Warning: You are using an outdated Browser, Please switch to a more modern browser such as Chrome, Firefox or Microsoft Edge.

Allianz Climate & Energy Monitor 2016

Die G20-Staaten laufen Gefahr, ihre im Dezember 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele zu verfehlen. Verantwortlich dafür ist eine wachsende Lücke zwischen den aktuellen Investitionen in erneuerbare Energien und dem zukünftigem Bedarf. Der liegt laut Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) schon 2020 bei USD 790 Milliarden und ab 2035 bei USD 2300 Milliarden jährlich. Der Allianz Klima- & Energiemonitor sieht den Grund dafür in unzureichenden oder nicht vorhandenen Klimastrategien und deren mangelhafte Umsetzung im Energiesektor.

Der Allianz Climate and Energy Monitor misst den Investitionsbedarf der weltweit wichtigsten 19 Staaten (die G20 umfassen diese 19 Staaten sowie die EU als supranationale Einheit) für eine Energiewende sowie deren Attraktivität für Investoren. 

Ob und wo Investoren ihr Geld bereitstellen, hängt ab von einer verlässlichen Klima- und Energiestrategie des jeweiligen Landes, konkreten und transparenten Fördermechanismen, Wettbewerbsfairness gegenüber fossilen Energieträgern, dem Einfluss konträrer Lobbygruppen und der Markterfahrung mit erneuerbaren Energien. Hinzu kommen allgemeine Faktoren wie Inflation, Offenheit für ausländische Investoren und Rechtssicherheit.

Das Wichtigste in Kürze

Politik der G20 unzureichend für Dekarbonisierung des Stromsektors

  • Kein Land der G20 unternimmt aktuell ausreichend viel, um die Investitionslücke im Stromsektor zu schließen. Dies wäre aber nötig, um die globale Erwärmung auf weniger als 2°C zu begrenzen.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen den Ländern in Bezug auf den Investitionsbedarf und die Attraktivität von Investitionen. Während China beispielsweise Investitionen in Höhe von 208 Milliarden USD jährlich benötigt, um die Investitionslücke zu schließen, sind dies in Argentinien 5 Milliarden USD. Und während Länder wie Brasilien oder Indien gerade erst anfangen, Gesetze für die Energiewende zu erlassen, haben das Vereinigte Königreich oder Deutschland bereits jahrelange Erfahrungen mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Installation von Erneuerbaren Energien.

Schwellenländer müssen große Investitionen tätigen, während OECD-Länder führend im politischen Rahmenwerk sind

  • Zusammen brauchen die G20-Länder Investitionen in Höhe von rund 710 Milliarden USD jährlich bis 2035.
  • Brasilien, Indien, Indonesien, China und Südafrika machen 50% der Investitionen aus – sie haben den höchsten Investitionsbedarf – aufgrund ihrer Größe und des Entwicklungsbedarfs. Dieser Prozentsatz steigt noch, wenn man die generelle Anfälligkeit des Stromsystems in diesen Ländern gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt.
  • Die für Investoren attraktivsten Länder sind Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich aufgrund guter Ergebnisse über alle Indikatoren hinweg. In den USA überdecken generell gute Investitionsbedingungen und ein großer, reifer Markt zum Teil die eher niedrige Unterstützung der Energiewende auf nationaler Ebene.
  • China hat – wenig überraschend – einen hohen Investitionsbedarf, aber bemerkenswerterweise inzwischen die vierthöchste Attraktivität für Investoren.
  • Manche der Länder mit dem höchsten Investitionsbedarf – wie Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika – haben zugleich ein unzureichendes Rahmenwerk für Investitionen. Sie werden es somit schwer haben, substantiell private Investoren anzuziehen.
  • In Indien werden ehrgeizige Gesetze durch ein ungünstiges generelles Investitionsumfeld ausgebremst. Es wird einer raschen Übersetzung der Euphorie der Politik in praktische, fokussierte Gesetze bedürfen, um das große Potenzial dieses Marktes abzurufen.
  • Selbst Länder mit einem relativ niedrigen Investitionsbedarf wie Mexiko, die Türkei oder Argentinien müssen substanzielle politische Fortschritte machen. Aktuell rangieren sie unter den am wenigsten attraktivsten Ländern für Investitionen. Insbesondere müssten Fortschritte hin zu gleichen Wettbewerbsbedingungen von erneuerbaren Energien gegenüber ihren großen Sektoren rund um fossile Energieträger.

Für mehr Investitionen müssen die G20-Länder schlüssige Strategien und Gesetze entwickeln

  • Eine stringente Klimastrategie gibt Investoren ein Vertrauen in die politische Verbindlichkeit, aber sie muss in konkrete, transparente politische Maßnahmen übersetzt werden, die Investitionen in erneuerbare Energien gegenüber fossilen Energieträgern attraktiv machen. Dazu bedarf es auch eines guten allgemeinen, makroökonomischen Investitionsumfeldes.
  • Die G20-Länder sollten Ihre Führungs- und Marktentwicklungsrolle annehmen, um Investitionen anzureizen. Beispielweise könnten Instrumente entwickelt werden, um spezifische Investitionsrisiken abzufedern. So könnten Entwicklungsbanken stärker dazu genutzt werden, politische Risiken zu mildern, um die Transparenz und Langfristigkeit des Investitionsumfeldes zu stärken.

Wie einzelne Länder abschneiden

Der Allianz Climate and Energy Monitor stellt für alle 19 Länder der G20 ein Country Performance Sheet zur Verfügung. Die EU als supranationaler Zusammenschluss ist nicht berücksichtigt. Die Performance Sheets sind im PDF der Studie enthalten (auf Englisch).

Über die Methodologie des Monitors

Der Monitor analysiert die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien der G20-Länder. Aus Nachhaltigkeitskriterien sind fossile Energieträger ebenso wie große Wasserkraftanlagen und nukleare Brennstoffe aus der Analyse ausgeschlossen.
Die Studie untersucht zwei Elemente:

  1. Investitionsbedarf im Stromsektor bis 2035, anhand von absoluten und relative Investitonsbedürfnissen sowie die Anfälligkeit der bestehenden Strominfrastruktur für die Auswirkungen des Klimawandels.
  2. Die Attraktivität verschiedener Variablen für potenzielle Investoren in erneuerbare Energien, unter anderem anhand der Stringenz und Verlässlichkeit der Politik, der Marktabsorptionskapazität sowie der nationalen Investitionsbedingungen.

Jeder Indikator wird relativ zu den anderen bewertet. Die absoluten Scores werden auf zwischen 100 als bestem Wert und 0, dem schlechtestem Wert harmonisiert. Daher ist jeder Score als relative zu den anderen G20-Ländern gewertet werden.

Reports hier herunterladen

Eine frühere Version der Studie enthielt Rundungsfehler in Tabelle 1. Diese wurden am 3. Juni 2016 korrigiert.
Das NewClimate Institute for Climate Policy and Global Sustainability ist ein Forschungsinstitut mit Fokus auf Ideen zum Klimawandel und deren Implementierung. Es betreibt Forschung, Politikberatung und Wissensaustausch um den Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Die Kernkompetenz liegt in den Gebieten Analyse und Bewertung von Klimapolitik, Klimafinanzierung, CO2-Märkte und nachhaltige Energie.
Germanwatch ist eine unabhängige Entwicklungs- und Umweltorganisation, welche sich für die globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlage einsetzt. Sie konzentriert sich auf die Politik und Wirtschaft des "globalen Nordens" mit ihren weltweiten Auswirkungen. Ausgangspunkt der Arbeit bildet die Lage der besonders benachteiligten Menschen im "globalen Süden" und gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Förderern und mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft bilden sie eine Lobby für eine nachhaltige Entwicklung. Auf der Grundlage wissenschaftsbasierter Analysen informieren sie die Öffentlichkeit, leisten Bildungs- und Lobbyarbeit und zeigen den Verbraucherinnen und Verbrauchern Wege auf, wie sie ihren Zielen entsprechend handeln können.
Allianz Climate Solutions ist das Kompetenzzentrum der Allianz-Gruppe für Klimawandel und erneuerbare Energien. Wir bieten Versicherungsdienstleistungen und Beratung rund um Erneuerbare-Energien-Projekte für externe Kunden und Allianz-Einheiten an. Des Weiteren beraten wir die Allianz rund um den Klimawandel, entwickeln Strategien und sind ein Inkubator für klimabezogene Produktentwicklung.