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Euro Monitor 2013

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Der Allianz Euro Monitor misst in 15 Indikatoren die makroökonomischen Ungleichgewichte in der Eurozone. Die Ergebnisse für 2013 zeigen weitere Fortschritte im Euroraum. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE, zu den Ergebnissen: „Trotz abklingender Euro-Schuldenkrise ist es jetzt wesentlich, das erforderliche Reformmomentum, auch in den Kernländern, aufrechtzuerhalten. Ermutigend ist die Tatsache, dass es allen Programmländern mit Ausnahme Zyperns gelungen ist, ihre Bewertung 2013 zu verbessern. Aber die Wegstrecke ist noch lang. Bei zunehmender Konjunkturdynamik in der Eurozone 2014, werden die Früchte der Reformen sichtbarer.“

Allianz SE
München, 10.12.2013

Programmländer holen auf

 

Erneut erreicht kein einziges Land eine Bewertung von 8 und mehr, was als eine ausgewogene Entwicklung in der Breite anzusehen wäre. Jedoch weist lediglich ein Land, Zypern, einen Indikatorwert von weniger als 4 aus und verzeichnet damit eine nach unserer Bewertungsskala unausgewogene Entwicklung in der Breite. Im vergangenen Jahr hatten noch vier Länder – Zypern, Griechenland, Irland und Portugal – einen Durchschnittswert von weniger als 4.

 

Neun von siebzehn Euroraum-Ländern ist es gelungen, ihre Bewertung 2013 im Vergleich zu 2012 zu verbessern. Besonders erfreulich ist, dass dies auch für die bisherigen Programmländer gilt – allerdings mit Ausnahme von Zypern. So konnten sich Portugal von einem Wert von 3,8 im Jahr 2012 auf einen Wert von 4,6 im Jahr 2013 und Griechenland von 3,6 auf 4,4 steigern. Damit zeigt sich, dass die Konsolidierungs- und Reformanstrengungen überwiegend Früchte tragen. Allerdings überlagert die konjunkturelle Schwäche, die auch 2013 in vielen EWU-Ländern vorherrschte, eine deutlichere Sichtbarkeit der Reformanstrengungen. Dies zeigt sich nach wie vor in den Indikatoren wie beispielsweise dem Staatsdefizit, den Lohnstückkosten, der Binnennachfrage und die Arbeitsproduktivität.

 

In fünf Ländern hat sich die Bewertung nochmals verschlechtert und in zwei Ländern hat sie auf relativ niedrigem Niveau stagniert. Neben Zypern ist in diesem Zusammenhang vor allem die Entwicklung in Slowenien und Italien und sogar in den Niederlanden bedenklich. Das niederländische Wirtschaftswachstum hat gegenüber dem Vorjahr an Ausgewogenheit eingebüßt (-0,4 Punkte). Hauptursächlich hierfür sind die höhere Staatsverschuldung, die ungünstigere Entwicklung am Arbeitsmarkt und die schwächere Entwicklung der Binnennachfrage in den vergangenen fünf Jahren, während sich die Schuldendynamik im Unternehmenssektor verlangsamt. Mit einer Gesamtbewertung in unserem Euro Monitor von 5,8 Punkten rutschen die Niederlande zwei Ränge auf den sechsten Platz. Im Kreis der EWU-Mitgliedsländer fällt Italien einen Platz auf Rang 13 zurück. Wenngleich in Italien wichtige Reformen beschlossen wurden, um die Haushaltsstabilität zu fördern und das Wachstum anzukurbeln, stellt die vollständige Umsetzung dieser Reformen nach wie vor eine Herausforderung dar. 

 

Die beiden Indikatoren mit den besorgniserregendsten Werten sind nach wie vor die Arbeitslosigkeit und die Binnennachfrage. In einer Reihe von EWU-Ländern hat sich die Beschäftigungssituation im Zuge der Schuldenkrise merklich eingetrübt. Die Spreizung im Hinblick auf die Arbeitsmarktsituation ist groß (nur Deutschland, Österreich, Luxemburg und Malta mit guter Bewertung). Bei der Entwicklung der Binnennachfrage konnte kein einziges Land eine gute Bewertung von 8 oder mehr erreichen. Sieben von siebzehn Ländern mussten bei beiden Indikatoren die schlechtest mögliche Bewertung mit jeweils einer 1 hinnehmen. Dabei handelt es sich um die Programmländer sowie Spanien, Italien und die Slowakei.

 

Dank der in einer Vielzahl von Mitgliedsländern durchgeführten Rentenreformen haben sich die Aussichten für die implizite Staatsverschuldung aufgehellt. Der von der EU-Kommission veröffentlichte Anpassungsbedarf des strukturellen Primärsaldos infolge demografischer Alterung ist im Euroraum als Ganzes deutlich gesunken.

 

Der Indikator mit den besten Resultaten ist inzwischen die Leistungsbilanz. Zwölf von siebzehn Ländern verfügen über einen Überschuss oder eine ausgeglichene Bilanz. Lediglich noch fünf Länder – Frankreich, Finnland, Estland, Griechenland und Zypern – weisen ein leichtes Leistungsbilanzdefizit von 1-2% gemessen am BIP aus. Dabei ist aber darauf hinzuweisen, dass der Indikator Leistungsbilanz in Verbindung mit dem Indikator Binnennachfrage zu sehen ist. Auf diese Weise erhält ein Land, das infolge einer schwachen Binnennachfrage eine ausgeglichene außenwirtschaftliche Bilanz oder gar einen Überschuss erreicht hat, keine positive Bewertung in dieser Kategorie.

 

In engem Zusammenhang mit den verbesserten Leistungsbilanzen steht die Stabilisierung bei der privaten Verschuldung. Bei der Entwicklung der Schuldenstandsquoten der privaten Haushalte und der nichtfinanziellen Unternehmen sowie der Verbindlichkeiten der finanziellen Unternehmen haben sich bei vielen EWU-Ländern 2013 im Vergleich zu 2012 Verbesserungen der Indikatorwerte ergeben, Verschlechterungen treten so gut wie keine auf.Aber Heise warnt: „Dieser Prozess des Schuldenabbaus wird sich allerdings voraussichtlich noch Jahre hinziehen und eine schwache Kreditnachfrage nach sich ziehen“.

 


Deutschland

 

  • Deutschland konnte seinen Spitzenplatz im Gesamtranking mit einem unveränderten Gesamtwert von 7,7 Punkten behaupten. Wir halten daher die Einleitung eines Korrekturverfahrens im makroökonomischen Ungleichgewichtsverfahren der Europäischen Union für wenig wahrscheinlich.
  • Allerdings erreicht Deutschland nur bei neun von 16 Indikatoren eine Bewertung von 8 und mehr.
  • Deutschlands beste Ergebnisse finden sich in der Kategorie „Private und außenwirtschaftliche Verschuldung“ (Indikatorwert 9,3). Von der Verschuldungslage des Privatsektors gehen in Deutschland keine Wachstumshemmnisse aus.
  • Eine Schwäche der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor die Entwicklung der Arbeitsproduktivität, die über die letzten fünf Jahre hinweg sogar minimal gesunken ist.

 

Über den Euro Monitor

 

Der Allianz Euro Monitor ist ein makroökonomisches Monitoring- und Frühwarnsystem zur Identifizierung bestehender und neu entstehender Ungleichgewichte. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den Risiken, die von einem unausgewogenen Wachstum ausgehen. Der Euro Monitor bewertet die 17 Länder der Eurozone und stellt eine Rangliste auf. Die Platzierung hängt von dem Beitrag ab, den das jeweilige Land zu einem Wachstum ohne makroökonomische Ungleichgewichte und damit zur Stabilität des Euroraums insgesamt leistet. Die Publikation gibt einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation in allen Ländern der Euro-Zone. Die Rangliste ergibt sich aus 15 Indikatoren in den vier Schlüsselkategorien „Solidität der Staatsfinanzen“, „Wettbewerbsfähigkeit und Inlandsnachfrage“, „Beschäftigung, Produktivität und Ressourceneffizienz“ und „Private Verschuldung und Auslandsvermögensposition.“ Staaten bekommen in jedem der 15 einzelnen Indikatoren einen Wert zwischen 1 und 10 zugewiesen – je höher der Wert, desto besser die Performance.