USA

Frühlingserwachen im Verarbeitenden Gewerbe?

Die Vielzahl der zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten stützt in der Summe unsere Erwartung, dass die US-Wirtschaft nach dem nur sehr verhaltenen Wachstum im Schlussquartal 2015 wieder Tritt gefasst hat. Im Fokus der Konjunktursorgen der vergangenen Monate stand das Verarbeitende Gewerbe, das unter dem Einfluss der Dollarstärke und der spürbar nachgebenden Investitionsausgaben im Energiesektor zur Schwäche neigte. Anhaltende Produktionsverluste stellten sich bislang aber nicht ein. Inzwischen gibt es sogar Anzeichen dafür, dass die schwächste Phase des Sektors überwunden ist. Der vom Institute for Supply Management (ISM) ermittelte nationale Einkaufsmanagerindex dürfte wieder erkennbar zulegen. In einem solchen Umfeld sollte es zu Abgabedruck bei Staatsanleihen kommen.

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten regionalen März-Umfrageergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe der Federal Reserve Banken New York und Philadelphia zeigen einen klaren Umschwung in der Einschätzung der allgemeinen Geschäftslage. Erstmals seit dem Spätsommer vergangenen Jahres war der Anteil der Unternehmen mit verbesserter Geschäftsaktivität größer als der Anteil mit ungünstigerer Geschäftslage. Auch die Detailangaben zu Neuaufträgen, Auslieferungen usw. verbesserten sich teils spürbar. Aggregiert man diese spezifischen Einschätzungen zu einem Gesamtindex ähnlich wie das Institute for Supply Management bei der Berechnung des (landesweiten) Einkaufsmanagerindex, so ergeben sich ISM-äquivalente Indexstände von jeweils gut 51. In den zurückliegenden Monaten lagen diese im Schnitt noch in einer Spanne von 45-48. Angesichts der ähnlichen Grundtendenz der Umfrageresultate erscheint es daher wahrscheinlich, dass auch der nationale ISM-Index, der seit Oktober 2015 knapp unterhalb der Marke von 50 liegt, wieder Werte oberhalb der Expansionsschwelle erreichen wird.

Die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex ist ein wichtiger Impulsgeber für das Geschehen auf den US-Finanzmärkten. Über längere Zeiträume hinweg betrachtet zeigt sich eine klar positive Korrelation zwischen Änderungen der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen und den Veränderungen des ISM-Index. Als zentraler Konjunkturindikator nimmt er offenbar Einfluss auf die Leitzinserwartungen der Marktteilnehmer und regt zu Portfolioumschichtungen zwischen Staatsanleihen und risikobehafteten Finanzaktiva an. Entsprechend dürfte es im Falle einer anhaltenden Verbesserung dieses Indikators zu Abgabedruck bei 10-jährigen Staatsanleihen kommen.


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