Betrüger aufgepasst: KI hat euch auf dem Radar

„Künstliche Intelligenz ist entweder das Schlimmste oder das Beste, was der Menschheit passieren konnte.”

Dieses Zitat des Physikers Stephen Hawking bringt die geteilten Meinungen zum Thema Künstliche Intelligenz(KI) auf den Punkt. Befürworter sehen darin einen Diener während Gegner es als grausamen Herren bezeichnen. Doch wer hat Recht? Beide! 

Bei verantwortungsvoller Nutzung können KI und Datentechnologien Unternehmen dabei unterstützen, ihren Betrieb effizienter zu gestalten und die Kundenerfahrung zu optimieren. Auch im Versicherungsgeschäft kann KI in vielen Bereichen von Vorteil sein - vom Underwriting über die Schadenabwicklung bis hin zur Interaktion mit den Kunden, ja sogar Personalisierung und Vereinfachung von Produkten und Dienstleistungen. 

In der Versicherungsbranche stellt Betrug das größte Ärgernis bei der Schadenabwicklung dar. Hier können sowohl Versicherer als auch Kunden von KI profitieren, da sich so betrügerische Schadenersatzansprüche aufdecken und vermeiden lassen. 

Wie ein Betrugsfall aussehen könnte

Stellen Sie sich bitte vor: John* hat sich eine kleine, Ein-Zimmer-Altbauwohnung im Zentrum einer pulsierenden europäischen Stadt gekauft. Von einer solchen Wohnung hat er sein Leben lang geträumt und er hat sie liebevoll mit einem Designersofa, Pendelleuchten und alles, was man zum Leben eben so braucht, eingerichtet. Doch dann wurde seine Mutter krank und John fuhr oft die 20 Kilometer zu ihr nach Hause und blieb meist über Nacht. Daher entschloss er sich, seine Wohnung jeweils für die Zeit, die er bei seiner Mutter verbrachte, zu vermieten. Die Internetplattform für Kurzzeitvermietungen kam da wie gerufen - schnell, einfach und mit der Option einer Versicherung für von Mietern verursachte Schäden. 

John hatte mit seinen Mietern Glück. Da sie seine Wohnung stets in einem einwandfreien Zustand hinterließen, gab es keinen Grund, einen Schadenersatzanspruch zu stellen. 

Die gegenüberliegende Wohnung gehört Joe*, er vermietet ebenfalls. Joe besitzt zwei Wohnungen in der Stadt, eine davon vermietet er an Kurzzeitmieter. An einem lauen Sommerabend, lernten sich die Nachbarn bei einem Bier besser kennen. John berichtete Joe von seinen Erfahrungen mit der Plattform für Kurzzeitvermietungen und schlug ihm vor, sich ebenfalls dort anzumelden. Doch im Gegensatz zu John meldete Joe im Laufe eines Jahres einige von Mietern verursachte Schäden und stellte Schadenersatzansprüche. 

Diese gingen beim Versicherungsunternehmen ein. Letzteres war um einen kundenfreundlichen Service bemüht, daher gab es am Anfang einen einfachen Prozess: Schäden unterhalb einer bestimmten Summe wurden sofort beglichen, die Zahlung erfolgte ohne Umschweife. 

Alle Mieter der Plattform profitierten von diesem Prozess. Doch als Joe mehr Vorfälle als üblich meldete, statteten Schadengutachter seiner Wohnung einen Besuch ab, um die Zulässigkeit seiner Forderungen zu überprüfen. Einige der gemeldeten Schäden waren rechtmäßig, andere jedoch waren betrügerisch. Joes Versicherungsvertrag wurde gekündigt und sein Zugang zur Plattform gesperrt. Er war jedoch nicht der einzige, der mit Konsequenzen zu rechnen hatte. 

Solche Ereignisse beeinflussen die Schadenquote eines Versicherers und die vom Unternehmen erhobenen Beiträge. Das wirkt sich auch auf ehrliche Kunden wie John aus, der mit Joe lediglich einmal ein Bier getrunken hatte. 

* Namen und Ereignisse sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen oder tatsächlichen Ereignissen sind rein zufällig.

KI kann gute Dienste leisten

Wie können Versicherer John dabei helfen, seine Beiträge gering zu halten? Wie können sie sich selbst und Kunden vor betrügerischem Verhalten schützen?

Im Moment geschieht dies meist manuell. Schadengutachter finden betrügerische Fälle und erkennen im Laufe der Zeit und mit wachsender Erfahrung bestimmte Muster. Beispiel: Es kann verdächtig sein, wenn ein Schadenersatzanspruch innerhalb der ersten zwei Wochen nach Abschluss eines Versicherungsvertrages eingeht. Das Wissen der Schadengutachter wird dann in IT-Systeme zur Betrugserkennung eingespeist.

Während die Erfahrung der Schadengutachter sehr wichtig ist, kann KI schnell, fortwährend und detailliert nach Betrugsmustern suchen. Das System kann automatisch von vergangenen Betrugsfällen lernen, das Gelernte sofort anwenden und somit bei der Erkennung und Vermeidung von Betrug mit der Zeit immer besser werden. 

Mit einem solchen Mechanismus ist es wahrscheinlich möglich, Betrug bereits bei Vertragsabschluss zu verhindern, da sowohl falsche Informationen als auch Angebote erkannt werden, die ein zukünftiges Missbrauchsrisiko darstellen.

Außerdem könnte KI durch die Automatisierung von Prozessen dazu beitragen, den Lebenszyklus einer Schadensforderung um 20 Prozent zu kürzen. So kann ein Schadengutachter mehr Zeit damit verbringen, dem Kunden bei der Bearbeitung seines Schadenfalls zu helfen, statt Routineaufgaben zu bewältigen.

KI bei der Allianz

Gemma Garriga und ihr „Global AI and Advanced Business Analytics”-Team sind bei der Allianz für den Bereich KI verantwortlich. 

Ihre Mission: KI nutzen, um Prozesse zu vereinfachen und kundenfreundlichere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Das Team baut das Allianz KI-Netzwerk auf, indem es Datenwissenschaftler mit Unternehmensexperten aus der gesamten Gruppe zusammenbringt. Durch die Zusammenarbeit und gemeinsame Konzeption arbeitet das Team nicht nur daran, skalierbare KI-Unternehmenslösungen zu finden, sondern auch ein Umdenken in Bezug auf Digitalisierung zu bewirken. 

Beispiel: Eine der Allianz Gesellschaften beschäftigt sich gerade mit Deep-Learning-Technologien für die Beurteilung von Kfz-Schäden. Mittels einer Analyse von Millionen Fotos beschädigter Autos kann KI ein Verhältnis zwischen dem Ausmaß des Schadens und den Reparaturkosten herstellen. Durch die Nutzung interner und öffentlich verfügbarer externer Daten kann dies dazu beitragen, Schäden gründlicher zu regulieren sowie Risiken bereits bei Vertragsabschluss zu bewerten. 

Ethik an erster Stelle

Hierbei muss man sich jedoch ins Gedächtnis rufen, dass Menschen die Maschinen kontrollieren und nicht umgekehrt. Bei der Allianz arbeiten nicht nur Datenwissenschaftler und Techniker, sondern auch Datenschutz- und Regulierungsexperten an der Nutzung von KI. KI-Modelle werden umfassenden Tests unterzogen, um sicherzustellen, dass sie keine Unausgewogenheiten und Auffälligkeiten beinhalten sowie keine ethischen Risiken darstellen. 

Die Modelle müssen hieb- und stichfest sein, bevor sie live gehen. „Für gewöhnlich ist die Versicherungsbranche bei der Einführung von neuen Technologien sehr langsam. Im Interesse des Kunden ist es jedoch keine Option, KI zu ignorieren”, sagt Gemma Garriga. „Wir müssen uns der ethischen Bedeutung von KI stets bewusst sein und diese verinnerlichen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit KI ist der einzig mögliche Weg.” 

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 92 Millionen Privat- und Unternehmenskunden. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von rund 673 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors mehr als 1,4 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2018 erwirtschafteten über 142.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern für die Gruppe einen Umsatz von 131 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro.
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Gregor Wills
Allianz SE

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