USA

Fed rückt noch nicht von zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr ab

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank hat auch auf seiner vierten Sitzung in diesem Jahr eine abwartende Haltung eingenommen. Damit bleibt der Leitzins seit Dezember im Zielbereich 0,25%-0,5%. Wir sehen dennoch zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr als angemessen und wahrscheinlich an. Ein Zinsschritt im Juli erscheint – unter der Annahme, dass Großbritannien für den Verbleib in der EU stimmt – durchaus wahrscheinlich.

Neben der Ungewissheit über den Ausgang des Referendums in Großbritannien war ohne Zweifel der schwache Arbeitsmarktbericht für Mai für einen noch unveränderten geldpolitischen Kurs maßgeblich. Er hatte nicht zuletzt die Frage aufgeworfen, ob dies eine anhaltende Zurückhaltung der Unternehmen bei Einstellungen und Investitionsausgaben signalisiert.

Im Kern scheint die Fed aber von einer temporären Schwäche am Arbeitsmarkt auszugehen. Denn mit ihren jetzt aktualisierten gesamtwirtschaftlichen Projektionen hält die Notenbank an ihrem grundsätzlich positiven Bild für die wirtschaftliche Entwicklung fest: moderates Wachstum, Verbesserung der Arbeitsmarktlage und Anstieg der Inflation auf 2% in der mittleren Frist. Dementsprechend bleibt es bei dem Signal einer graduellen Korrektur des geldpolitischen Kurses, auch wenn das Ausmaß der als angemessen angesehen Leitzinsanpassungen mit 200 Basispunkten im Prognosehorizont (bis Ende 2018) geringer veranschlagt wird als noch im Rahmen der Projektionen vom März. Diese Änderung reflektiert maßgeblich die Einschätzung eines geringeren „normalen“ Leitzinsniveaus. Wie bisher deutet die Fed aber an, dass die federal funds rate bis Ende des Jahres in einen Zielbereich von 0,75%-1% angehoben werden könnte. Janet Yellen wies in der Pressekonferenz zu den geldpolitischen Beschlüssen darauf hin, dass ein Zinsschritt im Juli nicht ausgeschlossen ist, sofern die Daten – insbesondere wohl die Arbeitsmarktindikatoren für Juni – überzeugend ausfallen.

Wir neigen zu der Einschätzung, dass der zuletzt gedämpfte Stellenaufbau und das damit stagnierende Arbeitsvolumen eine Reaktion auf das verlangsamte Wachstumstempo im Winterhalbjahr darstellt. Die Arbeitsproduktivität war sowohl im Schlussquartal 2015 als auch zu Jahresbeginn rückläufig.

Mit dem insbesondere vom kräftigen Konsum wieder beschleunigten Wachstumstempo im laufenden Quartal scheint sich die ungünstige Entwicklung in den Vorquartalen wieder umzukehren. Insofern sehen wir bei fortgesetzt solider Konjunkturdynamik gute Chancen, dass der Beschäftigungsaufbau künftig wieder stärker ausfällt.

Auch könnte die Inflation in den kommenden Monaten überraschen. Mit dem im Vergleich zum Jahresbeginn gesunkenen Außerwert des US-Dollar zeigten sich zuletzt erstmals seit Anfang 2014 wieder Auftriebstendenzen bei den Warenimportpreisen (ohne Ölprodukte). Zwar hat die Fed die Projektion für die Kerninflationsrate des Preisindex für die privaten Konsumausgaben im Schlussquartal 2016 leicht angehoben (1,7%, Median-Wert). Jedoch erscheint diese Korrektur recht vorsichtig.

Alles in allem erachten wir einen Zinsschritt im Juli nicht als verfrüht. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Fed bereits vor Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für Mai eine baldige Leitzinserhöhung in Aussicht gestellt hatte.

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