Menschenrechte

Alle Menschen haben einen Anspruch auf Wahrung ihrer Grundrechte und Freiheit. Die Allianz ist sich der Bedeutung der Menschenrechte bewusst, sowohl aus ethischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht. 

Das Konzept der Menschenrechte reicht weit in die Geschichte zurück. Nachdem Kyros der Große 539 vor Christus die Stadt Babylon erobert hatte, befreite er alle Sklaven. Damit nicht genug. Der erste König des antiken Persiens führte außerdem Rassengleichheit und Religionsfreiheit ein.

Seitdem wurden viele offizielle Dokumente erlassen, die die Rechte von Einzelpersonen festschreiben. Dazu gehören unter anderem die Magna Carta (1215), die Petition of Right (1628), die Verfassung der Vereinigten Staaten (1787), die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) und die US-amerikanische Bill of Rights (1791).

Das moderne Verständnis der Menschenrechte wurde durch die International Bill of Human Rights und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geprägt. Zusammen stellen sie die umfassendste Auflistung der international anerkannten Menschenrechte dar.

Die International Bill of Human Rights besteht aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte mit seinen zwei Fakultativprotokollen.

Die Internationale Arbeitsorganisation hat acht Kernkonventionen, identifiziert die als grundlegende Prinzipien und Arbeitsrechte gelten.

Darüber hinaus gibt es weitere Dokumente, die Unternehmen helfen, ihren Menschenrechtsansatz zu definieren.

Die Leitlinien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, auch als Ruggie-Framework bekannt, unterstützen Staaten und Unternehmen bei der Implementierung des "Protect, Respect and Remedy"-Rahmenkonzepts. Die Leitlinien definieren klar und deutlich die Verantwortung von Unternehmen, die Menschenrechte zu respektieren, und die Pflicht von Staaten, die Menschenrechte zu schützen. Die Rahmenbedingungen, die sich daraus für die Wirtschaft ergeben, fordern von Unternehmen:

  • ein Bekenntnis zur Achtung von Menschenrechten
  • Due-Diligence-Prozesse, die Menschenrechtsverletzungen identifizieren, verhindern, mindern und Verstöße zur Rechenschaft ziehen
  • Prozesse, die die Beseitigung von Menschenrechtsbeeinträchtigungen ermöglichen

Auf dieser Basis haben die Minister von Mitgliedsstaaten der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2011 ihre Leitsätze für multinationale Unternehmen aktualisiert mit neuen Empfehlungen zum Umgang mit den Menschenrechten.

Die Einhaltung der Menschenrechte ist heute nicht mehr nur ein Thema für Staaten und Regierungen. Unternehmen aus allen Industriezweigen sehen sich zunehmend in der Verantwortung, Menschenrechte in ihre Geschäftsstandards zu integrieren, ganz egal, wo und wie sie operieren.

Von Unternehmen wird erwartet, dass sie nicht nur die Auswirkungen ihrer eigenen Aktivitäten und Transaktionen auf Menschenrechte beachten, sondern auch jene ihrer Geschäftspartner.  Bei Letzterem ist die Bestimmung der richtigen Maßnahmen komplex, da die Verbindung alleine in der Geschäftspartnerschaft besteht. Unternehmen sind angehalten, Menschenrechte nicht nur unter dem Aspekt der geschäftlichen Risiken, sondern auch aus Sicht der Betroffenen, das heißt der "Rechteinhaber", zu betrachten.

Viele der unmittelbaren Risiken und Fragestellungen, denen sich die Finanzdienstleistungsbranche im Hinblick auf Menschenrechte gegenübersieht, sind allgemeiner geschäftlicher Natur, wie zum Beispiel der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Aber auch als Investor in öffentliche und private Einrichtung und als Versicherer von multinationalen Unternehmen spielt die Versicherungsbranche eine wichtige Rolle in der globalen Wirtschaft. Durch ihre Geschäftsverbindungen kann sie auf vielfache Weise mit potenziellen Menschenrechtsverstößen in Zusammenhang gebracht werden – zum Beispiel über eine Bauversicherung für ein Unternehmen, das an der Zwangsumsiedlung der örtlichen Bevölkerung beteiligt war, oder als Anteilseigner eines Textilunternehmens, das in seinen Fabriken Kinderarbeit zulässt.

Der Versicherungsindustrie drohen Reputations-, Rechts- und Transaktionsrisiken, sollte sie Menschenrechte nicht achten. Wie Unternehmen mit dem Thema Menschenrechte umgehen, wird von der Öffentlichkeit genau verfolgt. Die Erwartungen von Stakeholdern, Gesellschaft und Politik an Unternehmen in der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung steigen. So kann es zu Kritik von Nichtregierungsorganisationen, Mitarbeitern und Kunden kommen, wenn Unternehmen zum Beispiel in Ländern tätig sind, die für systematische Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. Menschenrechtsstandards werden zunehmend in internationale Konventionen und lokale Regulierungen mit aufgenommen. Des Weiteren lässt sich oft ein Zusammenhang zwischen der Einhaltung von Menschenrechten und der allgemeinen Versicherbarkeit eines Unternehmens oder Projekts erkennen. Das gilt auch für die Investmentseite. Es zeigt sich, dass Anleger, die ESG-Themen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen, langfristig Renditen erzielen, die mit weitaus weniger Risiken behaftet sind 1.

Die Finanzdienstleistungsindustrie hat bereits vor einiger Zeit damit begonnen, sich mit dem Thema Menschenrechte auseinanderzusetzen. Diese Entwicklung wurde durch die freiwillige Teilnahme an Initiativen wie den UN Global Compact aus dem Jahr 2000, den UN Principles for Responsible Investment (Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortliches Investieren, PRI) aus dem Jahr 2006 und den UN Principles for Sustainable Insurance (Prinzipien der Vereinten Nationen für nachhaltiges Versichern, PSI) 2012 angestoßen.

1 Weitere Einzelheiten zu den Risiken und Auswirkungen des Themas Menschenrechte auf die Versicherungsindustrie sind im CRO-Forumpapier „Human rights and corporate insurance“ abgedruckt, an dem die Allianz mitgeschrieben hat. Das im November 2014 veröffentlichte Papier finden Sie hier (nur auf Englisch verfügbar).

Die Allianz ist sich der Bedeutung von Menschenrechten bewusst, sowohl aus einer wertebasierten als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Als Unterzeichner des UN Global Compact (UNGC) kommunizieren wir seit dem Jahr 2002 jährlich unsere Fortschritte bei der Implementierung der zehn Prinzipien des UN Global Compact.

In unseren unterschiedlichen Rollen als Industrieversicherer und Investor, Arbeitgeber, Unternehmen und Corporate Citizen tragen wir jeweils eine Verantwortung, Menschenrechte einzuhalten und zu bewahren. Für alle diese Bereiche haben wir unterschiedliche Prozesse etabliert. Wir, wie auch die gesamte Branche, werden uns auf diesem Gebiet weiterentwickeln und dafür sorgen, dass die Achtung von Menschenrechten bestmöglich in unsere Geschäftsmodelle integriert werden.

 

Integration der Menschenrechte in das Kerngeschäft 

Als Industrieversicherer und Investor haben wir im Rahmen unseres ESG 1-Ansatzes einen Menschenrechts-Due-Diligence-Prozess entwickelt, der in unser allgemeines Risikomanagementsystem integriert und somit rasch und stringent umsetzbar ist. In unserer Due-Diligence verfolgen wir einen kombinierten sektor- und länderbasierten Ansatz. Die Allianz hat dreizehn ESG-Richtlinien für sensible Geschäftsfelder entwickelt, die sektorspezifisch auf Menschenrechtsaspekte Bezug nehmen. Dazu zählt zum Beispiel Kinderarbeit in der Landwirtschaft oder Zwangsarbeit im Bergbau. So ist sichergestellt, dass im Rahmen der generellen Risikoanalyse menschenrechtsrelevante Aspekte bei allen Versicherungstransaktionen und alternativen Investments im entsprechenden Sektor geprüft werden. 

Außerdem hat die Allianz einen Prozess für die Identifizierung von Ländern entwickelt, in denen systematisch gegen Menschenrechte verstoßen wird. Für alle Geschäfte in diesen Ländern wird eine übergreifende Menschenrechtsrichtlinie angewendet.

Sollte ein Underwriter/Investmentmanager mit Hilfe dieser Richtlinien ein Menschenrechtsrisiko identifizieren, wird ein weiterer Due-Diligence-Prozess in Gang gesetzt, der ESG-Experten und zentrale Abteilungen wie die Risiko- und Kommunikationsabteilung involviert. Verfügt der (Rück-)Versicherer über genügend Einfluss (zum Beispiel als führender Versicherer oder durch gute Kontakte zum Kunden/Makler/Kapitalnehmer), wird ein Dialog mit dem entsprechenden Unternehmen angeregt, um das Menschenrechtsrisiko zu adressieren und sich für dessen Minderung stark zu machen.

Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, die das Risiko verringern, oder wenn eine Einflussnahme nicht möglich ist, kann das Risiko untragbar sein. Bei einer solchen Entscheidung werden der Grad des Menschenrechtsverstoßes, die Bedeutung der Geschäftsbeziehung sowie das eigene Werteverständnis berücksichtigt.

Weitere Informationen über die Integration von ESG-Aspekten in die Investition unserer Eigenanlagen finden Sie hier

 

Einhaltung von Menschenrechten als Arbeitgeber 

Als Arbeitgeber achten wir darauf, dass die internationalen Menschenrechtsstandards auch für unsere eigene Belegschaft gelten. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist Grundlage für all unsere Geschäftstätigkeiten weltweit. Als Unterzeichner des United Nations Global Compact (UNGC) haben wir die darin formulierten zehn Grundsätze in unseren konzernweiten verbindlichen Verhaltenskodex verankert. Außerdem erkennen wir die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen an. Um die Mitarbeiterrechte zu stärken, haben wir als eines der ersten Unternehmen europaweite Mitbestimmungsstandards geschaffen. Außerdem haben wir einen europäischen SE-Betriebsrat gemäß der Gesetzgebung für Societas Europaea (SE) ins Leben gerufen.

Wir sind Unterzeichner der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Sie regelt nicht nur die grundlegenden Rechte am Arbeitsplatz, sondern beschreibt auch die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen. In Ländern, in denen Gewerkschaften und Betriebsräte verboten sind, respektieren wir zwar gültiges Recht, verhindern aber auch nicht die Bildung alternativer Arbeiternehmer-Organisationen. Wir handeln damit im Sinne der UNGC-Grundsätze.

 

Einhaltung von Menschenrechten in der Beschaffung 

Als Unternehmen haben wir uns verpflichtet, dass die internationalen Menschenrechtsstandards auch für die Belegschaft in unserer Lieferkette gelten. Verantwortlich dafür ist unsere global agierende Einkaufsabteilung. Sie sensibilisiert aktuelle und zukünftige Lieferanten für dieses Thema.  In der Praxis stellen wir sicher, dass unsere Lieferanten die ESG-Standards, die in unserem Verhaltenskodex (Code of Conduct) sowie in den Einkaufsrichtlinien verankert sind, einhalten. Beide Richtlinien berücksichtigen die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die Grundsätze des UN Global Compact (UNGC) und decken somit die Themen Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung ab. Die Allianz setzt sich sich auch die Erfüllung des UK Modern Slavery Act ein, sowohl aus Sicht des Allianz-Geschäfts in Großbritannien als auch aus der Gruppenperspektive (PDF auf Englisch).

 

Unterstützung der Menschenrechte als Corporate Citizen 

Als engagierter Unternehmensbürger unterstützen wir auch Projekte und Initiativen, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen. Unser internationales Netzwerk von 14 Stiftungen setzt sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander. Zu diesem Netzwerk gehören die Allianz Umweltstiftung für verantwortungsbewusstes Umweltmanagement und die Allianz Kulturstiftung, die sowohl Kunst als auch den interkulturellen Dialog und die Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen fördert.

Beispielsweise richtete die Allianz Kulturstiftung 2014 das zehnte M100 Sanssouci Colloquium aus. Unter dem Motto „Medienfreiheit im Big-Data-Zeitalter" diskutierten die Konferenzteilnehmer aus aller Welt über die Bedeutung von Meinungsaustausch und Freiheit.  

Die Allianz fördert karitative Organisationen, sofern sie unsere Menschenrechtsstandards einhalten. Die Allianz Leitlinie für Spenden und gemeinnütziges Engagement (Corporate Giving) stellt klar, dass nur Organisationen unterstützt werden, die die Grundsätze des Allianz Verhaltenskodex für Business Ethics und Compliance einhalten.