Allianz Climate & Energy Monitor 2018

Um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, müssen Treibhausgasemissionen rasch anfangen zu sinken, auf nahezu Null bis zur Mitte des Jahrhunderts. Dafür sind große Anstrengungen nötig, besonders im Energie- und Stromsektor, der stark von fossilen Brennstoffen abhängt. So darf in zwei Dekaden kein Strom mehr aus Kohle kommen und erneuerbare Energien als mittelfristig kostengünstigste Alternative müssen stark ausgebaut werden.

Die G20-Staaten sind zentral für diese weltweite Energiewende. Sie sind die größten Volkswirtschaften und so in einer guten Position eine Führungsrolle einzunehmen.

Schon kleine Veränderungen in diesen Märkten können große Wirkung haben. Der Allianz Climate & Energy Monitor stellt daher die Frage: Wie haben sich also die Investitionsbedingungen im letzten Jahr in diesen wichtigen Märkten verändert? Und wie viel müssen diese Länder in ihren Stromsektor investieren? Kurz gefasst: Die OECD-Staaten haben weiterhin die attraktivsten Investitionsbedingungen, aber inzwischen sind drei Schwellenländer in die TOP10 aufgerückt.

Schlaglichter der Ergebnisse

Europäische Staaten im Spitzenfeld - Schwellenländer wie China und Indien in den Top 10

Frankreich verdrängt Deutschland von der Spitzenposition als attraktivster Markt für Investitionen in erneuerbare Energien auf den zweiten Rang. Mit Großbritannien auf Rang drei und Italien auf Rang vier führen die europäischen Märkte die G20-Staaten an. Ausschlaggebend sind gute Marktbedingungen, insgesamt positive makroökonomische Faktoren und klare unterstützende Politikmaßnahmen für Erneuerbare Energien.

Die stärksten Verbesserungen im Jahr 2017 waren in Brasilien und Italien zu beobachten, sie stiegen um fünf sowie vier Plätze. Brasilien hatte kräftig Photovoltaik-Anlagen zubauen können, ähnlich schnell wachsend wie andere Schwellenländer wie Indien,die Türkei oder China.

Zur Einhaltung der Pariser Klimaziele müssten Investitionen in erneuerbare Energien deutlich wachsen: jährlich 886 Milliarden US-Dollar im Stromsektor nötig

Laut Monitor müssten alle G20-Länder wesentlich mehr in erneuerbare Energie investieren, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dazu wären für alle 19 Staaten bis 2050 jährliche Investitionen in den Stromsektor in Höhe von rund 886 Milliarden US-Dollar notwendig.

So ist der jährliche Kapitalbedarf im Stromsektor beispielsweise in den USA mit 158 Milliarden US-Dollar nahezu dreimal so hoch wie die getätigten Investitionen in erneuerbare Energien in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Der Fünftplatzierte China investierte im Jahr 2017 in erneuerbaren Energien rund 133 Milliarden US-Dollar, würde aber erst mit 314 Milliarden US-Dollar pro Jahr auf einen Pfad Richtung Pariser Klimaziele im Stromsektor einschwenken. In Indien verdoppelte sich der Ausbau der Solarenergie im Jahr 2017, auch bei der Windkraft wurde mehr installiert. Indien erreicht mit Investitionen in erneuerbare Energien von 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 aber bisher nur einen Bruchteil der jährlich benötigten Summe von 160 Milliarden US-Dollar. 

 

Rahmenbedingungen insgesamt stabiler als im Vorjahr

„Die erneuerbaren Energien in Frankreich, Deutschland und Großbritannien profitieren von stabilen Markt- und Investitionsbedingungen sowie von einem größtenteils positiven Politikumfeld“, erläutert Co-Autor Professor Niklas Höhne von NewClimate Institute die Ergebnisse des heute veröffentlichten Allianz Klima- und Energiemonitors. “Allerdings gibt es auch bei den Bestplatzierten noch ungenutztes Potenzial: Frankreichs Ausschreibungen für neue Anlagen sind zum Beispiel oft zu niedrig dotiert und der Solarenergiemarkt in Großbritannien ist nach politischen Reformen rückläufig." Auch in den meisten anderen G20-Staaten haben sich die Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien im vergangenen Jahr grundsätzlich verbessert. Schwellenländer wie China und Indien bieten stabilere Rahmenbedingungen für Kapitalgeber als im Vorjahr.

Dennoch müssten alle Länder ambitionierte, beständige und transparente Langfriststrategien für eine vollständige Dekarbonisierung umsetzen. Bislang hat nur Großbritannien eine solche Klimastrategie verabschiedet. Deutschland, Frankreich und Brasilien haben als einzige G20-Staaten kurzfristige Ziele für erneuerbare Energien entwickelt.

 

Wichtige Rolle von Investoren für klimafreundliche Wirtschaft

Der Monitor zeigt ebenfalls bislang ungenutzte Potenziale von G20-Staaten auf, mit deren Hilfe sie ausgezeichnete Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien schaffen könnten. Jan Burck: "Die Frage ist nicht nur, ob die Staaten sich ambitionierte Ziele setzen, sondern vor allem wie sie diese konkret umsetzen wollen.“

Auch Versicherungsunternehmen können bei der Transformation mit ihren langfristigen Investitionsstrategien und ihrer Expertise im Risikomanagement eine zentrale Rolle spielen. Die Allianz hat sich als eines der ersten Versicherungsunternehmen langfristige Klimaziele gesetzt, die an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens geknüpft sind. Bis zum Jahr 2040 sollen kohlebasierte Geschäftsmodelle im Kundenportfolio in der Versicherung und in der Anlage der Versichertengelder schrittweise. 

 

Über die Methodologie des Allianz Climate and Energy Monitor

Der Monitor analysiert die Investitionsbedingungen sowie den Investitionsbedarf in den G20-Staaten für erneuerbare Energien:

1. Die Attraktivität verschiedener Variablen für potenzielle Investoren in fünf Politik- und Marktkategorien:

  • Politikumfeld für Klimaschutz und erneuerbare Energien: Langfriststrategien, Energiemarktgesetze sowie die Marktintegration von erneuerbaren Energien über Netz, Nachfrageregelung sowie Speichertechnologien
  • Marktreife: Erfahrung mit erneuerbaren Energien sowie die Dynamik im Markt
  • Makroökonomische Faktoren wie Inflation, Rechtssicherheit und mehr

2. Investitionsbedarf im Stromsektor bis 2050 für ein Emissionsprofil, das konsistent mit den Zielen des Pariser Abkommens ist. Verglichen werden ein „Business-as-usual“-Szenario mit einem „Deutlich unter 2°C“-Szenario. Im diesem Jahr nutzt der Monitor Zahlen von IRENA, nicht mehr von der IEA.

Jeder Indikator wird relativ zu den anderen bewertet. Die absoluten Scores werden auf zwischen 100 als bestem Wert und 0, dem schlechtestem Wert harmonisiert. Daher ist jeder Score als relative zu den anderen G20-Ländern gewertet werden.

Über die Autoren

NewClimate Institute

Das NewClimate Institute for Climate Policy and Global Sustainability ist ein Forschungsinstitut mit Fokus auf Ideen zum Klimawandel und deren Implementierung. Es betreibt Forschung, Politikberatung und Wissensaustausch um den Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Die Kernkompetenz liegt in den Gebieten Analyse und Bewertung von Klimapolitik, Klimafinanzierung, CO2-Märkte und nachhaltige Energie.

Germanwatch

Germanwatch ist eine unabhängige Entwicklungs- und Umweltorganisation, welche sich für die globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlage einsetzt. Sie konzentriert sich auf die Politik und Wirtschaft des "globalen Nordens" mit ihren weltweiten Auswirkungen. Ausgangspunkt der Arbeit bildet die Lage der besonders benachteiligten Menschen im "globalen Süden" und gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Förderern und mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft bilden sie eine Lobby für eine nachhaltige Entwicklung. Auf der Grundlage wissenschaftsbasierter Analysen informieren sie die Öffentlichkeit, leisten Bildungs- und Lobbyarbeit und zeigen den Verbraucherinnen und Verbrauchern Wege auf, wie sie ihren Zielen entsprechend handeln können.

Allianz SE

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