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Konjunkturprognose 2014/2015

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Die deutsche Wirtschaft ist schwungvoll ins Jahr 2014 gestartet. Die Auftragseingänge und die Produktion in der Industrie lagen im Januar und Februar dieses Jahres erheblich über dem Niveau im Vorjahr. Der Einzelhandel setzte in den ersten beiden Monaten 2014 deutlich mehr um als Ende 2013, Ausfuhr und Einfuhr legten im Januar ebenfalls beträchtlich zu. Auch die Arbeitslosigkeit entwickelte sich spürbar günstiger als dies Anfang des Jahres üb­lich ist. Dies bestätigt unsere positive Prognose für die deutsche Wirtschaft, die wir seit Mitte 2013 vertreten.


München, 08.04.2014

„Der Grund für den guten Jahresstart liegt darin, dass nach Export, Konsum und Bau nun auch die Investitionen der Unternehmen anziehen“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Vorerst dürften die günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen für Deutschland – günstige Finanzierungsbedingungen, Realeinkommensgewinne dank niedriger Inflations­raten, ein beträchtlicher Beschäftigungszuwachs und die konjunkturelle Besserung im Euro­raum – trotz der geopolitischen Risiken erhalten bleiben. Sowohl von der Ausfuhr als auch von der Binnenkonjunktur sind über das gesamte Jahr 2014 positive Impulse zu erwarten. Alles in allem prognostizieren wir, dass die deutsche Wirtschaft im Jahresdurchschnitt und auch im Jahresverlauf 2014 um 2,0 Prozent wächst.

 

„Die deutsche Wirtschaft dürfte damit leicht überdurchschnittlich ausgelastet ins Jahr 2015 gehen. Allerdings dürfte sich die wirtschaftliche Dynamik im Verlauf von 2015 abschwächen“, so Heise. Die Einführung des Mindestlohns, das Rentenpaket 2014, die Kosten der Energie­wende, wieder etwas höhere Inflationsraten und die zu erwartende Abflachung der Export­dynamik belasten die wirtschaftlichen Perspektiven. Vor diesem Hintergrund erwarten wir 2015 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent. Die Arbeitslosig­keit, die 2014 noch spürbar sinkt, wird im Verlauf von 2015 voraussichtlich nicht weiter zu­rückgehen.

 

Bei der Konsumnachfrage ist 2014 eine weitere Kräftigung zu erwarten, da sich eine Be­schleunigung in der Einkommensentwicklung abzeichnet. Für die verfügbaren Einkommen rechnen wir 2014 mit einem Zuwachs um 3,1Prozentund 2015 sogar um 3,4Prozent. An­gesichts eines moderaten Preisauftriebs von voraussichtlich 1,4Prozentin diesem Jahr und 1,8Prozentim nächsten Jahr, sind 2014 und 2015 jeweils Realeinkommenssteigerungen von reichlich 1,5Prozentzu erwarten. Dies bietet die Grundlage für ein höheres Wachstum des realen privaten Verbrauchs als in den vergangenen beiden Jahren.

 

Nach wie vor belaste die deutsche Wirtschaft die schon seit mehreren Jahren anhaltende Investitionsschwäche. Der Rückgang der Investitionstätigkeit scheint aber inzwischen ge­stoppt zu sein. Seit nunmehr drei Quartalen nehmen die (saisonbereinigten) Ausrüstungs­investitionen wieder zu. Dennoch gab es im Jahresdurchschnitt 2013 nochmals einen Rück­gang bei den Investitionen in Ausrüstungen um 2,4 Prozent. Die steigende Kapazitätsaus­lastung, die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen und die gute Ertragslage der Unter­nehmen sprechen klar für eine weitere Erholung der Investitionstätigkeit. Unternehmensum­fragen signalisieren auch positive Geschäftserwartungen und eine deutlich verbesserte Beurteilung der Geschäftslage.

 

„Mit der Entspannung in der europäischen Staatsschuldenkrise hat sich auch ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für die wirtschaftlichen Perspektiven vermindert. Inwieweit die Russ­land/Ukraine-Krise neue Unsicherheiten erzeugt, die die Investitionsneigung dämpfen, ist derzeit noch schwer zu beurteilen. Im aus unserer Sicht wahrscheinlichen Fall keiner weite­ren größeren Eskalation sehen wir die Wirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Investitions­tätigkeit als sehr begrenzt an“, erklärte Heise.Von daher erwarten wir in diesem Jahr mit 5,6 Prozent und im nächsten Jahr mit 4,6 Prozent eine deutliche Ausweitung der Investitionen in Ausrüstungsgüter. Dennoch wird auch Ende 2015 der Anteil der Ausrüstungsinvestitionen am BIP mit 6,8 Prozent noch leicht unter dem durchschnittlichen Anteil seit dem Jahr 2000 (7,2 Prozent) liegen. „Die Investitionsschwäche ist trotz der aktuellen Aufwärtstendenz nicht überwunden“, so Heise.

 

Der positive Trend der letzten Jahre am deutschen Arbeitsmarkt setzte sich Anfang dieses Jahres fort. Im Januar 2014 waren saisonbereinigt erstmals mehr als 42 Millionen Menschen erwerbstätig. Im Februar 2014 stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjah­resmonat um rund 315 Tausend, was einer Zunahme von 0,8 Prozent entspricht. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt wird sich im Verlauf von 2014 aller Voraussicht nach fortset­zen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresverlauf 2014 um knapp 150 Tausend sinken, im Jahresdurchschnitt rechnen wir mit einem Rückgang um knapp 90 Tausend auf 2,86 Mil­lionen Personen. Wesentlich größer als die Abnahme der Arbeitslosigkeit ist 2014 in abso­luter Betrachtung erneut der Zuwachs bei der Beschäftigung, da die hohe Zuwanderung aus dem Ausland anhalten dürfte. Wir erwarten einen Beschäftigungszuwachs von gut 300 Tau­send Personen sowohl im Jahresverlauf als auch im Jahresdurchschnitt 2014.

 

Für das Jahr 2015 sehen wir keine so günstigen Perspektiven mehr am Arbeitsmarkt wie in diesem Jahr. Neben den ungünstigeren allgemeinen konjunkturellen Rahmenbedingungen dürfte auch die Einführung des Mindestlohns den Beschäftigungsanstieg spürbar dämpfen. Bei der Anzahl der geringfügig Beschäftigten wird es voraussichtlich sogar zu Rückgängen kommen. Wir erwarten im Verlauf von 2015 nur noch einen Beschäftigungszuwachs von 100 Tausend Personen und damit rund 200 Tausend weniger als 2014. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Verlauf von 2015 stagnieren, im Durchschnitt 2015 sind dann rund 2,80 Millionen Menschen arbeitslos.