Was können wir aus früheren Rezessionen lernen?

Stehen wir vor einer Weltwirtschaftskrise wie in den dreißiger Jahren oder vor einer scharfen aber nicht allzu langen Rezession? Die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank haben für Deutschland die Rezessionen seit Anfang der siebziger Jahre miteinander verglichen und den Versuch unternommen daraus Folgerungen für den jetzigen Abschwung abzuleiten.

Die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank erwarten eine scharfe aber nicht sehr lange weltweite Rezession mit einem markanten Produktionseinbruch Ende des Jahres und einer starken Investitionszurückhaltung bis Mitte 2009. Die bisherigen Boom-Branchen wie Automobile und Maschinenbau werden dabei besonders stark vom Abschwung betroffen sein. Die Erwartungen der Unternehmen sind abgestürzt und vermitteln eine Skepsis wie kaum in den letzten Jahrzehnten. Ölpreisschock und Euro-Höhenflug wirken noch nach, verstärkt durch den globalen Erwartungsschock der Finanzmarktkrise.

Trotz der düsteren Lage besteht kein Anlass zur Schwarzmalerei. Ein beachtlicher Teil der Rezession liegt schon hinter uns. Nimmt man Deutschland als Beispiel, so dauerten die bisherigen Rezessionen zwischen zwei und vier Quartalen. Gemeinsames Erscheinungsbild aller Rezessionen in Deutschland ist das gleichzeitige Auftreten einer sinkenden Ausfuhr und rückläufiger Ausrüstungsinvestitionen. Dabei ist der Einfluss, der von den Exporten auf die Konjunktur ausgeht, äußerst dominant. Bei weiter im jetzigen Tempo schrumpfenden Exporten wäre ein Rückgang des BIP von über 2 % im kommenden Jahr möglich. Der massive Einbruch bei den Auslandsauftragseingängen weist auf dieses Risiko hin. Dagegen spricht aber, dass sich durch den gesunkenen Außenwert des Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der EWU-Volkswirtschaften gebessert hat. Dazu kommt, dass sich der Welthandel bei einer Beruhigung der Finanzmarktkrise im Verlauf von 2009 wieder erholen sollte. Eine Konjunkturerholung bedingt durch eine anziehende Ausfuhr wäre ohnehin das klassische Konjunkturmuster. In drei der vier betrachteten Rezessionen wurde die Wende zum Besseren maßgeblich von der Ausfuhr eingeleitet. Angesichts der massiven Kaufkraftgewinne der Haushalte durch rückläufige Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise sollte in diesem Zyklus aber – etwas untypisch - ein anziehender privater Verbrauch die Erholung mit einleiten.

Für eine kurze scharfe Rezession mit einer Erholung im Verlauf von 2009 sprechen auch die weltweit sehr expansive Geldpolitik, gewaltige fiskalische Konjunkturstützungspakete sowie die historisch niedrigen Zinsen. Vor allem aber führen die dramatisch gesunkenen Ölpreise 2009 zu einer Entlastung des BIP um reichlich 1 % und stellen somit ein eigenes Konjunkturprogramm dar. Positiv zu werten ist auch, dass Ertragslage und Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in vielen Ländern besser sind als in früheren Rezessionen. Für Länder, die in den letzten Jahren von einem starken Immobilien- und Kreditboom begünstigt worden waren, ist allerdings mit einer deutlichen Konsolidierung und schwächerem Wachstum in den nächsten Jahren zu rechnen.

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