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Wieviel kostet die Mona Lisa?

Der berühmteste Kunstraub der Weltgeschichte ist einem Gelegenheitskriminellen aus Italien mit einfachsten Mitteln und simpelster Planung gelungen: Vor 100 Jahren, am 21. August 1911, versteckte sich Vincenzo Perugia an einem Sonntagabend im Louvre, ließ sich vom Wachpersonal einschließen und stahl am folgenden, besuchsfreien Montag die Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Der als Reinigungskraft verkleidete Perugia schaffte das Gemälde angeblich unter seinem Kittel aus dem Museum. Doch der berühmteste Kunstraub aller Zeiten endete einige Jahre später mit der Rückgabe des Gemäldes an den Louvre und mit einer Haftstrafe für den Dieb. Trotzdem gibt es bis heute Nachahmer, die es besonders auf unverkäufliche Kostbarkeiten abgesehen haben.

Kunstraub zählt heute nach Geldwäsche, Drogen- und Menschenhandel zu einem der größten Felder krimineller Aktivität. Weltweit entsteht dadurch ein jährlicher Schaden von ungefähr sechs Millarden Euro.  

Georg Freiherr von Gumppenberg, Leiter Kunstversicherungen bei der Allianz

Georg Freiherr von Gumppenberg: Gemälde von vergleichbarer kunsthistorischer und nationaler Bedeutung sind in den letzten 100 Jahren nicht mehr auf den Markt gekommen. Man kann nur spekulieren und liegt trotzdem daneben. Seriöse Experten weigern sich daher auch, interessierten Laien die häufig verlangten so genannten preislichen "Hausnummern" zu nennen. Wenn ein Bild unverkäuflich, nicht wiederzubeschaffen und unschätzbar ist, dann erübrigt sich für Sachverständige die Spekulation über den Preis.

Gumppenberg: Grundsätzlich ist natürlich jedes Bild versicherbar. Allerdings sind häufig Gemälde wie die Mona Lisa an ihrem angestammten Platz im Museum gar nicht versichert und werden auch nie mehr ausgeliehen. Im Falle eines Verlustes oder einer Beschädigung haftet der Staat, also alle Bürger. Daher stellt sich in dem Fall die Frage einer Versicherung nicht. Das gilt zum Beispiel auch für vergleichbare Bilder wie die Sixtinische Madonna von Raffael in Dresden.

Andere sehr, kostbare Bilder werden aber unter Umständen für bedeutende Ausstellungen ausgeliehen und müssen daher versichert werden. Man behilft sich dann mit fiktiven Taxwerten, die sicher unter dem Wert liegen, die solche Schätze auf dem Kunstmarkt bringen würden.

Gumppenberg: Bei näherer Betrachtung sind die Preise auf dem Kunstmarkt nicht einmal so "absurd". Ein Auktionshaus, ein Händler oder Galerist orientiert sich zuerst einmal an Preisen, die vergleichbare Objekte in den letzten Jahren gebracht haben. Dann fließen vielfach auch Kaufsignale von potenziellen Interessenten in diese Erstbewertung ein.

Auktionshäuser und Händler wissen meist ziemlich genau, was ihre Kunden beim Auftauchen extrem seltener und wertvoller Kunstwerke auszugeben bereit wären. Aber Lippenbekenntnisse machen keine Marktpreise. Ein Marktpreis steht erst dann fest, wenn ein Sammler auch tatsächlich das Geld für ein Kunstwerk auf den Tisch gelegt hat.

Gelegenheit macht Diebe: Vom 20. auf den 21. August 1911 übernachtete Vincenzo Perugia im Louvre und stahl die Mona Lisa, das berühmteste Gemälde der Welt

Gumppenberg: Ja, das ist die  Regel, aber sie wird hin und wieder unterlaufen. In jüngerer Vergangenheit passierte es häufiger, dass ein Käufer den Zuschlag in einem Auktionshaus bekam und dann nicht gezahlt hat.

1987 gab es da eine weltweit bekannt gewordene rekordverdächtige Premiere: Der australische Brauereibesitzer Alan Bond bot bei Sotheby's in New York 53,9 Millionen US-Dollar für Vincent van Goghs "Schwertlilien". Es war damals der höchste Auktionspreis aller Zeiten.

Gumppenberg: Ja, seither hat es das immer wieder und in höherer Frequenz gegeben, wenn auch die Bilder und die Bieter nie wieder so prominent waren. Aber es gibt noch einen anderen Grund, weshalb Marktpreise erst gültig werden, wenn sie auch jemand bezahlt hat: Noch häufiger passiert es nämlich, dass ein Auktionshaus einen Schätzpreis abgibt, der dann nicht erfüllt wird oder ein Händler einen Preis verlangt, und niemand ist bereit diesen zu zahlen.

Manchmal sind die Preise einfach zu hoch. In Krisenzeiten mag es auch noch eine Rolle spielen, dass Interessenten nach einem Kurssturz an der Börse doch lieber ihr Pulver trocken halten wollen, Warum ein Gemälde teuer bezahlen, das vielleicht wenig später schon viel billiger zu haben ist? In den Medien hören wir immer nur von den neuen Rekorden. Von den Rückgängen bei Auktionen jedoch sehr viel seltener.

Gumppenberg: Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Gewiss gibt es den Trend, dass Käufer ganz allgemein derzeit eher in Sach-, als in Finanzwerte investieren. Davon scheint auch der Kunstmarkt zu profitieren. Das legen zumindest die guten Verkaufszahlen der letzten Messen und Auktionen nahe.

Gumppenberg: Am Volumen ändert sich dadurch kaum etwas. Die Prämien hängen ja nicht nur von der Versicherungssumme, also vom Wert des Objekts ab, sondern vor allem auch von den Sicherheitsstandards, die der Besitzer im Gebäude und dessen Umgebung schafft. Eine topaktuelle Alarmanlage sorgt oftmals erst dafür, dass eine Sammlung oder ein Objekt überhaupt versicherbar ist.

Nehmen Sie den jüngsten Kunstraub aus dem Pariser Museum für moderne Kunst: Dort haben die Diebe ein Vorhängeschloss aufgebrochen und konnten durch ein Fenster ins Gebäude einsteigen. Wer Gemälde im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen derart nachlässig schützt, wird kaum einen Versicherer finden, der bereit ist, das Diebstahlrisiko für diese Objekte zu versichern.

Gumppenberg: Vermutlich sind es spekulative Schätzsummen, voreilige Gier und die Unkenntnis des Marktes, die die Diebe zu ersten Überlegungen motivieren. Wenn Eigentümer dann noch durch das Unterbieten niedrigster Sicherheitsstandards quasi Kriminelle zur "Selbstbedienung" einladen, haben wir vermutlich die Hauptgründe zusammengetragen.

Allerdings ist da insgesamt viel Naivität im Spiel: Bei den Eigentümern, die sich – bis es dann soweit ist - nicht vorstellen können, bestohlen zu werden und bei den Dieben, die sich nach ihrem Coup nicht vorstellen können, nur unverkäufliche Millionenwerte von der Wand gerissen zu haben.

Vielfach folgt dann auf den Diebstahl noch räuberische Erpressung. Beim so genannten Artnapping versuchen Kunsträuber den Eigentümer oder dessen Versicherung zur Zahlung eines Lösegeldes zu bringen, weil sich auf dem Schwarzmarkt einfach kein Käufer findet.

Gumppenberg: Keinesfalls. Verhandlungen mit Kriminellen müssen immer die zuständigen Polizeidienststellen führen. Versicherungen haben dabei nichts verloren.

Gumppenberg: Ich verfüge Gott sei Dank nicht über ausreichend kriminelle Energie, um das beurteilen zu können. Ich kann mir nur vorstellen, dass der Entschluss zum Kunstraub einer ganz nüchternen Kalkulation folgt - nämlich der Abwägung zwischen Aufwand, Risiko, Ertrag im Erfolgsfall und zu erwartender Strafe bei Misserfolg. Die Entführung von Personen ist ein Kapitalverbrechen, das gottlob sehr hart bestraft wird. Die Entführung von Kunst ist jedoch eine Art "Sachbeschädigung" und wird deshalb natürlich nicht so hart bestraft.

Vincenzo Perugia, der Mann der 1911 die Mona Lisa aus dem Louvre stahl, ist damals schließlich auch nur zu einer Haftstrafe von unter einem Jahr verurteilt worden – nicht viel, wie ich finde. Die Mona Lisa hatte er etwa zwei Jahre lang in einem Loch in der Wand seiner Kammer versteckt und am Ende wollte auch er von einem Kunsthändler in Florenz eine Art Gebühr oder Lösegeld für seinen räuberisch betriebenen Aufwand haben. Angeblich war er ein Idealist, der das Werk nach Italien zurückführen wollte.

 
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