Deutsche Anlagen im Ausland - ein Verlustgeschäft?

Die deutsche Wirtschaft erzielte 2013 mit über 200 Milliarden Euro den höchsten globalen Leistungsbilanzüberschuss, Tendenz steigend. Der Trend liefert neue Munition für die Kritiker des deutschen Leistungsbilanzüberschusses, der seit Jahren Gegenstand heftiger Kontroversen ist. Die einen sehen in ihm einen Ausdruck wirtschaftlicher Stärke und hoher Wettbewerbsfähigkeit. Für andere wiederum ist er Folge einer schwachen Binnennachfrage. Aus dem Ausland häuft sich die Kritik, Deutschland schädige mittels Lohndumping die Wettbewerber in den Partnerländern und exportiere Deflation oder Arbeitslosigkeit.

In Deutschland selbst wird hervorgehoben, dass die deutschen Exportüberschüsse durch Kreditvergabe an das Ausland finanziert werden und sich somit die Frage stellt, wie werthaltig unsere Forderungen wirklich sind. Kriegen wir keinen angemessenen Gegenwert für unsere Ausfuhren ? Wissenschaftlichen  Berechnungen  zufolge hat Deutschland  seit dem Jahr 2006 im Zuge der Finanzkrise Wertverluste von mehr als zwanzig Prozent seiner Wirtschaftsleistung auf sein Nettoauslandsvermögen erlitten.  Derart horrende Verluste – wenn sie denn entstanden sind –würden viele Fragen aufwerfen. Haben die Deutschen eine Neigung zu spekulativen oder rein steuerbedingten Kapitalanlagen („dumb German money“ – dummes deutsches Geld) und verschenken sie dadurch harterarbeitete Leistungsbilanzüberschüsse? Ist es für ein Land mit demografischen Problemen wie Deutschland doch nicht richtig, Teile der Ersparnisse aus Diversifizierungsgründen und wegen höherer Renditechancen im Ausland anzulegen? Sollten Anleger lieber im Inland bleiben? Diese Fragen sind allesamt zu verneinen, wie eine nähere Analyse zeigt.


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