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Griechenland, QE und die Target-Salden

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Im Laufe der Eurokrise haben sich die Target-Salden als verlässliches Krisenbarometer entpuppt. Mit ihnen lassen sich die grenzüberschreitenden Kapitalströme im Euroraum messen, die zwischen den Notenbanken abgewickelt werden. In „normalen“ Zeiten schwanken sie um die Nulllinie, da sich in einem funktionierenden Finanzmarkt Ab- und Zuflüsse immer ausgleichen – einem Kauf ausländischer Güter (Kapitalabfluss) steht dann beispielsweise eine entsprechende Kreditgewährung aus dem Ausland (Kapitalzufluss) gegenüber oder der Export von Gütern (Kapitalzufluss) führt zu entsprechenden Investitionen ins Ausland (Kapitalabfluss).

Allianz SE
Munich, 07.04.2015

Nicht so während der Eurokrise. Der private Kapitalfluss versiegte, an seine Stelle traten öffentliche Gelder, in Form bi- oder multilateraler Hilfen durch die Eurostaaten – oder in Form von EZB-Geldern: Die im Zuge der Krise eingeführte unlimitierte Liquiditätsversorgung der Banken hatte zur Folge, dass sich Banken nicht länger über den Kapitalmarkt (oder Einlagen) refinanzieren mussten, sondern direkten Zugriff auf die Druckerpresse der Notenbanken erhielten. Mit diesen Geldern wurden auch im großen Stile Auslandsschulden bezahlt oder Transfers ins Ausland – Kapitalverlagerungen – finanziert. Mit anderen Worten: Kapitalabflüssen standen nicht mehr korrespondierende (private) Zuflüsse aus dem Ausland gegenüber, sondern „nur“ noch Zentralbankgelder; die Gegenbuchung erfolgte entsprechend im Eurosystem und schlug sich in wachsenden Ungleichgewichten zwischen den Notenbanken nieder, den Target-Salden. Dabei stehen auf der einen Seite die Verbindlichkeiten der Notenbanken der Krisenländer, die massive Kapitalabflüsse verbuchen mussten, und auf der anderen Seite die Forderungen der übrigen Notenbanken, vor allem der Bundesbank, deren Länder ebenso große Zuflüsse verzeichneten.