Ausstiegsszenarien der Geldpolitik im Euroraum und den USA

Um der Finanz- und Euro-Schuldenkrise zu begegnen und den als angemessen erachteten Expansionsgrad der Geldpolitik zu erreichen, haben wichtige Zentralbanken nicht nur ihre Leitzinsen auf Rekordtiefs nahe Null gesenkt, sondern auch mit neuen Instrumenten experimentiert. Die Fed hat unkonventionelle Maßnahmen in Form von umfangreichen Wertpapierkäufen und Orientierung über ihre zukünftige Geldpolitik (forward guidance) angewandt, um die Langfristzinsen zu senken. Die EZB hat ihre Liquiditätsschleusen durch die unlimitierte Zuteilung bei den „normalen“ Refinanzierungsgeschäften, durch Dreijahrestender sowie die Ausweitung des Sicherheitenrahmens geöffnet, Staatsanleihen in begrenztem Umfang gekauft und einen bestimmten Rahmen für weitere Staatsanleihekäufe geschaffen.

Niedrige Geld- und Kapitalmarktzinsen zusammen mit reichlicher Liquidität im internationalen Finanzsystem unterstützen die wirtschaftliche Erholung. Zugleich aber verlieren relativ sichere Geldanlagen an Attraktivität. Bis zu einem gewissen Grad ist dies erwünscht: Investoren erhalten Anreize, in risikoreichere Anlagen mit höheren Erträgen umzuschichten, was generell zu günstigeren Finanzierungsbedingungen beiträgt. Die „Jagd nach Rendite“ kann jedoch auch zu Fehlentwicklungen führen: Wenn Risiko verdeckt oder unzureichend gemessen wird, können sich Risiken unerwartet an verschiedenen Stellen in der Wirtschaft und im Finanzsystem konzentrieren. Das Niedrigzinsumfeld bildet womöglich den Nährboden für künftige finanzielle Ungleichgewichte. Bei Fortführung der ungewöhnlich expansiven Geldpolitik über einen längeren Zeitraum gilt es, Nutzen und Gefahren abzuwägen.

Download PDF (166kb)