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Das Datenvolumen vergrößert sich exponentiell, allerdings hat die Gewinnung wertvoller Erkenntnisse aus unstrukturierten, öffentlich verfügbaren Informationen manchmal auch etwas Beängstigendes. Praedicat, ein Insurtech-Unternehmen, nutzt Big-Data-Modellierung, um die Risiken vorherzusagen, die zukünftig auf uns lauern.

Allianz SE
München, 13.07.2017

Allianz-Praedicat2

Früher war es nur Sehern und Wahrsagern gegeben, den Schleier des Ungewissen zu lüften und einen kurzen Blick in die Zukunft zu werfen. Doch heute, in unserer digitalen Welt aus endlosen Nullen und Einsen, wurden Handlinien, Kristallkugeln und Hühnereingeweide von Datensammlungen und -analysen zur Ermittlung künftiger Risiken verdrängt und die Mystik hat ihre Bedeutung verloren.

Die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), der für Firmenrisiken zuständige Bereich der Allianz SE, hat sich mit dem Analyseunternehmen Praedicat zusammengetan, um mit zunehmender Präzision durch Katastrophen verursachte wichtige Haftungsrisiken vorherzusagen. Was macht Datenanalyse zu so einem wertvollen Werkzeug? Normalerweise verwendet man in der Assekuranz Daten aus früheren Schäden, um Risiken zu bepreisen und zu managen, aber neuartige Produkte oder Technologien schaffen auch ganz neue Risiken, für die keine Schadenhistorie vorliegt. Dadurch erweist sich die Tarifierung solcher Risiken mitunter als eine Herausforderung.

„Man denke dabei nur an Asbest und Silikon – Innovationen, die schließlich Unternehmen und Leben zerstörten“, so Robert Reville, Chief Executive Officer, der in Los Angeles ansässigen Firma. „Ansprüche aufgrund von Autoimmunerkrankungen durch Brustimplantate aus Silicon trieben den Lieferanten Dow Corning in die Insolvenz, während Narbenbildung in der Lunge und Tumore durch Asbest hunderte Firmen dazu veranlasste, sich um Insolvenzschutz zu kümmern.

Die Asbestschäden kosteten den Versicherungssektor letztendlich 100 Mrd. USD und kamen ihn somit teurer zu stehen als irgendein Orkan oder irgendeine Überschwemmung jemals in der Geschichte“, erläutert Reville. Dennoch versicherte die Assekuranz jahrzehntelang Produkte, bei denen dieses Material zum Einsatz kam, obwohl es immer mehr wissenschaftliche Arbeiten gab, die sich mit den schädlichen Folgen befassten. Praedicats datenbasierter Prognoseansatz beruht auf einem patentierten Verfahren für die Verarbeitung großer Datenvolumina an durch Fachkollegen rezensierter wissenschaftlicher Literatur und die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, mit der neue Produkte oder Substanzen im Laufe ihres Lebenszyklus zu Rechtsstreitigkeiten führen.

Reville erklärt, Praedicat versuche zu begreifen, welche Vorgehensweisen von Unternehmen nach Ansicht von Wissenschaftlern zu Körper- oder Sachschäden führen könnten. Wenn die Risikoauslöser ermittelt sind, werden sie weiterverfolgt, sodass bei Auftauchen neuer Daten die  Akzeptanz des Risikos wissenschaftlich untermauert wird.

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Von Innovation überrascht

Nach Ansicht von Reville sind Haftungsrisiken die gern übersehene Kehrseite technischer Innovation. „Immer wenn man es mit Innovationen zu tun hat, z. B. mit einem neuen Material, das super leitfähig oder widerstandsfähig ist, interagiert es auf völlig neuartige Weise mit der Umgebung“, führt er aus. „Während diese Materialien das Problem angehen, das sie lösen sollten, sind die langfristigen Folgen des Produkts im Laufe seines Lebenszyklus noch unbekannt.“

Es kann Jahre, gar Jahrzehnte dauern, bis umfasssend klar wird, welche Konsequenzen es hat, dass Mensch und Umwelt diesen Stoffen ausgesetzt sind. DDT wurde einst als effizientes Schädlingsbekämpfungsmittel angepriesen. Auch Asbest wurde bereits im 18. Jahrhundert verwendet, und Mikroperlen aus Plastik galten als gutes Peelingmittel in Kosmetika – bis man eines Tages ihre schwerwiegenden Folgen für die Lebensmittelkette feststellte.  

Das globale Liability Underwriting Team der AGCS und Praedicat sind momentan an verschiedenen Projekten beteiligt. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden die Zeichnungsprozesse und die umfassende Analyse des Portfoliorisikos der AGCS in den vorausschauenden, auf Prognosemodellen beruhenden Ansatz von Praedicat integriert. Diese Kombination bewirkt, dass die Haftpflichtversicherer der AGCS nun Zugriff auf solide Daten haben, die es ihnen gestatten, potenzielle „unbekannte“ Haftungsrisiken für Branchen oder sogar einzelne Unternehmen mit größerer Sicherheit einzuschätzen.

„In die Zukunft gerichtete Modelle verändern die Versicherungstechnik“, erklärt Harmut Mai, Chief Underwriting Officer und AGCS Vorstand. „Wir hoffen, mithilfe dieser Kooperation die Hauptaufgabe der Underwriter neu zu gestalten, indem wir sie vom täglichen Papierkram befreien und sie dazu befähigen, als Data Scientists zu agieren.“ Die Haftpflichtversicherer der AGCS verwenden die Datenanalysetools von Praedicat, um Einblick in die jüngsten Entwicklungen bei wissenschaftlichen Diskussionen zu erlangen. Mit wenigen Klicks können sie mittels digitaler Tools erkennen, ob eine spezifische Substanz im Laufe der Zeit zunehmend als gefährlich gilt könnte oder sie heute ein besseres Image als in der Vergangenheit genießt.

Diese Erkenntnisse ergänzen die gesamte Risikobewertung, zu der auch Schadenanalyse und -berichte der AGCS Risikoingenieure gehören. Nach Ansicht von Michael Hohmann, Global Head of Liability bei der AGCS, profitieren auch die Kunden davon: „Wir können unseren Kunden heutzutage viel besser potenziell entstehende Haftungsrisiken für ihr Unternehmen verständlich machen, sie dazu befähigen, mehr Produktverantwortung zu zeigen und ihr Versicherungsprogramm auf ihre jeweiligen Risiken zuschneiden.“

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Das „neue Asbest“

Wo wird also die nächste Welle an Haftpflicht- und Sammelklagen (mass litigation) möglicherweise auftauchen? Heutzutage gibt es zahlreiche bahnbrechende Innovationen mit noch unbekannten Auswirkungen – angefangen bei den genetisch veränderten Organismen, über Nanotechnologie, 3-D-Druck bis hin zum Fracking. Ein Bereich, der gemäß Praedicat Analyse eingehend von der Wissenschaft untersucht wird, sind Stoffe, die Störungen des endokrinen (hormonellen) Systems auslösen können.

Reville vertritt die Auffassung, dass in von Fachkollegen rezensierter wissenschaftlicher Literatur immer häufiger auf den potenziellen Schaden durch Exposition im Säuglings- oder Kindesalter hingewiesen wird. Solche Disruptoren können Tumore, Geburtsfehler und andere Entwicklungsschäden hervorrufen. „Angesichts dieses großen Aufwands, den die Wissenschaft diesbezüglich betreibt“, so Reville weiter, „gehen wir davon aus, dass, wie die weitere Beobachtung der Umweltfaktoren als Auslöser dieser neuartigen Krankheiten letztendlich zeigen wird, hier das ,nächste Asbest‘ zu suchen ist.“

Die AGCS arbeitet auch mit Praedicat zusammen an einer gemeinsamen Publikationsreihe zu neuartigen Haftungsrisiken. Das erste Dokument zu „Nanotechnologie in Lebensmitteln“ ist bereits erschienen.

  Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

 

  Pressekontakt

Heidi Polke
Allianz Global Corporate & Specialty 
Tel. +49 89 3800 14303

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