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Eine Aneinanderreihung von unglücklichen Ereignissen

Es war eine Reihe unglücklicher Ereignisse für Europa in den letzten paar Jahren. Und dieses Jahr verspricht nicht, besser zu werden.

Als ob die Befürchtung, dass die Delta-Variante des Coronavirus eine weitere Infektionswelle auslösen könnte, nicht schon genug wäre, haben Teile Europas nun auch noch mit dem Verlust von Menschenleben und Existenzen aufgrund von starken Regenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen. In den vergangenen Tagen haben heftige Regenfälle über Mitteleuropa ganze Straßenzüge überflutet, vor allem in Deutschland und Belgien. Fast 200 Menschen sind bisher ums Leben gekommen, mehr als 1.000 werden noch vermisst.

So bedauerlich es auch ist, die Überflutung mit Nachrichten über Wetterextreme ist in letzter Zeit zur Norm geworden. Eine Entspannung ist auch nicht in Sicht, denn der Klimawandel droht extreme Wetterereignisse häufiger und heftiger werden zu lassen. Von den Hagelstürmen im Juni in Europa bis zu den Hitzewellen in den USA und Kanada sendet die Natur klare Botschaften darüber, was wir von der Zukunft erwarten können, wenn wir nicht schnell genug gegen den Klimawandel vorgehen. 

Hochwasser

Die jüngste Tragödie, die Überschwemmungen in Deutschland und Belgien, ist eine deutliche Erinnerung daran, wie schwerwiegend die Wetterereignisse in den letzten Jahren geworden sind. Die Zahl der Opfer der jüngsten Überschwemmungen nähert sich der 200. Das ist eine Verzehnfachung gegenüber den gemeldeten Todesopfern der Überschwemmungen im Jahr 2002, die bis Juli als die schlimmsten Überschwemmungen in Europa in diesem Jahrhundert galten.

„Die Bilder, die uns aus den Katastrophengebieten nicht nur in den letzten Tagen, sondern in den letzten Wochen aus verschiedenen Ländern erreichen, haben uns fassungslos gemacht", sagt Klaus-Peter Röhler, Mitglied des Vorstands der Allianz SE und Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG. „Wir sind für unsere Kunden da, bieten die bestmögliche Unterstützung und helfen, wo wir können. Um die Hilfskräfte zu unterstützen, spendet die Allianz in Deutschland eine Million Euro an die beteiligten Rettungsorganisationen", ergänzt er.

Die Spenden werden für technische Geräte oder Ausrüstungen, wie zum Beispiel wasserdichte Schutzkleidung, sowie für Pumpen und Boote verwendet, die bei der Rettungsaktion verloren gegangen oder beschädigt worden sind.

Für die Opfer zählt jeder einzelne Beitrag.

„Inzwischen liegen uns schon rund 10.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Häusern und Hausrat und etwa 3.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Fahrzeugen vor“, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. „Wir rechnen aber damit, dass sich diese Zahlen in den nächsten Tagen noch deutlich erhöhen werden - unsere gegenwärtige Prognose geht von insgesamt über 30.000 Sachschäden sowie über 5.000 Fahrzeugschäden aus mit einem Schadenvolumen in Höhe von über 500 Millionen Euro”, so Haug. 

In Belgien sind bisher 20 Menschen ums Leben gekommen. Die Allianz Benelux hat die Schäden noch nicht beziffert. Erste Schätzungen des belgischen Verbands der Versicherer gehen jedoch von marktweiten Schäden in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro aus. Der bisher höchste verzeichnete Schaden durch Überschwemmungen in Belgien liegt bei rund 150 Millionen Euro im Jahr 2016.

Der Unternehmensversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) erhält die ersten Schadenmeldungen von Unternehmen aus den betroffenen Regionen. Die Schadenexperten des Unternehmens beraten die Kunden über die Schritte zur schnellen und sicheren Wiederaufnahme des Betriebs. Das Ausmaß der Sachschäden ist jedoch noch unklar, ebenso wie die zu erwartende Dauer der Betriebsunterbrechungen. 

Saison der Extreme

Die Überschwemmungen sind die jüngsten in einer Reihe von Wetterextremen in diesem Sommer in Europa.

Mitte Juni wurden aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Österreich extreme Niederschläge und Hagelstürme mit Hagelkörnern von fünf Zentimetern Durchmesser und mehr gemeldet. „Die Ursache dafür war das Tiefdruckgebiet Volker, das nach West- und Mitteleuropa zog", sagt Bastian Manz, Senior Atmospheric & Climate Risk Analyst bei Allianz Re, dem Rückversicherer der Allianz Gruppe. „Der Auslöser war kalte Luft, die mit dem Tiefdruckgebiet verbunden war, die mit warmer, feuchter Luft über dem Kontinent kollidierte. Es entstand eine sich verschiebende Luftmassengrenze. In der Folge wurden auf dem ganzen Kontinent großflächige Schäden an Gebäudefassaden und -dächern, Fenstern, Fahrzeugen, Photovoltaikanlagen und landwirtschaftlichen Kulturen gemeldet." Ende Juni sorgte das Tiefdruckgebiet Xero für weitere Hagelschäden und Sturzfluten, die vor allem die Zentralschweiz (Luzern und Zürich) und den Südwesten Deutschlands (Hessen, Baden-Württemberg und Bayern) betrafen. 

Diese Ereignisse führten bei der Allianz Suisse, der Schweizer Einheit der Allianz, zu einem traurigen Rekord: Nach aktuellen Schätzungen rechnet die Allianz Suisse mit weit über 28.000 Schadenmeldungen im Zusammenhang mit den verschiedenen Wetterereignissen seit Mitte Juni. Über 21.000 Schäden wurden bereits eingereicht, die meisten davon in der Kfz-Versicherung. Der geschätzte Gesamtschaden liegt bei über 103 Millionen Schweizer Franken. Zum Vergleich: In den bisherigen Rekordjahren 2009 und 2012 verzeichnete die Allianz Suisse jährliche Schäden aus Naturkatastrophen in Höhe von rund 90 Millionen Schweizer Franken.

Für Österreich beläuft sich die aktuelle Schadenschätzung auf rund 55 Millionen Euro, wobei die Schäden im Zusammenhang mit den jüngsten starken Regenfällen nicht berücksichtigt sind.

Das gleiche Wettersystem verursachte Ende Juni im tschechischen Bezirk Hodonin einen Tornado mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde. „Es beschädigte oder zerstörte mehr als 1.200 Gebäude und es wurden mehrere Todesopfer gemeldet", sagt Manz von der Allianz Re. Der Tornado sei der zerstörerischste in der modernen Geschichte des Landes gewesen, ergänzt der Klimaexperte. Die Allianz hat fast 20.000 Kunden in dem betroffenen Gebiet. Von diesen wurden mehr als 90 Prozent über Textnachrichten und Telefonanrufe kontaktiert, um zu erfahren, wie sie sich an die Allianz wenden können, um Unterstützung zu erhalten. 

Klimawandel heizt an

Potenziell Öl ins Feuer der extremen Wetterereignisse gießt der Klimawandel. „Die globale Erwärmung erhöht die Temperatur der Luft, die dann mehr Wasserdampf aufnimmt. Das bedeutet, dass Starkniederschläge voraussichtlich häufiger werden", erklärt Manz.

Außerdem haben sich die Jetstreams - das sind Luftströme, die hoch über der Erde von Westen nach Osten wehen - verlangsamt. „Das kann zu länger andauernden Wetterlagen führen - langanhaltende Niederschläge oder ausgedehnte Hitzewellen oder extreme Kälteperioden. Konkret führt der Klimawandel dazu, dass sich einige Tiefdruckgebiete, wie der flutverursachende Sturm Bernd oder die Hurrikane Dorian und Harvey, abschwächen und über einer Region stauen. Dies erhöht die Dauer und Menge der Niederschläge."   

Er erwartet, dass die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen wie Hagelstürmen, Tornados und Sturzfluten in Zukunft zunehmen wird. „Eine wärmere Atmosphäre enthält einen höheren Feuchtigkeitsgehalt - 7 Prozent pro Grad Celsius - und erhöht damit das Potenzial für mehr Niederschlag." 

Handlungsbedarf offensichtlich

Obwohl Bemühungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung im Gange sind, gibt es keine unmittelbaren Lösungen für solche Extremereignisse. Was helfen kann, ist eine gezielte Vorbereitung, um besser mit ihnen umzugehen und den Verlust von Leben und Eigentum zu minimieren. „Vor allem im Hinblick auf die Risiken von Starkregen und Überschwemmungen ist politische Unterstützung gefragt", sagt Klaus-Peter Röhler. „Strenge Baubeschränkungen in Überschwemmungsgebieten sowie Hochwasserschutz und Flussgebietsmanagement spielen hier eine zentrale Rolle."

Auf individueller Ebene können Maßnahmen ergriffen werden, um die Risiken von Hagelstürmen zu mindern. „Zum Beispiel gibt es in der Schweiz bereits verbesserte Bauvorschriften. Dazu gehören hagelfeste Fenster, Fassaden und Konstruktionen", sagt Röhler, der in einer seiner früheren Positionen CEO der Allianz Suisse war.

Zur Rolle der Versicherer sagt er: „Unsere operativen Einheiten beraten unsere Kunden und können bei Bedarf ein Vertragsangebot an einen Selbstbehalt oder an Präventionsmaßnahmen des Versicherungsnehmers koppeln." Doch das reicht laut Röhler nicht aus. „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Deutschland machen wir uns Gedanken, wie wir dafür sorgen können, dass möglichst viele Menschen im Schadenfall abgesichert sind. Dazu müssen wir gemeinsam mit der Politik die Versicherung gegen Naturgefahren für Immobilienbesitzer stark fördern. Denn Schäden durch Starkregen können überall entstehen.  Hier sind gemeinsame Anstrengungen des Staates, der Wirtschaft, aber auch des Einzelnen gefragt. Eine tragfähige Lösung wird Elemente wie individuelle Prävention, intensiven Hochwasserschutz, ein Umdenken in der Bau- und Raumplanung, Warn- und Rettungssysteme, Versicherungslösungen für die breite Bevölkerung und deren Bezahlbarkeit sowie gegebenenfalls Selbstbeteiligungen für die Vorsorge des Einzelnen beinhalten müssen."

Der Umgang mit dem Klimawandel ist jedoch eine gesellschaftliche Aufgabe, die die Beteiligung aller erfordert. „Es ist für uns alle wichtig, die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen. Langfristig ist es auch notwendig, die Infrastruktur an den Klimaschutz anzupassen.“

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen*  Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 793 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors mehr als 1,8 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir unter den führenden Versicherern im Dow Jones Sustainability Index. 2020 erwirtschafteten über 150.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 140 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

*Einschließlich nicht konsolidierter Einheiten mit Allianz Kunden.

Pressekontakte

 

Susanne Seemann
Allianz SE

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

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