Die Fed ist nicht ungeduldig

Insbesondere nach der Stellungnahme von Notenbankchefin Janet Yellen bei der Vorlage des geldpolitischen Berichts vor dem Kongress Ende Februar  ist die Modifikation der „forward guidance“ nicht überraschend. Mit der Streichung des Hinweises, dass die Notenbank hinsichtlich der Normalisierung des Leitzinsniveaus geduldig sein kann, verschafft sich die Fed mehr Flexibilität. Die geldpolitischen Entscheidungen sind damit vollends datenabhängig. Da eine Leitzinserhöhung im April explizit als unwahrscheinlich bezeichnet wird,  besteht grundsätzlich die Möglichkeit, beim übernächsten Zinsentscheid im Juni die Leitzinswende zu vollziehen.

Yellen betonte in ihren Ausführungen auf der Pressekonferenz allerdings , dass die Streichung des Verweises „geduldig“ nicht zwangsläufig eine Leitzinsanhebung zu diesem Zeitpunkt bedeutet. Die „forward guidance“ enthält nunmehr den Hinweis, dass eine Leitzinsanhebung bei weiterer Verbesserung der Arbeitsmarktlage angemessen ist, wenn der Offenmarktausschuss ausreichend Vertrauen hat, dass die Inflation sich auf mittlere Sicht wieder nach oben auf den Zielwert von 2% zubewegt.

Auf eine abwartende Haltung deuten in diesem Zusammenhang die aktualisierten gesamtwirtschaftlichen Projektionen hin. So signalisiert  die Fed mit den abwärts revidierten Inflationsprognosen, dass sich die Rückkehr auf den Zielwert  wahrscheinlich langsamer vollzieht als bisher erwartet. Dabei reflektiert die Absenkung der Projektion für die Kerninflationsrate im Jahresverlauf  2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 1,35%  nicht zuletzt den dämpfenden Effekt wechselkursbedingt niedrigerer Importpreise.

Die niedrigere Inflationsprognose wiegt offenbar schwerer als der tendenziell günstigere Ausblick für die Arbeitslosenquote, zumal die Fed ihre Schätzung für die normale Arbeitslosenquote ebenfalls abgesenkt hat. Denn vor diesem Hintergrund haben die Teilnehmer an der Sitzung des Offenmarktausschusses ihre Projektionen für den Leitzins zum Ende der Jahre 2015 bis 2017 spürbar abgesenkt. Gemessen am Median-Wert liegt der Zinspfad um mindestens 50 Basispunkte niedriger als bei der letztmaligen Projektion im Dezember. Für Ende 2015 implizieren die Angaben einen Zielbereich für die federal funds rate von 0,5%-0,75%. Vor diesem Hintergrund gehen wir weiterhin davon aus, dass die Fed erst in der zweiten Jahreshälfte, vermutlich im September, eine erste Leitzinserhöhung vornehmen wird.

Thomas Hofmann

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