USA

Stimmungsindikatoren im Juni überraschend gut

Das US-Wachstum hat sich im zweiten Quartal voraussichtlich befestigt. Die robuste Beurteilung von Produktion und Aufträgen in den überraschend guten umfragebasierten Indikatoren für Juni legt nahe, dass die Wirtschaft mit viel Schwung in die zweite Jahreshälfte starten könnte. Angesichts des nach dem Brexit-Votum weiterhin nicht einfachen außenwirtschaftlichen Umfelds sind Abstriche bei diesem optimistischen Ausblick zu machen. Dennoch dürfte die US-Wirtschaft ein moderates Expansionstempo erreichen.

Die Indikatoren deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft nach einem nur verhaltenen Wachstum in den Wintermonaten im zweiten Quartal wieder stärker zugelegt hat. Die Belebung stand allerdings nicht auf einer breiten Basis. Vielmehr dürfte der Private Verbrauch den entscheidenden Wachstumsimpuls geliefert haben. Gestützt auf kräftige Realeinkommensgewinne in den zurückliegenden Quartalen haben die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben voraussichtlich mit einer Jahresrate von etwa 4% ausgeweitet. Dabei sollte der im Vergleich zum Vormonat schwächere Automobilabsatz im Juni das insgesamt positive Ergebnis nicht trüben.

Auch wenn der Konsum das zuletzt hohe Tempo vermutlich nicht halten wird, lässt das zum Ende des Quartals deutlich verbesserte Konsumentenvertrauen (Conference Board) eine weiterhin solide Entwicklung erwarten. Die Einschätzung der Konsumenten über die Verfügbarkeit von Jobs ist mit einer anhaltend festen Verfassung des Arbeitsmarktes vereinbar. Die nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht für Mai aufgekommene Befürchtung, das Beschäftigungswachstum könnte sich anhaltend abschwächen, findet hier also keinen Beleg.

Im Hinblick auf ein zukünftig wieder breiter angelegtes Wachstum stimmen die klar verbesserten Ergebnisse der Unternehmensbefragungen des Institute for Supply Management (ISM) zuversichtlich. Der Index für die Sektoren außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verbesserte sich vor allem dank einer spürbar günstigeren Beurteilung der Neuaufträge und lag mit 56,5 Punkten deutlich über der Expansionsschwelle von 50. Der Einkaufsmanagerindex für die Verarbeitende Industrie erholte sich im expansiven Bereich weiter und erreichte damit wieder das Niveau von Anfang 2015. Damit deutet sich zunehmend an, dass bisherige Belastungsfaktoren, wie der bis Anfang dieses Jahres sehr feste Außenwert des US-Dollar, die drastische Kürzung der Investitionsausgaben im Energiesektor und die Drosselung der Lagerinvestitionen, an Einfluss verloren haben. Die robuste Einschätzung der Auftragseingänge, die bereits im vierten Monat in Folge auch von einer besseren Beurteilung der Auslandsbestellungen getragen wird, signalisiert klare Produktionszuwächse in der nahen Zukunft.

Die umfragebasierten Indikatoren reflektieren mögliche Belastungen infolge des Brexit-Votums noch kaum. Erste Anhaltspunkte ergeben sich aber aus einer vom ISM nach dem Referendum durchgeführten ergänzenden Befragung. Danach gingen die Unternehmen mehrheitlich von geringfügigen bis leicht negativen Effekten auf ihre finanzielle Lage aus. Bei Unternehmen, die negative Auswirkungen erwarten, stand vor allem die Sorge um deutliche Währungsschwankungen im Vordergrund. Der gewogene Außenwert des US-Dollar war bis Anfang Juli jedoch relativ stabil und lag somit noch um einiges unter den im Januar erreichten Niveaus.

Mit dem nach wie vor nicht einfachen außenwirtschaftlichen Umfeld dürfte die Konjunkturdynamik zwar nicht so kräftig ausfallen, wie sie die Einkaufsmanagerindizes nahelegen. Wir gehen aber davon aus, dass die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte ein moderates Expansionstempo erreicht und damit im Jahresdurchschnitt 2016 um 2% wächst.

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Thomas Hofmann

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