Konjunktur- und Finanzmarktausblick 2016

Konjunktur im Euroraum gewinnt 2016 an StabilitätEs besteht durchaus Grund zur Zuversicht hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven 2016. Trotz der rückläufigen Rohstoffpreise sind die deflationären Risiken in Europa weiter auf dem Rückzug. Unternehmen und Verbraucher sind deutlich optimistischer als noch vor ein, zwei Jahren. Die Binnenkonjunktur ist angesprungen, der niedrige Ölpreis hilft der Wirtschaft und die Zahl der Arbeitsplätze steigt deutlich. „Der Aufschwung wird 2016 in der EWU nicht nur an Schwung und Breite, sondern auch an Stabilität gewinnen und damit zunehmend selbsttragend“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Mit 1,8% dürfte die Wirtschaft im Euroraum 2016 stärker wachsen als 2015 (+1,5%). Dieses Expansionstempo dürfte sich auch im Jahr 2017 fortsetzen.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem anhaltenden Aufschwung: Die Beschäftigung nimmt in nahezu allen größeren Wirtschaftszweigen zu, sämtliche Verwendungskomponenten des Bruttoinlandsprodukts verzeichnen Zuwächse. Dazu kommen Impulse durch die weiter extrem expansive Geldpolitik, die beschlossenen finanzpolitischen Maßnahmen (investive Maßnahmen, Entlastungen in der Einkommenssteuer) und der hohen Ausgaben infolge der Flüchtlingsmigration. Zudem verfügt die Exportwirtschaft trotz der gedämpften Weltkonjunktur durch den verhältnismäßig niedrigen Außenwert des Euro über eine recht gute preisliche Wettbewerbsfähigkeit. In der Summe erwarten wir eine weitere Kräftigung des Wachstums im kommenden Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2016 um 2,2% zunehmen, im Jahr 2017 rechnen wir mit einem Wachstum von 1,9%.

In den USA ist 2016 wie schon 2015 mit einem Zuwachs des BIP um 2,5% zu rechnen. Das Wachstum in den Schwellenländern wird 2016 mit 3,8% voraussichtlich wieder etwas stärker ausfallen als 2015 (3,3%), vor allem weil sich der Konjunktureinbruch in Brasilien und Russland 2016 nicht mehr derart massiv wie in diesem Jahr fortsetzen sollte. Aus China dürften 2016 aufgrund der wirtschaftspolitischen Stimulierung wieder häufiger positive Konjunk-turmeldungen kommen, auch wenn sich das offiziell ausgewiesene Wirtschaftswachstum weiter leicht abschwächt. Alles in allem wächst die Weltwirtschaft 2016 mit 2,8% voraussichtlich leicht beschleunigt.

Dabei darf nicht aus dem Blick geraten, dass die Risiken für unseren verhalten optimistischen Ausblick nicht vernachlässigbar sind. So ist die geopolitische Lage alles andere als stabil, eine Eskalation im Nahen oder Mittleren Osten könnte auch zum schwerwiegenden globalen wirtschaftlichen Belastungsfaktor werden. Heise: „Die geopolitischen Unwägbarkeiten, die divergierende Geldpolitik der Fed und der EZB, die begrenzten Ertragsperspektiven in vielen Asset-Klassen und das große Konjunkturgefälle in den Schwellenländern sprechen für recht volatile Kapitalströme im kommenden Jahr. Auch wenn einzelne Anlageklassen wie beispielsweise europäische Aktien zweifelsohne noch Aufwärtspotenzial besitzen, ist eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung dieser Märkte kaum zu erwarten. Das kommende Jahr dürfte an den Finanzmärkten häufige Richtungswechsel mit sich bringen. Dies gilt wahrscheinlich in besonderem Maß für die Anleihemärkte“.

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