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Weltwirtschaft auf Wachstumskurs - aber mit zahlreichen Risiken

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Mit der Entspannung der europäischen Schuldenkrise ist der Euro-Austritt einiger Länder oder gar das Auseinanderbrechen der Währungsunion als eines der zentralen Risiken für die Weltwirtschaft in den Hintergrund getreten. Die Risiken für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung liegen heute vor allem in den zahlreichen geopolitischen Konflikten und in der expansiven Geldpolitik mit sehr niedriger Inflation und ersten Überhitzungserscheinungen an den Finanzmärkten. Die Allianz hat die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung mit einem Basisszenario und drei Risikoszenarien analysiert.


München, 24.07.2014

Zu den positiven Faktoren der mittelfristigen Wirtschaftsentwicklung zählen die günstigen Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und der privaten Haushalte sowie Konjunk­turimpulse durch gesunkene Risikoprämien in den von der Staatsschuldenkrise betroffenen Ländern. Zudem besteht ein Nachholbedarf der Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern und Investitionsgütern und es gibt keine bedeutenden Engpässe beim Rohstoffangebot. Be­lastend wirken die weiterhin bestehenden strukturellen Probleme im Bankensektor und die Konsolidierungsnotwendigkeit der öffentlichen Haushalte. Hinzu kommen die hohen staatli­chen Schuldenquoten, der Abbau überhöhter Verschuldungspositionen der privaten Haus­halte und Unternehmen sowie erhöhte Unsicherheit durch geopolitische Risiken.

 

„In unserem Basisszenario dürften die positiven Einflüsse in der Summe leicht überwiegen, ein konjunktureller Höhenflug ist allerdings in den nächsten Jahren nicht in Sicht. Als Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft haben die USA und China nicht mehr die Zugkraft früherer Zeiten“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE.

 

Die Industrieländer werden in den nächsten Jahren wieder stärker wachsen als in den ver­gangenen beiden Jahren. Im Basisszenario rechnet die Allianz jahresdurchschnittlich in den Jahren 2014 bis 2018 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von knapp zwei Prozent, nach 1,3 Prozent im Jahr 2012 und 1,1 Prozent 2013.

 

Ein stabiles Wirtschaftswachstum von durchschnittlich knapp 2,5 Prozent dürften die USA in den nächsten fünf Jahren verzeichnen, damit ist am Ende des Zeitraums auch wieder eine Arbeitslosenquote von nur noch 5 Prozent zu erwarten.

 

Im Euroraum und in Deutschland geht die Allianz von einem jährlichen BIP-Zuwachs von reichlich 1,5 Prozent aus. In den bisherigen EWU-Krisenländern könnten im Zuge der Kon­junkturerholung und der niedrigen Kapazitätsauslastung zumindest vorübergehend Wachs­tumsraten von 3 bis 5 Prozent erreicht werden.

 

In den Schwellenländern dürfte das Wachstum in den nächsten Jahren mit durchschnittlich 4,5 bis 5,0 Prozent in etwa dem der vergangenen beiden Jahre entsprechen. Von Schwel­lenland zu Schwellenland gibt es jedoch ganz erhebliche Unterschiede. Die weiterhin hohen BIP-Zuwächse Chinas von 6,5 bis 7,5 Prozent jährlich sind allerdings kein Ausdruck allzu großer Konjunkturdynamik.

 

Neben dem Basisszenario sieht die Allianz auch verschiedene Risikoszenarien. Vergleicht man die vier Szenarien, so liegt die Wahrscheinlichkeit des Basisszenarios bei 70 Prozent. Unter den Risikoszenarien hat das Szenario eines wirtschaftlichen Booms mit anschließen­dem Rückschlag (Boom/Bust) mit 15 Prozent die höchste Wahrscheinlichkeit. Jeweils 5 bis 10 Prozent Wahrscheinlichkeit sieht die Allianz für eine harte Landung in China und für ein Deflationsszenario in Europa.

 

Trotz der aktuellen Diskussion um Deflationsrisiken im Euroraum misst die Allianz einem Deflationsszenario eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit als einem Boom/Bust-Szena­rio bei. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Allianz in den niedrigen Inflationsraten im Euroraum einen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung sieht und keinen Grund für eine zu­nehmende Konsum- und Investitionszurückhaltung.

 

Heise: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es bei einer in Gang gekommenen Konjunkturer­holung, unterdurchschnittlich ausgelasteten Kapazitäten, einem abnehmenden Konsolidie­rungsdruck und privaten und außenwirtschaftlichen Anpassungserfolgen zu einem erneuten Wirtschaftseinbruch im Euroraum kommt. Ein solcher könnte wohl nur durch einen externen Schock wie eine geopolitische Krise ausgelöst werden. Aber selbst ein solcher Schock würde nicht automatisch in die Deflation führen, er würde ihr Risiko lediglich erhöhen.“

 

Die Allianz sieht ein wesentlich höheres Risiko darin, dass die Geldpolitik viel zu lange im Krisenmodus verharrt, es durch die Suche nach Rendite zu beträchtlichen Überbewertungen kommt, eine zunehmende Konjunkturdynamik zu steigenden Rohstoffpreisen führt, zuneh­mend Kosten- und Preisdruck nach oben aufkommt und die Geldpolitik schließlich ein scharfes Bremsmanöver vollziehen muss (Boom/Bust-Szenario). Das Basisszenario der Allianz ist im Vergleich zu den Risikoszenarien hinsichtlich Konjunktur- und Finanzmarktent­wicklung deutlich positiver. Schon im Basisszenario sind aber die Schattenseiten der extrem expansiven Geldpolitik erkennbar. Diese stützt zwar die wirtschaftliche Erholung in den Kri­senländern und im Falle der USA die Kontinuität des Aufschwungs, setzt jedoch mittelfristig neue Fehlentwicklungen wie Überbewertungen infolge übertriebenen Risikoappetits in Gang. „Insofern ist unser Basisszenario gedanklich nicht allzu weit entfernt vom Boom/Bust-Risiko­szenario. Noch halten wir es aber für wahrscheinlich, dass die Geldpolitik die Mittel besitzt und auch einsetzt, um die Geister, die sie rief, im Zaum zu halten. Konkret bedeutet dies, dass zunächst die Fed und etwas später die EZB 2015 die Normalisierung der Geldpolitik mit ersten Zinserhöhungen einleiten“, sagte Heise.