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In einer Studie der Allianz zum Thema Verkehrssicherheit haben sich technische Systeme im Innenraum moderner Fahrzeuge in vielen Ländern als gefährlicher erwiesen als Alkohol am Steuer. Solche Ablenkungen halten den Fahrer davon ab, das Verkehrsgeschehen im Auge zu behalten.

Allianz SE
München, 09.02.2018

Allianz-Technik kann ablenken

Lange Zeit galt Alkohol als eine der gefährlichsten Ursachen für die Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit, aber mittlerweile erweisen sich die Ablenkungen, die von Smartphones, Navigationssystemen und anderen technischen Anwendungen ausgehen, als ein größeres Risiko. Rund 74 Prozent aller Fahrzeugführer geben zu, dass sie beim Fahren mit diesen Ablenkungen zu tun haben.

Eine neue Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigt, dass sich die Unfallgefahr deutlich erhöht, wenn die Aufmerksamkeit der Fahrer stärker auf die ihnen zur Verfügung stehende technische Ausstattung und weniger auf den Verkehr gerichtet ist. Die Untersuchung betont, dass zwischen der Verwendung von Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsfunktionen im Auto und höheren Unfallraten ein statistischer Zusammenhang besteht.

So berichteten 60 Prozent der Fahrer, die in den zurückliegenden drei Jahren Unfälle hatten, dass sie beim Fahren ihr Mobiltelefon nutzen. Unter den unfallfreien Fahrern lag der entsprechende Anteil hingegen nur bei 37 Prozent.

„Das Ergebnis ist eigentlich keine Überraschung“, sagt Jochen Haug, Vorstand Schaden bei der Allianz Deutschland. „Je vielfältiger die Technik und je komplexer deren Bedienung, desto höher ist die Ablenkung vom Straßenverkehr.“

Im Technikrausch

Experten sagen, dass jeder zehnte Verkehrsunfall mit Todesfolge auf die Ablenkung eines Fahrers zurückgeht. In Deutschland starben 256 der insgesamt über 3.200 Unfalltoten des Jahres 2016 aufgrund von Trunkenheit am Steuer. Deutlich mehr Menschen (rund 350) starben aufgrund von Unfällen, bei denen technische Ablenkungen im Spiel waren.

Haug merkt an, dass es bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch akzeptabel war, sich auch nach einigen Gläsern Wein noch ans Steuer zu setzen. Nach mehr als 20.000 Unfalltoten im Jahr 1970 führte die deutsche Regierung ein Tempolimit auf Landstraßen ein; ein Jahr später wurde der maximal zulässige Blutalkoholspiegel beim Fahren auf 0,8 Promille gesenkt.

„Beim Thema Alkohol hat sich die Einstellung gewandelt: Alkoholisiertes Fahren ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Wir müssen die gleiche Haltung auch bezüglich der Verwendung von Smartphones am Steuer einnehmen“, fordert Haug. „Unsere Studie macht unmissverständlich klar, dass man Menschenleben gefährdet, wenn man beim Fahren sein Handy bedient.“

Laut der Umfrage verstößt fast jeder zweite Fahrer durch seinen Umgang mit dem Smartphone gegen geltende Vorschriften. Drei Viertel der Umfrageteilnehmer gaben zu, dass sie regelmäßig von der eingebauten Technik ihres Fahrzeugs abgelenkt werden, und 39 Prozent sagten, dass sie das Navigationssystem während der Fahrt manuell bedienen.

Jeder vierte Fahrzeugführer liest und 15 Prozent beantworten Textnachrichten beim Fahren. Bei jungen Verkehrsteilnehmern bis 24 Jahren liegt diese Rate sogar bei bis zu 27 Prozent.

Studien in anderen Ländern zeigten ähnliche Resultate. Aus einem Bericht über eine 2015 in den USA durchgeführte Umfrage unter 1.211 Fahrern geht hervor, dass fast 60 Prozent der Befragten im vorangegangenen Monat Textnachrichten am Steuer gelesen oder geschrieben hatten. Zudem konnte ein starker Zusammenhang zwischen diesen Ergebnissen und der Unfallrate festgestellt werden.

Darüber hinaus sind in den USA Fahrzeugunfälle für fast ein Viertel aller im Alter von 15 bis 24 Jahren verstorbenen Teenagern und jungen Erwachsenen verantwortlich. Laut US-Statistiken der National Highway Traffic Safety Administration war 2015 mehr als ein Drittel (36 Prozent) aller abgelenkten Fahrer, die in Unfälle mit Todesfolge verwickelt waren, zwischen 15 und 29 Jahre alt.

Handlungsbedarf angesagt

Das AZT setzt sich schon lange dafür ein, Ablenkung als weiteren Unfallgrund in offizielle Unfallstatistiken aufzunehmen und die Straßenverkehrsregeln besser auf die aktuellen Kommunikationstechniken abzustimmen. Die deutsche Bundesregierung hat kürzlich die Definition von Smartphones auf Tablets und ähnliche Geräte ausgeweitet.

Die Allianz befürwortet außerdem zusätzliche Maßnahmen; zum Beispiel sollte es in Zukunft nicht mehr möglich sein, während der Fahrt Navigationsziele einzugeben oder über die Menüführung von Fahrzeugsystemen auf das Internet zuzugreifen. Bestimmte moderne Fahrerassistenzsysteme, die sogenannten Notbremsassistenten, können dazu beitragen, dass Unfälle durch Ablenkung entweder ganz vermieden werden oder die Aufprallkraft zumindest geringer ist.

  Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

  Pressekontakt

Christian Weishuber
Allianz Deutschland
Tel. +49 89 3800 18169

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