Allianz Euro Monitor 2015

Der Allianz Euro Monitor misst mit 20 Indikatoren die makroökonomischen Ungleichgewichte in der Eurozone. Aus den Ergebnissen für 2015 geht hervor, dass der Währungsraum wieder an wirtschaftlicher Stabilität gewonnen hat. Allerdings besteht auch noch einiger Spielraum nach oben. Reformen, die zu künftigen Wachstumssteigerungen verhelfen, bleiben weiterhin ein Muss – für die ehemaligen Krisenländer genauso wie für Deutschland.

Das Wirtschaftswachstum im Euroraum ist in 2015 mit 1,5% nach wie vor nicht sehr stark gewesen. Allerdings hat es an Breite und Widerstandsfähigkeit gewonnen. Dies misst der Allianz Euro Monitor, der sich 2015 im dritten Jahr in Folge verbessert hat. Anhand von 20 Indikatoren wird die Gesundheit der Euro-Volkswirtschaften bewertet. Dabei werden die Kategorien „Solidität der Staats-finanzen“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Beschäftigung und Produktivität“ und „Privat- und Auslandsverschuldung“ betrachtet. Die Indikatoren erhalten einen Wert von 1 bis 10 (beste Bewertung), das Mittel der Einzelwerte ergibt das Gesamtrating. Im Durchschnitt aller EWU-Länder liegt der Gesamtindikator 2015 mit 6,6 Punkten auf dem höchsten Stand seit 2007. Fünfzehn Länder konnten eine höhere Bewertung erzielen als 2014, lediglich drei eine geringere (Estland, Griechenland und Litauen).

Spitzenreiter 2015 in Bezug auf wirtschaftliche Stabilität im Euroraum ist erneut Deutschland mit einem Wert des Gesamtindikators von 8,1 Punkten. Auf dem zweiten und dritten Platz folgen – mit recht deutlichem Abstand – Luxemburg und die Slowakei. Der Aufsteiger des Jahres heißt Irland, das 2015 im Gesamtranking sechs Plätze gut machen konnte und nun Rang 4 belegt, nach-dem es im Jahr 2010 lediglich den vorletzten Platz unter den EWU-Ländern erreichte.

Der Einzelindikator mit den besorgniserregendsten Werten war 2015 trotz einer leichten Besserung erneut die Arbeitslosenquote. Die besten Ergebnisse wurden erneut beim Indikator Leistungsbilanz erzielt. Mit Ausnahme von Zypern hatten alle EWU-Mitgliedsstaaten 2015 eine annähernd ausgeglichene Bilanz oder einen Überschuss.

Neu eingeführt haben wir mit dem Euro Monitor 2015 die Unterteilung des Indikatorsets in längerfristige Niveaugrößen einerseits und andererseits Indikatoren, die kürzerfristige Fortschritte beim Abbau von Schwächen anzeigen. Auffällig ist, dass eine Reihe von Ländern sehr unterschiedlich bei beiden Teilindikatoren abschneidet. Volkswirtschaften, die im Hinblick auf bestehende Ungleichgewichte zu den EWU-Mitgliedern mit den geringsten Mängeln gehören, zählen bei den Fortschritten hinsichtlich wirtschaftlicher Stabilität zu den schwächeren Ländern. Umgekehrt weisen die ehemaligen Krisenländer nach wie vor vergleichsweise hohe Ungleichgewichte auf, sind aber bei den Fortschritten beim Abbau von Ungleichgewichten in der Spitzengruppe. An sich ist es wenig überraschend, dass Länder, die einen großen Anpassungsbedarf haben, größere Anstrengungen unternehmen als jene mit einem mäßigen Anpassungsbedarf. Negativ interpretiert könnte es aber auch darauf hindeuten, dass Länder mit einer relativ guten Ausgangslage von früheren Erfolgen zehren.

Alles in allem sind die Ergebnisse des Euro Monitor 2015 ein Beleg dafür, dass der Euroraum in kleinen Schritten, aber kontinuierlich an wirtschaftlicher Stabilität gewinnt. Die Reform- und Konsolidierungsanstrengungen der letzten Jahre tragen Früchte, aber die Zeit zum Ausruhen ist nicht gekommen. Reformen, die zu künftigen Wachstumssteigerungen verhelfen, bleiben weiterhin ein Muss – für alle EWU-Mitgliedsstaaten. Denn die ehemaligen Problemländer dürften noch ein paar gute Jahre brauchen, damit wieder von wirtschaftlicher Stabilität gesprochen werden kann. Umgekehrt sollten sich Länder wie Deutschland nicht zurücklehnen, weil sie eine gesunde Wachstumsbasis haben, da diese sonst mit der Zeit auszuhöhlen droht.

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