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Konjunktur- und Finanzmarktausblick 2016: Kein Grund zu Pessimismus

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Die Aktienmärkte befanden sich in den ersten Wochen dieses Jahres auf einer rasanten Talfahrt. Selbst das Risiko einer globalen Finanzkrise wurde bisweilen ausgemalt. Heftige Sorgen über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft lagen dem zugrunde. Die wirtschaftliche Schwäche in China, der Kapitalabfluss aus den Schwellenländern, der damit verbundene Abwertungsdruck auf die Währungen und die mäßige konjunkturelle Dynamik in den USA standen im Fokus. Dabei wurde der stark gesunkene Ölpreis als Indikator einer sehr schwachen globalen Konjunktur gesehen.

Allianz SE
München, 23.02.2016

Der Ölpreis erfüllt diese Funktion allerdings nur auf den ersten Blick. Richtig ist sicherlich, dass der kräftige Aufschwung der Emerging Markets über mehr als zehn Jahre die Nachfrage nach Öl kräftig angekurbelt und zu dem Preisboom bei Rohstoffen beigetragen hat. Mit dem aktuell mäßigem Wachstum in den Schwellenländern expandiert der Bedarf an Energieträgern nur moderat und dämpft den Ölpreis. Ebenso unstrittig ist aber auch, dass sich in den letzten Jahren das Angebot an Öl durch die modernen Fördermethoden erheblich ausgeweitet und zu einem Überangebot geführt hat. Hinzu kommt, dass die Interessen der ölexportierenden Länder derzeit sehr unterschiedlich sind und die OPEC auf den Ölpreisverfall nicht mit Kürzungen der Förderquoten reagiert hat. Die Situation ähnelt insofern dem Ölpreissturz Mitte der achtziger Jahre, als die Uneinigkeit der OPEC und eine Produktionsausweitung Saudi Arabiens zu einer Drittelung des Ölpreises führten. Das niedrige Niveau der Ölpreise hielt damals über mehrere Jahre an und bescherte den Industrieländern beträchtliche Realeinkommensgewinne.


Auch wenn die heutige globale wirtschaftliche Situation mit der damaligen nur begrenzt vergleichbar ist, so drängt sich doch der Eindruck auf, dass die Finanzmärkte aktuell einen zu düsteren Blick in die Zukunft werfen. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft trotz der Strukturprobleme in einer Reihe von Schwellenländern keineswegs schlecht: Die Ungleichgewichte in den Staatshaushalten und in den außenwirtschaftlichen Bilanzen sind in vielen Volkswirtschaften deutlich geringer als noch vor einigen Jahren, die Finanzierungsbedingungen sind überwiegend günstig, die Kaufkraft der Verbraucher ist durch die niedrigen Energiekosten gestärkt. Allerdings sind die Risiken für den konjunkturellen Ausblick derzeit beträchtlich. Die relativ hohe Prognoseunsicherheit rührt von einer Vielzahl potenzieller Schocks her, die von den aktuellen politischer Krisenherden und den befürchteten Instabilitäten im internationalen Finanzsystem ausgehen könnten.


Vor diesem Hintergrund erscheint es angebracht, die Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Prognosen auf den Prüfstand zu stellen. Einige Rahmenbedingungen haben sich verändert. Signifikante Prognoseanpassungen sind bei den Inflations- und Zinsprognosen vorzunehmen, da von noch niedrigeren Roh-stoffpreisen und einem expansiveren geldpolitischen Kurs auszugehen ist. Wenig Anpassungsbedarf sehen wir derzeit bei den Konjunkturprognosen.