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Vermögen in Europa - Auswirkungen der Niedrigzinspolitik

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Die Vermögensfrage hat in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit erfahren: Zum einen wegen der EZB-Studie zu den privaten Vermögen in Europa – die Deutschland zum Armenhaus Europas erklärte –, zum anderen wegen der Krisenpolitik mit ihren extrem niedrigen Zinsen – die die Sparer zu enteignen droht. In unserem jüngsten Working Paper haben wir beide Thesen kritisch hinterfragt.

Allianz SE
Munich, 11.06.2013

Aufgrund ihres Charakters als Umfrage sowie der fehlenden Aktualität sind die Daten der EZB-Studie nur mit Vorsicht zu handhaben. Dies wird durch den Vergleich mit gesamtwirtschaftlichen Daten unterstrichen, der teilweise hohe, methodisch nicht erklärbare Diskrepanzen aufzeigt. „Bereinigungen“ der Daten und der Blick auf durchschnittliche Pro-Kopf-Daten (anstelle von mittleren Haushaltsdaten) führen zu einem etwas anderen Bild der Verteilung der privaten Vermögen in Europa: Die „Armen“ sind im Süden Europas zu finden, vor allem in Portugal und Griechenland; auch Spanien droht im Sog der Krise den Anschluss zu verlieren. Auf der anderen Seite gehören die deutschen Haushalte in ihrer Gesamtheit aber keineswegs zu den „Reichen“ im Euroraum, sondern mit einem durchschnittlichen Vermögen von 113.000 Euro pro Kopf zum breiten Mittelfeld (wie zum Beispiel auch Italien und Frankreich).

Die Wirkung der Krisenpolitik auf die europäischen Sparer zeigt sich am klarsten bei den Zinsen für Bankeinlagen und -krediten. Im Vergleich mit den Durchschnittswerten der Vorkrisenjahre 2003 bis 2008 lassen sich die „entgangene“ Zinsen auf der Einlagenseite (Zinsverluste) und die weniger gezahlten Zinsen für Kredite (Zinsgewinne) für 2012 berechnen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: In Deutschland ist der Saldo aus Zinsverlusten und -gewinnen der privaten Haushalte negativ, im übrigen Euroland dagegen positiv. Während in Deutschland die Sparer/Kreditnehmer 2012 insgesamt 5,8 Mrd. Euro verlieren (pro Kopf: 71 Euro), werden die Bürger im übrigen Euroland per Saldo um knapp 34 Mrd. Euro entlastet (134 Euro pro Kopf). Besonders hoch fallen die Netto-Zinsgewinne mit 12,5 Mrd. bzw. 11,5 Mrd. Euro in Italien und Spanien aus.

Der Krisenpolitik der EZB stellt dieses Ergebnis ein äußerst ambivalentes Zeugnis aus. Einerseits verschafft die derzeitige Geldpolitik den privaten Haushalten in den Krisenländern wie erhofft Entlastung, andererseits verursachen dieselben Maßnahmen für die deutschen Haushalte direkte Kosten. Diese divergierenden Effekte der einheitlichen Geldpolitik stellen eine weitere Herausforderung für die Währungsunion dar. Je länger die Phase der extrem niedrigen Zinsen anhält, desto größer dürften diese Unterschiede werden. Die deutsche Kritik an der Politik der EZB dürfte mit der Zeit daher nur immer lauter werden.