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Wie groß sind die Deflationsrisiken im Euroraum?

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Der deutliche Rückgang der Inflation im Euroraum hat Deflationsbefürchtungen ausgelöst. Auch wenn wir es für am wahrscheinlichsten halten, dass die Inflation mittelfristig wieder auf 2% zurückkehren wird, so müssen wir doch die Determinanten von ungünstigeren Deflations- oder Inflationsszenarien untersuchen.

Allianz SE
München, 04.03.2014

In unserem neuen Working Paper „Wie groß sind die Deflationsrisiken im Euroraum?“ stellen wir fest, dass die Spanne der möglichen Preisentwicklungen über einen mittelfristigen Zeithorizont breit ist. Sie reicht in unserer modellgestützten Projektion im Jahr 2016 von -0,4% bis 3,3%. Im Basisszenario eines moderaten Konjunkturaufschwungs ergibt sich ein allmählicher Wiederanstieg der Inflationsrate. Sie beträgt im Jahr 2014 rund 1,2%, im Jahr 2015 rund 1,6% und im Jahr 2016 rund 2,0%.


Die Europäische Zentralbank wird nach der Sitzung des Rates am 6. März erstmals Inflationsprojektionen des EZB-Stabes für das Jahr 2016 veröffentlichen. Es versteht sich, dass der mittelfristige Inflationsausblick für die weitere Politik der EZB von entscheidender Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu berücksichtigen, dass den EZB-Projektionen eine Signalfunktion zukommt und sie nicht den Charakter von Risikoszenarien haben. Schon von daher ist zu erwarten, dass die EZB keine großen Inflationsbandbreiten in den Vordergrund stellt, da sie hierdurch hohe Unsicherheit hinsichtlich der Inflationsperspektiven ausdrücken würde.


Allerdings sollte sich der Finanzmarktinvestor dieser Unsicherheiten bewusst sein. Inflation hat einen großen Einfluss auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten und wichtige Implikationen für Anlageentscheidungen. Es ist davon auszugehen, dass sowohl das Inflations- wie auch das Deflationsszenario die Märkte durchrütteln würden. Im Deflationsszenario würde am Aktienmarkt wahrscheinlich ein erheblicher Rückschlag eintreten. Im Inflationsszenario wäre zunächst noch eine positive Entwicklung zu erwarten, die auf eine erhebliche wirtschaftliche Erholung zurückzuführen wäre. Anleihen würden recht dramatisch an Wert verlieren. Dennoch müssen in beiden Szenarien selbstkorrigierende Mechanismen und Reaktionen der Politik berücksichtigt werden. Im Inflationsszenario würde die EZB mit beträchtlichen Zinsanhebungen reagieren. Im Deflationsszenario wäre mit weitreichenden unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen und einer die Konjunktur stimulierenden Finanzpolitik zu rechnen. Am Aktienmarkt könnten diese Maßnahmen in beiden Fällen zur Wende führen. Für Investoren an den Finanzmärkten stellt sich damit in beiden Risikoszenarien sehr ausgeprägt die Herausforderung des richtigen „Timings“. Dass bei deflatorischen Tendenzen eine Normalisierung der kurz- und langfristigen Zinsen unterbleiben würde, versteht sich von selbst. Wegen des anhaltenden Anlagenotstandes und weil ihm wirtschaftspolitisch nur schwer zu begegnen ist, hätte das Deflationsszenario wohl noch schwerwiegendere Folgen als das Inflationsszenario.