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Wie bewertet die Fed die Risiken?

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Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank wird auf der in dieser Woche anstehenden Sitzung den Zielbereich für den Leitzins von 0,25%-0,5% voraussichtlich bestätigen. Trotz des wahrscheinlich enttäuschenden Wirtschaftswachstums im ersten Quartal dürfte die Notenbank an ihrem grundsätzlich positiven Grundbild für die weitere wirtschaftliche Entwicklung festhalten. Wichtig für die Finanzmärkte wird sein, ob Änderungen in der Risikobewertung vorgenommen werden. Unseres Erachtens ist die starke Betonung außenwirtschaftlicher Risiken nicht länger angemessen.

Allianz SE
München, 25.04.2016
Allianz-

Die Fed weist seit geraumer Zeit darauf hin, dass sie eine graduelle Kurskor-rektur beabsichtigt und flexibel auf Veränderungen der Datenlage reagieren wird. Nach der Beendigung der Nullzinspolitik im Dezember 2015 hat sie im Januar und März dieses Jahres unter Verweis auf außenwirtschaftliche Risiken eine abwartende Haltung eingenommen.


In der begleitenden Stellungnahme zu den geldpolitischen Beschlüssen wird die Bewertung des Expansionstempos der US-Wirtschaft in den letzten Monaten vermutlich etwas ungünstiger ausfallen als Mitte März. Alles in allem deuten die vorhandenen Konjunkturdaten darauf hin, dass das Wachstum im ersten Quartal merkbar unter dem durchschnittlichen vierteljährlichen Zuwachs im laufenden Zyklus (2,1%, Jahresrate) lag. Nicht überraschend ist zwar, dass sich die Drosselung der Lagerinvestitionen fortsetzte und der Außenhandel und die Investitionsausgaben im Energiesektor die Wirtschaftsaktivität belastet haben. Ein geändertes Bild ergibt sich inzwischen aber auch für den Konsum, vor allem weil sehr zuversichtlich stimmende Angaben für Januar deutlich nach unten revidiert wurden. Im Vergleich zum Schlussquartal 2015 zeichnet sich damit ein verlangsamtes Wachstum der Konsumausgaben ab. Hingegen dürfte die Notenbank bei einer positiven Beurteilung der Arbeitsmarktlage bleiben. Mit einem Plus von durchschnittlich mehr als 200 000 Stellen war der Stellenaufbau in den ersten drei Monaten dieses Jahres weiter außerordentlich robust.


Die Fed dürfte die schwachen BIP-Daten aber nicht überbewerten. Schließlich war die Konstellation eines schwachen Anstiegs der gesamtwirtschaftlichen Leistung und fortgesetzt soliden Zuwächsen bei der Zahl der Beschäftigten in einer Größenordnung von 2% (Jahresrate) in den zurückliegenden Jahren schon häufiger zu beobachten. Auch in jüngsten Kommentaren von Noten-bankvertretern wird auf dieses Muster, das in den nachfolgenden Quartalen mit einer wieder höheren Konjunkturdynamik einherging, verwiesen. Zudem bleibt es bei Bedenken, dass rein saisonale Einflüsse in den Daten weiterhin nicht ausreichend herausgefiltert werden und damit die Grundtendenz der wirtschaftlichen Entwicklung zu Jahresbeginn unterzeichnet wird.


Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Fed an ihrem Grundbild für die weitere wirtschaftliche Entwicklung (moderates Wachstum, weitere Verbesserung der Arbeitsmarktlage und Anstieg der Inflation auf 2% in der mittleren Frist) festhalten wird. Gleichzeitig hielten wir es vor allem angesichts des mittlerweile nicht mehr so hohen US-Dollar für angemessen, wenn die bisherige Bewertung der Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung zumindest abgeschwächt würde. Ein weitgehend stabiler Außenwert des US-Dollar verbessert zum einen den Ausblick für die Industrie und zum anderen schwindet der Abwärtsdruck bei den Importpreisen. Im ersten Quartal lag die Kerninflationsrate des Preisindex für die privaten Konsumausgaben mit schätzungsweise 1,6% dem Zielwert der Fed bereits um einiges näher als im Jahresdurchschnitt 2015 (1,3%).


Zu einer vollends ausgewogenen Bewertung der Risiken, die ein klares Signal für einen Zinsschritt im Juni wäre, wird sich die Fed aber wohl nicht durchringen können. Sie dürfte anhand der Entwicklung der Konjunkturindikatoren zunächst mehr Bestätigung haben wollen, dass das Wachstum wieder deutlich anzieht. Auf eine ungebrochen solide Arbeitsnachfrage und damit offenbar auch feste Absatzerwartungen weist derzeit vor allem das sehr niedrige Niveau der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung hin. Mitte April waren sie auf das niedrigste Niveau seit mehr als 40 Jahren gefallen. Unverändert erwarten wir im weiteren Jahresverlauf zwei weitere Leitzinserhöhungen. Zum Jahresende dürfte die Federal Funds Rate damit in einer Spanne von 0,75%-1% liegen.

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Dr. Michael Heise

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