China ein solides Wachstum beim Export von Telekommunikationsprodukten erwartet wird. 

Indien, Deutschland und die Niederlande werden die anderen Top-Exporteure sein.

allianz global trade report

Was wird nachgefragt?

2019 wird der Wert der weltweit gehandelten Dienstleistungen um 365 Milliarden US-Dollar steigen. Auch das Verarbeitenden Gewerbe wird deutlich serviceorientierter, es wird mehr Geld für Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb, Kundenbetreuung sowie Finanzdienstleistungen ausgegeben. Die Digitalisierung als branchenübergreifender Trend sowie neue Nachfrage aus den Schwellenländern werden die wichtigsten Wachstumstreiber für Dienstleistungen sein.

Ein weiterer großer Gewinner im neuen Jahr wird die Elektronik- und Elektrogeräteindustrie sein. Hier werden im nächsten Jahr Güter im Wert von bis zu 337 Milliarden Dollar gehandelt, einschließlich Telekommunikationsprodukte, elektrische Geräte und elektronische Komponenten. 

Was verliert an Nachfrage?

Für die Metall- und Automobilindustrie gibt es im nächsten Jahr möglicherweise weniger Grund zu feiern. Angesichts der erheblichen protektionistischen Bedrohungen könnten die beiden Bereiche im Jahr 2019 eine Verlangsamung des Handels erleben. Vor allem für die Automobilindustrie steht viel auf dem Spiel sollte die USA ihre Drohung auf Automobilimporte im Wert von rund 200 Milliarden Dollar 25 Prozent Strafzölle zu erheben, wahr machen.

Worauf sollten wir noch achten?

Neben dem Handelskonflikt gibt es noch ein paar andere Dinge, die die Aussichten für das Jahr 2019 zusätzlich eintrüben könnten.

Erstens wird der globale Handel wird eine kostspieliger. Höhere Zölle bedeuten auch mehr Zeit für Zollabfertigungen. Dazu kommt die größere Unsicherheit und straffere monetäre Bedingungen, die die Finanzierung des globalen Handels verteuern werden. Auch Währungs- und Zahlungsausfallrisiken tragen dazu bei.

Des Weiteren könnte die Umlenkung der Handelsströme neue Gewinner und Verlierer hervorbringen. Aus Angst vor einer Unterbrechung der Lieferketten könnten sich Unternehmen stärker auf lokale Märkte und sicherere Handelswege konzentrieren. Wahrscheinlich werden davon die asiatischen Versorgungszentren profitieren. 

Last but not least gibt es noch politische Risiken. Da die Regierungen immer mehr in Handel und Wirtschaft eingreifen, könnten Sanktionen und regulatorische Maßnahmen in wichtigen Sektoren den Protektionismus fördern. 

 

Eine detaillierte Analyse der Entwicklungen des Handels im nächsten Jahr finden Sie im Allianz Global Trade Report 2019.....

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 92 Millionen Privat- und Unternehmenskunden. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von rund 673 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors mehr als 1,4 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2018 erwirtschafteten über 142.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern für die Gruppe einen Umsatz von 131 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakt

 

Dr. Lorenz Weimann
Allianz SE

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
Disclaimer

Mehr Informationen

AGCS shipping review 2019

In diesem Jahrhundert wurden noch nie so wenige Totalverluste von Schiffen verzeichnet wie in 2018. Wie aus der Safety and Shipping Review 2019 der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) hervorgeht, ist die Zahl dieser Schäden im Jahresvergleich um 50 Prozent gesunken – und um 55 Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt.  

Car Wars: Vort-e-il China

Vom Verbrennungsmotor zum Ökomobil: Maschinen haben große Fortschritte darin erzielt, Menschen von einem Ort zum anderen zu befördern. Heute läuten Elektrofahrzeuge die Zukunft des Automobils ein, doch welches Land führt im Wettlauf um grüne Mobilität? 

Ton ab! Kamera ab! Versicherung!

Der Zauber der Leinwand würde schnell verblassen, wenn Filmschaffende sich nicht mehr auf den Schutz verlassen könnten, den ihnen Versicherungen bieten. Doch welche Rolle spielen Versicherungen in der Unterhaltungsindustrie? Die neueste Ausgabe des AGCS Global Risk Dialogue wirft einen Blick hinter die Kulissen...

Riskant an der Spitze

Als CEO, Vorstandsmitglied oder leitender Angestellter steht man oft unter Beobachtung. Die Erwartungen sind hoch und Fehler können kostspielig sein. Was sind die größten Bedrohungen für Direktoren und Führungskräfte heutzutage? Allianz Global Corporate & Specialty identifiziert die wichtigsten Trends.

Euro Monitor 2018: Höchststand erreicht?

Ein gutes Jahrzehnt nach Beginn der großen Finanzkrise scheint die Eurozone insgesamt wieder relativ gut in Form zu sein. Diese positive wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen des diesjährigen Euro Monitors wider. Der Euro Monitor zeigt aber auch Problemfelder auf.

Wo die klugen Sparer leben

Die Sparer der Eurozone stecken in einer Zwickmühle: Die Zinssätze verharren bei Null, aber die Inflation treibt die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Was den einen Sparer von dem anderen unterscheidet, ist die Sparstrategie. Allianz Research schaut sich genau an, wo das Geld der Sparer innerhalb der Eurozone am effektivsten arbeitet und wo die wirklich klugen Sparer leben.....

Allianz Risk Barometer 2019: Cyber erstmals gleichauf mit Betriebsunterbrechung als größtes Risiko für Unternehmen weltweit

Datenskandale, großflächige IT-Ausfälle und die Einführung strengerer Datenschutzbestimmungen rücken Cyberrisiken zunehmend in den Blickpunkt der Unternehmen. Laut dem Allianz Risk Barometer 2019 gehören Cybervorfälle gemeinsam mit Betriebsunterbrechungen (je 37% der Antworten) zu den größten Geschäftsrisiken weltweit. 

Handel 2019: Krieg oder Frieden?

Krieg oder Frieden im Handelskonflikt, wie wird es mit dem  globalen Handel im nächsten Jahr weitergehen? Allianz Research analysiert die Lage für 2019 …

Deutschland in schwierigem Wachstumsumfeld

Die deutsche Wirtschaft hat zuletzt einen spürbaren Dämpfer erhalten und die Prognosen werden zurzeit reihenweise nach unten korrigiert. Während bereits schon über weite Teile des Jahres verschiedene Konjunkturindikatoren eine Abschwächung der Wachstumsdynamik anzeigten, legte das reale Bruttoinlandsprodukt in der ersten Jahreshälfte noch solide zu. Im dritten Quartal knickte die Konjunktur dann aber regelrecht ein.