Versicherung 2029: Ausblick und Chancen

Die Versicherungswirtschaft steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Die Gründe dafür sind nicht schwer zu erraten – auch hier ist der Treiber der technologische Wandel.

Von elektronischen Alltagshelfern (sogenannten „Wearables“ wie Fitness-Trackern) bis zu Künstlicher Intelligenz, von selbstfahrenden Fahrzeugen bis zum Internet der Dinge (IoT – Internet of Things), die Digitalisierung verändert auch die Versicherungswelt so schnell, dass Versicherungsunternehmen nur eines bleibt: innovativ werden oder untergehen.

Was hält die kommende Dekade also für die Versicherungsbranche bereit? Allianz Research beleuchtet die aktuellen Entwicklungen und nennt mögliche Zukunftstrends…

Vorbeugen statt heilen

Mit immer mehr Daten, die zur Verfügung stehen, wird künftig die Risikoprävention und nicht das Risikomanagement im Vordergrund stehen. Selbstlernende Maschinen und Künstliche Intelligenz ermöglichen genauere Datenanalysen und damit präzisere Vorhersagen von Risiken. Auch die Versicherungsnehmer selbst setzen zunehmend auf Technologien, die Risiken vorbeugen. Um nur einige Beispiele zu nennen: ein Fitness-Tracker, der den Träger warnt, dass dessen Herzfrequenz ungewöhnlich hoch ist; eine Autosoftware, die den Fahrer vor Objekten oder Personen im toten Winkel warnt, ein intelligentes Zuhause, das dem Besitzer eine Brandgefahr anzeigt. Solche Systeme werden einerseits die Zahl der Schadenfälle verringern. Andererseits können die Schadensummen pro Schadenfall aufgrund der Vernetzung solcher Systeme steigen. 

Technologischer Fortschritt ist also ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erleichtert er es, Risiken vorherzusagen und zu verhindern. Andererseits bringt er neue Risiken – zum Beispiel Cyberkriminalität – mit sich.

Laut dem neuesten Allianz Risikobarometer bereiten Cyberrisiken im Jahr 2019 und darüber hinaus Unternehmen das meiste Kopfzerbrechen. Doch nicht nur Unternehmen sind betroffen. Auch für Einzelpersonen steht viel auf dem Spiel, wenn Hacker sie attackieren – von Geld über sensible Daten bis hin zu ihrer Identität. Eine Chance für Versicherer, sowohl für Firmen- wie auch Einzelkunden Cyberversicherungen zu entwickeln.

Eine andere Neuerung sind sogenannte nutzungsbasierte Versicherungsprodukte wie zum Beispiel die BonusDrive Kraftfahrzeugversicherung der Allianz. Die Telematik misst das Fahrverhalten eines Kunden und ermöglicht es, Fahrern mit geringem Risiko niedrigere Prämien anzubieten. Weitere Produkte dieser Art werden sicher den neuen Bedürfnissen folgen. 

Verschärfter Wettbewerb

Neue Chancen bedeuten neue Wettbewerber und neue Angebote. Auch in der Versicherungsbranche verschärft sich damit voraussichtlich insgesamt der Wettbewerb. Tatsächlich könnten sogar branchenfremde Unternehmen versuchen, im Versicherungssektor Fuß zu fassen, seien es Technologieriesen aus China oder den U.S.A. oder Insurtech-Startups. Etablierte Versicherer wie die Allianz haben bereits begonnen, mit solchen Newcomern zusammenzuarbeiten. Der größte Umbruch wird allerdings vermutlich eher den Vertrieb als die Produkte selbst betreffen.

Kunden wünschen sich schnellere, einfachere digitale Kauf- oder auch Schadenmeldungsprozesse. Der moderne Versicherungsnehmer erwartet, mit einem Klick auf einer individualisierten Oberfläche nicht nur eine Versicherung abzuschließen, sondern auch verwandte Serviceleistungen hinzukaufen zu können.

Darüber hinaus wird der Versicherungsmarkt insgesamt wachsen. Dank digitaler Plattformen können immer mehr Kunden erreicht werden, vor allem in Schwellenmärkten. Eine um einen Prozentpunkt höhere Durchdringung in den Schwellenländern hätte laut Allianz Research zu den weltweiten Versicherungseinnahmen in Höhe von 3.655 Billionen Euro im Jahr 2018 Versicherern weitere 250 Milliarden Euro an Prämien eingebracht. Ein riesiges Wachstumspotenzial!

Ausblick 2019: Zahlen und Fakten

Kommen wir zu den Zahlen.

In den nächsten zehn Jahren erwartet Allianz Research, dass das Wachstum der weltweiten Versicherungsprämien von 3,3 Prozent im Jahr 2018 auf rund 5 Prozent ansteigen wird. Diese Wachstumsrate liegt allerdings unter dem geschätzten Wachstum der Weltwirtschaft von 5,6 Prozent, was heißt, dass weiterhin eine – wenn auch schrumpfende - Versicherungslücke bestehen bleibt.

Die Einnahmen aus Lebens-, Sach- und Schadenversicherungen steigen voraussichtlich um 10,5 Prozent in den Schwellenmärkten sowie um 3,2 Prozent in den entwickelten Ländern. Den größten Zuwachs bei den Prämien erwarten die Experten in Asien (ohne Japan). Angetrieben vor allem vom Wachstum Chinas, liegt das Prämienwachstum in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich bei rund 9,4 Prozent insgesamt, davon 9,8 Prozent in der Lebensversicherung sowie 8,5 Prozent im Sach- und Schadengeschäft.

Prognostiziertes Prämienwachstum nach Regionen

Allianz Prognostiziertes Prämienwachstum nach Regionen
Quelle: Allianz Research

Nach einem vorübergehenden Rückschlag im vergangenen Jahr könnte es etwas länger dauern, bis China der größte Versicherungsmarkt der Welt wird. Möglicherweise liegen die USA bis 2029 weiterhin vorn, wenn auch mit einer geringeren Marge.

Doch auch wenn China etwas langsamer wächst, wird es den Versicherungsmarkt im nächsten Jahrzehnt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 11 Prozent antreiben. Im Vergleich dazu wird das Wachstum des US-Marktes auf rund 2,6 Prozent geschätzt.

Chinas Versicherungsmarktanteil wird sich bis 2029 aller Voraussicht nach auf mehr als 20 Prozent verdoppeln. Darüber hinaus wird ein gutes Drittel aller zusätzlichen Prämien im Reich der Mitte verbucht werden.

Für 2029 erwartet Allianz Research weltweit ein Gesamtvolumen an Versicherungsprämien von 6,326 Billionen Euro.

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von über 740 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors fast 1,6 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2019 erwirtschafteten über 147.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 142 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,9 Milliarden Euro.

 

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakt

 

Dr. Lorenz Weimann
Allianz SE

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
Disclaimer

Weitere Informationen:

Coronapandemie: Euler Hermes beteiligt sich an Schutzschirm für deutsche Unternehmen und Lieferanten

Die sich weiter ausbreitende Coronapandemie setzt immer mehr – auch zuvor gesunde – deutsche Unternehmen unter erheblichen Druck. Um diese Unternehmen und ihre Lieferketten abzusichern, haben der Bund und die privaten Kreditversicherungen im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen weitreichenden Schutzschirm für deutsche Unternehmen gespannt.

Allianz und Microsoft gehen Partnerschaft für digitale Transformation der Versicherungsbranche ein

Am Donnerstag haben die Allianz SE und die Microsoft Corporation eine strategische Partnerschaft für die digitale Transformation der Versicherungsbranche angekündigt. Die beiden Partner wollen den Versicherungsprozess vereinfachen und damit Versicherungsunternehmen und Versicherten ein ganz neues Kundenerlebnis bieten.

Allianz wird globale Nummer eins unter den Versicherungen - Markenwert steigt um 12 Prozent

Die Allianz hat in den heute veröffentlichten Interbrand Best Global Brands 2019 Rankings den ersten Platz unter den Versicherern belegt. Der Markenwert der Allianz ist in diesem Jahr auf 12,1 Milliarden Dollar gestiegen. Im vergangenen Jahr betrug er noch 10,8 Milliarden Dollar.