Ende des Emerging Market-Booms?

Lange Zeit galten die Schwellenländer als Inbegriff  von hohem Wirtschaftswachstum und damit als wichtiger Impulsgeber für die Weltwirtschaft. Insbesondere aus den zahlreichen Krisen der 1980er und 1990er Jahre hatten viele Schwellenländer ihre Lektion gelernt und dank einer recht umsichtigen Wirtschaftspolitik die Stabilität ihrer Volkswirtschaften spürbar erhöht und sich dadurch deutlich weniger anfällig für Schocks jeglicher Art gemacht.

Häufig genanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist Brasilien. Dass die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas die Lehman-Pleite und deren Folgen ohne größere Blessuren überstehen konnte, war alles andere als selbstverständlich. In vorangegangenen Krisenzeiten, ob bedingt durch einen externen Schock oder durch hausgemachte Probleme, stand Brasilien nicht nur einmal kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Maßgeblich verantwortlich für die gestiegene Krisenresistenz Brasiliens war eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik, deren FundamentFernando Henrique Cardoso, zunächst in seiner Zeit als Finanzminister (1992 bis 1994) und später als Staatspräsident (1994 bis 2002) gelegt hat.

 

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich jedoch die negativen Nachrichten aus den Schwellenländern regelrecht gehäuft: So hat die wirtschaftliche Dynamik in diesen Ländern teils spürbar nachgelassen. Zudem riefen Massendemonstrationen in Brasilien und in der Türkei politische, wirtschaftliche und/oder soziale Missstände in diesen Ländern in Erinnerung. Besorgniserregende Nachrichten kommen nach wie vor aus Nordafrika, aus den Ländern des ehemaligen „Arabischen Frühlings“. In Ägypten bleibt die Lage auch nach der Absetzung von Präsident Mursi durch das Militär angespannt und fragil. Gelingt es nicht, die Unterstützer des ehemaligen Präsidenten, insbesondere die Muslimbruderschaft, an dem politischen Neuanfang zu beteiligen, dürfte eine Stabilisierung des Landes sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich werden.

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