EWU

Leichte Konjunktur-Abkühlung im Spätsommer

Die heutigen Einkaufsmanagerindices (PMIs) für den Euroraum sprechen dafür, dass die Konjunktur leicht an Schwung verloren hat, aber aufwärtsgerichtet bleibt. Im kommenden Jahr dürfte die EWU-Wirtschaft dann wieder einen Gang höher schalten.

Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex für den Industrie- und Dienstleistungsbereich im Euroraum hat sich im September gegenüber dem Vormonat um 0,3 Punkte verschlechtert und notiert nun bei 52,6 – dem niedrigsten Stand seit 20 Monaten. Schuld an der Entwicklung war vor allem eine Eintrübung im Servicesektor. Die Industrieproduktion hingegen wuchs so kräftig wie seit Ende 2014 nicht mehr. Während der Sammelindex in Deutschland erneut leicht sank, konnte sich Frankreich nochmals deutlich verbessern. Erstmals seit vier Jahren schneidet der französische Sammel-PMI damit wieder besser ab als der deutsche. Außerhalb der beiden EWU-Schwergewichte wuchs die Wirtschaft so langsam wie seit 21 Monaten nicht mehr.

In Deutschland ist der PMI-Sammelindex im September um 0,6 Punkte auf 52,7 gesunken – dies ist der niedrigste Wert seit knapp eineinhalb Jahren. Auffällig ist die erneute Verschlechterung im Dienstleistungssektor. Seit Juli ist der deutsche Einkaufsmanagerindex im Servicesektor um knapp vier Punkte gesunken auf nunmehr 50,6. Doch die heutigen Umfrageergebnisse liefern auch einige erfreuliche Nachrichten. So weitete sich die deutsche Industrieproduktion im September abermals kräftig aus. Darüber hinaus wies der Auftragseingang einen erneuten Zuwachs aus, was insbesondere auf die guten Auftragseingänge aus dem Ausland zurückzuführen ist, welche sich auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2014 bewegen. Auch haben sich die Geschäftsaussichten im Dienstleistungssektor für die kommenden 12 Monate im September wieder leicht verbessert.

In Frankreich erreichte der Einkaufsmanagerindex für den Industrie- und Dienstleistungsbereich mit 53,3 Punkten den höchsten Stand seit Juni 2015, nach 51,9 Punkten im Vormonat. Im Gegensatz zu Deutschland liefen hier die Geschäfte im Dienstleistungssektor so gut wie seit 15 Monaten nicht mehr, während die Industrieproduktion nahezu stagnierte. Erfreulich ist, dass das Beschäftigungswachstum in Frankreich nach einem Rückgang im August wieder aufwärtsgerichtet ist.

Durch die neuen PMIs sehen wir unsere Einschätzung bestärkt, dass die EWU-Konjunktur im dritten Quartal weiter leicht an Schwung verloren hat (0,2% q/q nach 0,3% q/q im Vorquartal), aber aufwärtsgerichtet bleibt. Nach einem starken Startquartal 2016 hat sich insbesondere der private Konsum abgekühlt. Insgesamt rechnen wir für den Euroraum im laufenden Jahr mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,5%. Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte die Konjunktur dann aber wieder einen Gang hochschalten. (Wachstumsprognose 2017: 1,6%).

Erfreuliche Nachrichten liefern die heute veröffentlichten Umfrageergebnisse auch für die EZB: Die Absatzpreise legten im September erstmals seit 13 Monaten wieder geringfügig zu. Wir halten an unserer Prognose fest, dass sich die Inflationsrate des Euroraums in den kommenden Monaten wegen des ölpreisbedingten Basiseffekts merklich nach oben bewegt wird. Für 2017 erwarten wir eine Inflationsrate von 1,6% nach 0,3% im laufenden Jahr.

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Katharina Utermöhl

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