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Stromausfälle – „Eine Sekunde ohne Strom kann schon zu viel sein"

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Strom ist das Blut in den Adern der modernen Zivilisation. Fällt er für kurze Zeit aus, merken wir schnell, wie sehr wir von ihm abhängen. In den trauten vier Wänden gibt es dann abends kein Licht, das Essen bleibt kalt. Doch die Industrie hängt noch viel stärker von einer konstanten Stromversorgung ab, als Privatmenschen. Schon kurze Ausfälle können hier verheerende Folgen nach sich ziehen.

 

Allianz SE
München, 27.11.2013

Allianz-Michael Bruch, Head of R&D, Risk Consulting bei Allianz Global Corporate & Specialty

Michael Bruch, Head of R&D, Risk Consulting bei Allianz Global Corporate & Specialty

Der Stromausfall dauert nun schon über eine Stunde. Der technische Leiter des Kupferschmelzwerkes wird langsam unruhig. Das Kupfer in den Kesseln kühlt ab. Fällt der Strom noch für längere Zeit aus, erkaltet das Kupfer, erstarrt und zerstört somit die gesamte Anlage des Werkes. Öfen, Kessel, Leitungen: Die gesamte Anlage wäre von Kupfer verstopft und müsste komplett neu errichtet werden. „In einem Papierwerk dagegen reicht schon ein Mini-Stromausfall von einer Sekunde, um die gesamte Anlage für mehrere Stunden außer Gefecht zu setzen“, erklärt Michael Bruch, Head of R&D, Risk Consulting bei Allianz Global Corporate & Specialty  (AGCS). Wenn der Strom auch nur kurz aussetzt, setzt mit ihm die Anlage aus, auf der das Papier aufgewickelt wird. Das Papier reißt. Dann muss der Verantwortliche die gesamte Produktion stoppen und neu installieren. Das kann mehrere Stunden dauern.
 

„Wenn wir jeden kleinen Schaden abdecken, wird das für den Kunden zu teuer.“
 

Wenn so ganze Fabriken für Stunden lahmgelegt werden, entstehen Schäden in Millionenhöhe, die einen Betrieb wirtschaftlich aus der Bahn werfen können. Damit der Besitzer nicht auf dem Schaden sitzen bleibt und im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden muss, schließt er eine „Betriebsunterbrechungsversicherung“ ab. Je nach Geschäftsfeld und Abhängigkeit vom Strom kann diese Versicherung lebensrettend sein. Michael Bruch erklärt die Zusammenhänge.
 

allianz.com: Welche Betriebe hängen denn besonders stark vom elektrischen Strom ab?
 

Michael Bruch: „Je mehr die Produktion automatisiert ist, desto anfälliger ist sie für Ausfälle. Am härtesten trifft es die Hersteller von Halbleitern oder die Stahlindustrie. Am weniger empfindlichen Ende dieser Skala liegt die Textil- oder die Glasherstellung. Aber auch hier laufen die Schäden schnell in die Hunderttausende. Für uns greift die Grundidee der Versicherung, zu helfen wenn es wirklich schlimm wird. Um kurze Ausfälle abzufedern, stellen wir unseren Kunden Berater zur Seite, die helfen eine Notstromversorgung aufzubauen. Wenn wir jeden kleinen Schaden mit abdecken würden, müssten wir die Kosten für die Versicherung nach oben schrauben. Damit ist sie für den Kunden nicht mehr rentabel. Hier ist es sinnvoller, mehr in die Schadenprävention zu investieren.“
 

allianz.com: Große Schäden entstehen häufig auch durch Wetterkapriolen verschiedener Art. Nehmen denn auch die wetterbedingten Stromausfälle zu?
 

Michael Bruch: „Auf jeden Fall. Das hat zwei Gründe. Erstens: Mit der Zunahme der Weltbevölkerung besiedelt der Mensch auch stärker gefährdete Gebiete wie Flutregionen oder baut in Bereichen, die bekannt sind für ihre Tornadodichte. Ausufernde Megacities dringen unaufhaltsam in gefährlichere Regionen vor, weil ihnen einfach der Platz fehlt. Zweitens: Der Klimawandel leistet seinen Beitrag; Wetterextreme wie Dürren und Fluten nehmen zu.“

Allianz-Michael Bruch:

Michael Bruch: "In einem Papierwerk dagegen reicht schon ein Mini-Stromausfall von einer Sekunde, um die gesamte Anlage für mehrere Stunden außer Gefecht zu setzen."

Nicht jeder hat die freie Standortwahl
 

Manchen Industrien bleibt schlichtweg keine Wahl, wenn sie sich ihren Firmensitz aussuchen. So muss ein Schiff-Transport-Unternehmen an einem Hafen liegen. Ein Rohstoffproduzent kann auch nicht frei wählen, wo er Kohle, Öl oder Eisen abbaut. Er muss dorthin, wo die Vorräte liegen. „Lässt sich das Risiko durch die Standortwahl nicht minimieren, muss der Ausfall in jedem Fall eingeplant werden. Dann spielt das Unternehmen im Idealfall vorab alle Notfall-Szenarien durch: Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Dann muss er aber auch gleich weiter denken. Können wir dann noch ins Internet? Wie lange haben wir dann noch frisches Wasser, wenn alle Pumpen elektrisch angetrieben sind? – Bei einem derartigen Rollenspiel ist es einem Kunden schon einmal passiert, dass die Notfallpläne für den Stromausfall auf den Computern gespeichert waren. Doch ohne Strom sind die nicht angegangen“, erklärt Bruch.
 

allianz.com: Nebst Gefahren aus der Natur steigt mit der zunehmenden Technisierung ja auch noch die Gefahr, dass ein Computerhacker einen Stromausfall verursacht. Wie kann so etwas passieren?
 

Michael Bruch: „Heutzutage passiert nicht mehr alles in der Firmenzentrale. Viele Dienste, Software oder auch Mitarbeiter sind gar nicht mehr vor Ort. Software wird häufig in die Cloud ausgelagert, der Mitarbeiter arbeitet von zu Hause oder von einem beliebigen Einsatzort weltweit. Das ruft viele Hacker auf den Plan. Sie dringen in das Firmennetz ein, hacken sich beispielsweise in die Steuersoftware eines Generators und bringen ihn zum Überhitzen. Dadurch entsteht ganz realer physischer Schaden, ein Stromausfall wäre die Folge. Durch Dominoeffekte kann hier schnell auch ein Bereich außerhalb einer Fabrik betroffen sein.“
 

„Deutschland profitiert von Reserven aus der Zeit vor der Liberalisierung der Strommärkte.“
 

allianz.com: Betrachtet man, wie lange einzelne Bürger in verschiedenen Ländern im Jahr ohne Strom sind, fallen enorme Unterschiede auf. Woran liegt das?
 

Michael Bruch: „Der Bürger in einem Land wie Deutschland oder in der Schweiz ist im Schnitt nur 17 Minuten im Jahr ohne Strom. In nordeuropäischen Ländern oder in Teilen der USA ist diese Zahl teilweise zehnmal so hoch. Warum das so ist? Deutschland profitiert vor allem von Reserven aus der Zeit vor der Liberalisierung der Energiemärkte. Die nördlichen Länder Europas müssen riesige Distanzen mit nur einer Leitung überbrücken. Fällt diese aus, ist kein Ersatz vorhanden, während ein Land in der Mitte von Europa schnell und dezentral aus anderen Regionen Ersatz bekommen kann.“

Allianz-Stromausfälle europaweit in Minuten

Stromausfälle europaweit in Minuten


allianz.com: Wie lange dauert es, bis es nach einem Stromausfall in der Bevölkerung kritisch wird?
 

„Das hängt ganz von Uhrzeit und vom Ort des Ausfalls ab. 24 Stunden Stromausfall in Berlin könnten schlimme Folgen haben: Abgesehen von Licht, Kühlschränken und Herden fallen ja nach einer bestimmten Zeit dann auch Heizungen, Kassen in den Geschäften und die Tankstellen aus. Einkäufe werden unmöglich. Auch die Wasserversorgung ist in Gefahr, da die Pumpen alle elektrisch laufen. Ein wichtiger Faktor dabei aber scheint zu sein, wie gut die Leute mit dem Ausfall umgehen. In einem Land, das sich daran gewöhnt hat, kommt nicht so schnell Panik auf. So fiel in Indien im Jahr 2012 der Strom für  620 Millionen Menschen aus, nahezu die doppelte Anzahl der Bevölkerung der USA. Der größte Stromausfall aller Zeiten. Notstromaggregate sind dort weit verbreitet, der Umgang mit dem fehlenden Strom ist gelernt. Bei uns würde das anders aussehen, da wir gelernt haben, dass der Strom schnell wieder zurückkommt.“  

  Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

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Bettina Sattler
Allianz SE
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