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Ölpreiskollaps: Gesamtwirtschaftliche Bedeutung und Ausblick

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Der Verfall der Ölpreise wird vielen Volkswirtschaften eine Konjunkturspritze verpassen. Während das verarbeitende Gewerbe von niedrigeren Input-Preisen profitiert, gewinnen die privaten Haushalte an Kaufkraft. Für den Euroraum prognostizieren wir ein Wirtschaftswachstum von 1,5%, unsere Prognose für Deutschland haben wir auf 2,1% erhöht und die USA wird voraussichtlich ein Wirtschaftswachstum von 3% erreichen.

Allianz SE
München, 03.03.2015

In den Schwellenländern fallen die Folgen des Ölpreiskollapses sehr unterschiedlich aus. Netto-Ölimporteure profitieren von einer deutlich gesunkenen Importrechnung. Gleichzeitig schaffen sinkende Inflationsraten geldpolitischen Handlungsspielraum zur Stimulierung der Wirtschaft. Indien, Indonesien und andere Länder haben niedrige Ölpreise dazu genutzt, Energiesubventionen massiv zu kürzen. Die eingesparten Gelder können in Investitionsprogramme fließen.

Die meisten ölexportierenden Staaten des arabischen Raums haben in den vergangenen Jahren erhebliche Auslandsaktiva aufgebaut, die nun helfen, die Folgen einbrechender Staatseinnahmen abzufedern. Ganz anders sieht es beispielsweise in Venezuela aus, wo eine Staatspleite droht, und in Russland, wo die Doppelbelastung aus Öleinnahmeausfälle und Sanktionen die Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen werden.

Die Rohstoffpreisentwicklung bekommt eine besondere Brisanz dadurch, dass die Inflationsraten ins Negative gedrückt wurden und die Geldpolitik dies in vielen Industrieländern als eine gefährliche Verfehlung ihrer Inflationsziele ansieht. Der Ölpreisrückgang wird infolgedessen eine scharfe Expansionspolitik der Zentralbanken zur Folge haben. Diese wird ihrerseits konjunkturstimulierende Wirkung haben. Es wird aber auch mit einer Überhitzung an den Finanzmärkten einhergehen und daher neue Risiken schaffen.

Die zukünftige Entwicklung des Ölpreises hat wegen seiner Auswirkungen auf Kaufkraft, Investitionen und Geldpolitik große Bedeutung für die Konjunkturaussichten. Schon in der Vergangenheit war es oft schwierig, die Entwicklung des Ölpreises präzise vorauszusagen. So hatte zum Beispiel kaum jemand den rapiden Verfall der Preise seit Mitte 2014 prognostiziert. Durch die rapide Ausweitung der Förderung unkonventionellen Öls ist die USA neben Saudi Arabien zu einem globalen „swing producer“ geworden. Das Wechselspiel zwischen OPEC Strategie und Marktdynamik in der westlichen Hemisphäre könnte zukünftige Prognosen noch erschweren.

Zwar wird sich der Ölpreis im Zuge einer Produktionsanpassung in Nordamerika und andernorts voraussichtlich wieder langsam nach oben bewegen. Im Jahresdurchschnitt 2015 sollte er aber mit 60 USD/Barrel (Brent) um etwa 40% unter dem Niveau des Vorjahres liegen. 2016 dürften sich die Ölpreisnotierungen um ein durchschnittliches Niveau von 70 USD/Barrel bewegen. Auf absehbare Zeit dürfte der Rohölpreis das Niveau der ersten Jahreshälfte 2014 nicht wieder erreichen.