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Die Fed bleibt geduldig

Der Offenmarktausschuss der Fed hat auf seiner ersten Sitzung in diesem Jahr den geldpolitischen Kurs bestätigt. Ein Zielbereich für die federal funds rate von 0%-0,25% wird weiterhin als angemessen angesehen. Auch die Orientierung  über den wahrscheinlichen zukünftigen geldpolitischen Kurs wurde gegenüber der Dezember-Sitzung unverändert belassen. Danach kann die Notenbank hinsichtlich einer Normalisierung des Leitzinsniveaus „geduldig“ sein.

Die Fed unterstrich die Datenabhängigkeit der Entscheidung über die Normalisierung des geldpolitischen Kurses. Neu war diesbezüglich der Hinweis, dass dabei auch „internationale Entwicklungen“ berücksichtigt werden. Zwar erscheint es selbstverständlich, dass die Notenbank bei ihren geldpolitischen Beratungen die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beachtet. Der explizite Verweis hierauf in der Stellungnahme zu den geldpolitischen Beschlüssen ist gleichwohl ungewöhnlich. Offenbar stellt die Fed mit der gewählten Formulierung  auf Abwärtsrisiken für Konjunktur und Inflation im Falle einer (weiteren) kräftigen Aufwertung des US-Dollar ab.

Gleichzeitig beurteilt der Offenmarktausschuss die Konjunkturlage und das Beschäftigungswachstum günstiger als bisher. So bezeichnet er das bisherige Expansionstempo der Wirtschaft nicht mehr als moderat, sondern als solide. Dies ist angesichts eines durchschnittlichen Quartalswachstums von 4,8% (annualisiert) im zweiten und dritten Quartal 2014 und eines voraussichtlich ebenfalls überdurchschnittlichen BIP-Zuwachses um etwa 3% im Schlussquartal 2014 sicherlich angemessen. Für den weiteren Verlauf wird aber anhaltend ein moderates Tempo erwartet, was darauf hindeutet, dass die Fed von einer etwas langsameren Wachstumsdynamik in den kommenden Quartalen ausgeht.

Auch das Inflationsbild hat sich nicht grundlegend geändert. Danach wird sich die Preissteigerungsrate bei sich weiter verbessernder Arbeitsmarktlage allmählich wieder nach oben auf den Zielwert von 2% zubewegen. Der Hinweis auf eine kurzfristig voraussichtlich noch abnehmende Inflation legt jedoch nahe, dass die Fed nun davon ausgeht, dass sich die Rückkehr auf den Zielwert langsamer vollzieht als bisher erwartet.

Alles in allem bleibt es bei dem Signal eines geldpolitischen Kurswechsels im laufenden Jahr. Anders als es die Ausführungen von Notenbankchefin Janet Yellen auf der Pressekonferenz im Dezember nahelegten, erscheint es inzwischen aber nicht mehr wahrscheinlich, dass es bereits im zweiten Quartal zu einem solchen Schritt kommt. Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte dürfte allerdings erkennbar sein, dass sich die Konjunktur wichtiger Handelspartner auf einem festeren Pfad bewegt, was stabilisierend auf die Währungsrelationen wirken sollte.

Thomas Hofmann

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