Staatsverschuldung in Europa – Analyse und Handlungsoptionen

Die fiskalpolitische Glaubwürdigkeit der Europäischen Währungsunion (EWU) und insbesondere Griechenlands ist in den Mittelpunkt des derzeitigen politischen und öffentlichen Interesses gerückt. Um die Lage der öffentlichen Haushalte der EWU-Länder zu bewerten, ist eine differenzierte Analyse der im Fokus stehenden Länder – auch im Vergleich zu außereuropäischen Industriestaaten – notwendig.

Griechenland weist bei allen herangezogenen finanzpolitischen Kennzahlen besorgniserregende Ergebnisse auf. Nach unserer Einschätzung ist die Gleichsetzung der weiteren im Fokus stehenden Länder – Portugal, Irland, Spanien und Italien – mit Griechenland jedoch nicht gerechtfertigt.

Im internationalen Vergleich steht der Euro-Raum, was seine Schuldenstandsquote betrifft, mit einer Staatsverschuldung von 78,2% gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) vergleichsweise gut da (siehe Grafik 1).  Japan, seit Jahren in einer Schuldenspirale gefangen, verzeichnete 2009 eine Schuldenstandsquote von rund 190%. Aber selbst im Vergleich zu den USA (83,1%) erscheint die durchschnittliche Verschuldung der EWU-Länder noch moderat. Als Negativbeispiele stechen in diesem Kontext mit Schuldenständen von über 100% des BIP Griechenland und Italien hervor.

Aus der übermäßigen Staatsverschuldung Griechenlands – 2009 betrug die Schuldenstandsquote 112,7% – resultiert eine außerordentlich hohe Zinsbelastung. Sie betrug im vergangenen Jahr knapp 5% des BIP bzw. 11,2% des gesamten Staatshaushaltes. Griechenland lag damit weit über dem Durchschnitt der Eurozone von 6,5%. Dabei ist zu beachten, dass die Zinszahlungen in Relation zum BIP bzw. zum Staatshaushalt im letzten Jahrzehnt gesunken waren, bevor sie krisenbedingt wieder zunahmen (siehe Grafik 2). Insbesondere bei geringem Wirtschaftswachstum ist eine fortgesetzte staatliche Kreditaufnahme dabei mit unerwünschten Langzeitfolgen verbunden.

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