Cyber-Risiko Virtueller Autoschlüssel

Das vernetzte Auto muss bezüglich möglicher Cyber-Risiken angemessenen Schutz bieten – gleichzeitig aber einen diskriminierungsfreien Zugriff auf Fahrzeugdaten erlauben, um so Services auch Dritten zu ermöglichen. Wie kompliziert das in der Praxis sein kann, diskutierten die Experten auf dem 8. Allianz Autotag am 22. September 2020 am Beispiel des „Virtuellen Autoschlüssels“. 

Dieser öffnet, schließt und startet das Auto mithilfe eines Smartphones und ersetzt damit den herkömmlichen Autoschlüssel. 

Das ist komfortabel, wirft aber auch Fragen auf. Wie steht es beispielsweise um die Datensicherheit? Was passiert, wenn das System gehackt wird? Auch für die Versicherung stellen sich Fragen, insbesondere im Falle eines Totaldiebstahls. Nach einem Diebstahl des Fahrzeugs muss der Halter den vollständigen Schlüsselsatz vorlegen, wenn er seinen Schaden geltend macht. Nur, wie macht er das? Wie kann der Kunde nachweisen, dass das Fahrzeug wirklich gestohlen wurde und nicht gerade von einem berechtigten Fahrer genutzt wird, der irgendwann einmal einen Virtuellen Schlüssel „bekommen“ hat? Und für den Versicherer stellt sich die Frage: Wie und was muss geprüft werden?

Nach einem Fahrzeugdiebstahl muss der Kunde für die Regulierung den vollständigen Schlüsselsatz bei der Versicherung einreichen. Hat er einen digitalen Schlüssel, muss er zusätzlich zur Vorlage aller physischen Schlüssel auch jeden Berechtigten nennen, der zum Zeitpunkt der Totalentwendung im Besitz eines Virtuellen Schlüssels war, und einen Nachweis über die Löschung der Berechtigung vorlegen.

Internationaler Standard für Virtuelle Schlüssel

Die Allianz hat deshalb federführend mit RCAR, einem internationalen Gremium von Automobilforschungszentren mit 24 Mitgliedern aus Europa, Asien, Nordamerika, Südamerika und Australien, einen internationalen Standard für Virtuelle Fahrzeugschlüssel festgelegt, damit unsere Kunden nach einem Totaldiebstahl auch bei der Verwendung eines Virtuellen Schlüssels schnell und komplikationslos entschädigt werden können. Darüber hinaus setzt der Standard zum Schutz der Kunden auch Maßstäbe hinsichtlich der IT-Sicherheit des Gesamtsystems, das über das Fahrzeug hinaus das Smartphone, das Backend, die Kommunikation und die Nutzinteraktion umfasst.

Zudem erfasst der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seit März 2020 im Zuge der Versicherungs-Ersteinstufung die Systeme, sofern im Fahrzeug vorhanden oder vorbereitet.

Virtueller Fahrzeugschlüssel darf nicht kopierbar sein

„Der Kunde muss dem Virtuellen Schlüssel vertrauen können. Kein Kunde wird dem Versicherer im Falle eines Fahrzeugdiebstahls sein Smartphone zuschicken“, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand Allianz Versicherungs-AG. „Das heißt, der Schlüssel darf nicht kopierbar sein, und wir brauchen im Falle eines Totaldiebstahls einen transparenten Überblick, wer wann für welchen Schlüssel berechtigt wurde.“

Die vier wichtigsten Anforderungen an den Virtuellen Fahrzeugschlüssel

  • Der Virtuelle Fahrzeugschlüssel darf nicht kopierbar sein, analog zum physischen Schlüssel muss erkennbar sein, wie viele Schlüssel im Umlauf sind.
  • Alle berechtigten Fahrzeugnutzer müssen übersichtlich, transparent und unveränderlich für den Kunden – sowie im Schadenfall für die Versicherung – aufgeführt sein. Der Kunde muss zudem bei einem Totaldiebstahl sofort alle Virtuellen Schlüssel nachweisbar zurückziehen können.
  • Die Zugangsberechtigung des Autos muss von der Fahrberechtigung getrennt sein, um das bestehende Schutzniveau der elektronischen Wegfahrsperre nicht zu unterlaufen und die Sicherheit bei zukünftigen Dienstleistungsmodellen wie „Lieferung in den Kofferraum“ zu gewährleisten.
  • Die Datenumgebung von Ausführung und Speicherung des Virtuellen Schlüssels muss strikt von sonstigen Applikationen getrennt sein. Alle sicherheitskritischen Daten wie z. B. Berechtigungen und Schlüsselberechnung müssen in einer sicheren Speicher- und Ausführungsumgebung gespeichert bzw. ausgeführt werden. 

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von 766 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors 1,7 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2019 erwirtschafteten über 147.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 142 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,9 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakte

 

Christian Weishuber
Allianz Deutschland AG

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
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