Hurrikane Irma und Harvey

Betriebsunterbrechung: einmal beschädigt, zweimal zerstört

Hurrikane wie Harvey oder Irma sorgen für Verwüstungen in Milliardenhöhe. Neben Sachschäden an Gebäuden und Infrastruktur sind für Firmen Betriebsunterbrechungen eine der schwerwiegendsten Folgen.

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Kaum hat sich Harvey von der texanischen Küste entfernt und Schäden von bis zu 180 Milliarden US-Dollar hinterlassen, kündigt sich der nächste Tropensturm an der US-Küste an.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 60 Prozent wird Hurrikan Irma nach Ansicht der amerikanischen Wetterexperten am kommenden Wochenende zwischen Florida und der Ostküste auf Land treffen, nachdem der Sturm zuvor über die Kleinen Antillen und Puerto Rico hinweggefegt ist.

Irma wird der Kategorie 5 zugeordnet und ist einer der stärksten Hurrikane, die bislang über dem Atlantik aufgezeichnet wurden, mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 185 Meilen bzw. knapp 300 Kilometern pro Stunde. Das National Hurricane Center der USA geht davon aus, dass Irma zu einem Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter führen kann und Starkregen sowie riesige, zerstörerische Wellen mit sich führt. Rick Scott, der Gouverneur von Florida, hat den Notstand ausgerufen.

Die Hurrikansaison im Atlantik ist in vollem Gange. Harvey war 2017 der erste größere Wirbelsturm, der seit Wilma im Jahre 2005 auf das Festland traf. Die von ihm verursachten materiellen Verwüstungen sind offensichtlich: 40.000 zerstörte Wohnungen, überflutete Straßen und eine Unterbrechung des Alltagslebens im Großraum Houston.

Überflutete Straßen nach Hurrikan Harvey

Doppeltes Risiko für Unternehmen

Neben den materiellen Schäden müssen sich Unternehmen und die Wirtschaftsbranche auch mit den Folgen von Betriebsunterbrechungen auseinandersetzen, also den Störungen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Betriebsunterbrechung sind zwar weniger augenfällig, aber wesentlich höher als die Kosten des eigentlichen Sachschadens. Und: Das Risiko für Betriebsunterbrechungen (BU) steigt. Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) geht in ihrem Global Claims Review 2015 davon aus, dass Unterbrechungen der Geschäftstätigkeit einen deutlich größeren Anteil am Gesamtschaden einnehmen als vor zehn Jahren. Ein großer BU-Schaden beläuft sich heutzutage durchschnittlich auf über zwei Millionen Euro.

„Überflutungen und Sachschäden durch Wirbelstürme stellen ganz klar Bedrohungen für Unternehmen dar. Aber Sachschäden allein sind nicht unbedingt der Hauptgrund für Betriebsunterbrechungen. Es muss mit Schäden aufgrund von Betriebsunterbrechung infolge von Stromausfällen, versperrtem Zugang zu Räumlichkeiten oder Problemen mit den Lieferanten gerechnet werden", erläutert Steven Kennedy, Regional Head of Property, Energy and Engineering Claims für Nordamerika bei der AGCS.

Die zunehmenden Schäden durch Betriebsunterbrechungen gehen zu größten Teilen auf Ursachen zurück, die nicht durch Naturkatastrophen verursacht sind: menschliche Fehler oder technisches Versagen. Was Naturkatastrophen betrifft, sind Überschwemmungen die Hauptursache, so die Risikoberater der AGCS.

Gefährdung von Produktion und Lieferung

„Die größten Risiken für eine Betriebsunterbrechung liegen in Bereichen mit einem hohen Maß an Vernetzungs- und Technikwerten sowie einer Risikokonzentration an einzelnen Standorten, wie zum Beispiel Fahrzeug-, Halbleiter-, Strom- und Petrochemiewerken“, sagt Alexander Mack, Chief Claims Officer der AGCS.

Dies gilt insbesondere für Harvey, der direkt über eine der wichtigsten Drehscheiben für die Energieversorgung in den USA hinweg stürmte. Zehn wichtige Ölraffinerien und -förderanlagen mussten geschlossen werden. Normalerweise haben sie Business Insider zufolge die Kapazität, ungefähr 4,4 Millionen Barrel Öl täglich zu raffinieren. Das ist der jährliche Energiebedarf von 45.000 US Bürgern. Aufgrund des Sturms entfielen in den USA somit ungefähr 22 Prozent der Ölveredelungskapazität.

Die Auswirkungen von Harvey auf den Energiesektor der USA gehen über die Schäden an den Anlagen hinaus. Die Betriebsunterbrechungen könnten zu makroökonomischen Problemen führen, so Ellen R. Wald, geo- und energiepolitische Beraterin des Forbes Magazine. Mit dem Ausfall der Raffinerien und dem damit verbundenen geringen Angebot von veredelten Produkten wie Benzin werden sich in der Folge die Preise erhöhen. Auch andere Bestandteile dieser Preiskette wie Reisen und Lebensmittel könnten teurer werden.

Wie können sich Unternehmen darauf vorbereiten?

Vorausschauende Planung ist bei Notfällen von entscheidender Bedeutung. „Die Arbeit der Schadenabteilung beginnt viel früher als ein Sturm oder eine Flut einsetzt – dabei geht es um die Vorbereitung der Unternehmen auf den denkbar schlimmsten Fall", erklärt Steve Kennedy.

Im Risk Bulletin 2016 “Protect Your Employees and Business from Flood Damage” rät die AGCS zum Beispiel, ein besonderes Augenmerk auf wichtige Ausstattung zu richten, die für den Geschäftsbetrieb unverzichtbar ist, und diese in geschützte Bereiche zu verlagern, beispielsweise in höher gelegene Stockwerke. Außerdem sollte man wichtige Maschinenanlagen, Lagerbestände oder Dokumente in höhere Etagen räumen. Ist dies nicht möglich, sind Hochwasserklappen oder Sandsäcke eine Möglichkeit, sich zu schützen. Möglicherweise lohnt es sich auch, eine mit Benzin betriebene Wasserpumpe bereitzustellen.

Daneben sollten auch Unternehmen den eigenen Notfallmaßnahmenkatalog sorgfältig und regelmäßig überprüfen. In Regionen, die von Wirbelstürmen und folglich auch Überschwemmungen betroffen sein können, sind Schadenereignisse zwar unvermeidbar, aber die Folgen für Unternehmen und Wirtschaft fallen dann möglicherweise geringer aus.

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