Economic ResearchPublikationenResearch PapersDeutschlandKonjunkturprognose 2010: Spielraum für Steuerreformen

Konjunkturprognose 2010: Spielraum für Steuerreformen

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Die Allianz rechnet für Deutschland im vierten Quartal 2009 mit einer weiterhin kräftigen Konjunkturerholung und erwartet einen konjunkturell guten Start ins Jahr 2010. „Im Vorjahresvergleich dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2010 voraussichtlich um rund 4 Prozent über dem Tiefstand im ersten Quartal 2009 liegen. Die Rahmenbedingungen werden 2010 aber keinen konjunkturellen Höhenflug zulassen“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz.


, 06.10.2009

Die Impulse aus den Konjunkturprogrammen werden weltweit abnehmen und die betroffenen Immobilenmärkte erholen sich nur langsam. In Ländern mit einer hohen Verschuldungsquote der Haushalte wird die Verbrauchsnachfrage bestenfalls mäßig expandieren und die globale Nachfrage nach Investitionsgütern bleibt angesichts einer noch immer unterdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung begrenzt. Aus diesen Gründen wird der deutsche Export nicht der starke Konjunkturmotor sein wie in früheren Aufschwüngen. In der Binnenwirtschaft dürfte sich die Investitionstätigkeit zwar beleben, von der Verbrauchsnachfrage gehen 2010 allerdings eher etwas geringere Impulse aus als 2009 – auch weil die Entwicklung am Arbeitsmarkt noch einige Zeit belastet und die Kaufkraftgewinne durch niedrigere Energiepreise auslaufen. Alles in allem verliert die Konjunkturerholung zumindest vorübergehend an Kraft. Im Jahresdurchschnitt 2010 wächst die Wirtschaft voraussichtlich um 2,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2009 rechnen die die Volkswirte der Allianz trotz der Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr mit einem Minus von 4,2 Prozent.

Die sehr expansive Finanzpolitik sowie die Einnahmeausfälle und Mehrausgaben infolge der Wirtschaftskrise führen zu einem kräftigen Anstieg der deutschen Neuverschuldung. Nachdem der Staatshaushalt (einschließlich Sozialversicherungen) 2008 noch einen leichten Überschuss verzeichnete, rechnet die Allianz mit einem Defizit von 70 Mrd. EUR (2,9% gemessen am BIP) in diesem Jahr und für 2010 mit 105 Mrd. EUR (4,2% gemessen am BIP). Deutschland würde damit 2010 zwar das Maastricht-Kriterium einer Neuverschuldung von maximal 3% am BIP nicht einhalten, eine Rückführung der Neuverschuldung deutlich unter die 3%-Grenze erscheint nach Ansicht der Ökonomen aber innerhalb der neuen Legislaturperiode bis zum Jahr 2013 durchaus möglich. Bleibt die staatliche Ausgabenentwicklung ab 2011 um 2 Prozentpunkte unter den Zuwachsraten des nominalen Bruttoinlandsprodukts (z.B. BIP +3% jährlich, Staatsausgaben + 1% jährlich), wie es auch in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen ist, lässt sich die Neuverschuldungsquote jährlich um annähernd einen Prozentpunkt zurückführen. Im Jahr 2013 würde sie – ein unverändertes Steuer- und Abgabenrecht unterstellt – nur noch rund 1½% betragen. Heise: „Bei Ausgabendisziplin gibt es für die Finanzpolitik also durchaus Spielraum für Steuer- und Abgabensenkungen. Diesen Spielraum sollte die Politik offensiv nutzen, um die notwendigen Strukturreformen bei der privaten Einkommenssteuer und der Unternehmensbesteuerung anzugehen.“

In Deutschland hat sich der Arbeitsmarkt angesichts der schweren Rezession als äußerst widerstandsfähig erwiesen. Der im internationalen Vergleich weit unterdurchschnittliche Anstieg der Arbeitslosigkeit ist neben dem Instrument der Kurzarbeit und der stärkeren Verbreitung von Arbeitszeitkonten nach Ansicht der Ökonomen der Allianz auch der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den letzten Jahren zu verdanken. Die Unternehmen sind dadurch mit einer besseren Ertragslage und Eigenkapitalausstattung in die Rezession gegangen und haben damit mehr Spielraum, Entlassungen zu vermeiden. „Die Arbeitslosigkeit wird als Folge der Rezession 2009 und 2010 weiter zunehmen. Allerdings rechnen wir nicht damit, dass es zu der immer wieder prophezeiten dramatischen Verschlechterung am Arbeitsmarkt kommen wird. Voraussichtlich sind Ende 2009 etwa 3,5 Millionen Personen arbeitslos, erst im März geht die Arbeitslosigkeit dann in Richtung der Viermillionengrenze. Der Beschäftigungsabbau wird voraussichtlich 2010 auslaufen und damit die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 3,8 bis 3,9 Millionen erreichen“, sagte Heise.

Das Konjunkturbild im Euro-Raum hat sich spürbar aufgehellt. Die Festigung des Konsums und ein Anstieg des realen Außenbeitrags waren dabei maßgeblich für die Stabilisierungstendenzen. Der Außenhandel lieferte erstmals seit dem zweiten Vierteljahr 2008 wieder einen positiven Wachstumsbeitrag. Die Ökonomen der Allianz rechnen für 2010 mit einer Fortsetzung der Expansion. Verglichen mit der zweiten Jahreshälfte 2009 wird die Konjunktur jedoch im Jahresverlauf an Dynamik verlieren, wenn die verschiedenen Konjunkturprogramme auslaufen. Im Jahresdurchschnitt 2010 wird die gesamtwirtschaftliche Leistung im Euro-Raum voraussichtlich um 2 Prozent wachsen.

Auch die Weltwirtschaft insgesamt wird nach einem Einbruch der globalen Wertschöpfung 2009 um 2,3 Prozent im nächsten Jahr wieder spürbar um 2,7 Prozent wachsen (Ländergewichtung jeweils auf Basis aktueller Wechselkurse). Bei den Industrieländern liegt das Plus voraussichtlich bei 2 Prozent und bei den Schwellenländern bei 4,2 Prozent. Unter Berücksichtigung des Anteils Schwellenländer an der Weltwirtschaft entfällt 2010 damit genau die Hälfte des prognostizierten Wachstums auf die Gruppe der Emerging Markets.