EWU

EWU-Stimmungsbarometer positiv trotz Brexit-Votum

Die heutigen Einkaufsmanagerindices (PMIs) für den Euroraum bestätigen sowohl unser Bild einer weiter aufwärtsgerichteten Konjunktur als auch die abwartende Haltung der EZB.  Demgegenüber signalisiert der PMI für Großbritannien nun einen Wirtschaftsabschwung.

Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex für den Industrie- und Dienstleistungsbereich im Euroraum verschlechterte sich im Juli geringfügig gegenüber Juni auf jetzt 52,9 Punkte. Während die Befragungsergebnisse in Deutschland und Frankreich besser ausfielen als im Vormonat (siehe unten), gab es Rückschläge in den anderen von der Umfrage erfassten EWU-Ländern. Hier ist zu vermuten, dass verschiedene Gründe eine Rolle spielen: In den Niederlanden mag das Brexit-Votum wegen der engen Exportbeziehungen spürbarer zu Buche schlagen als in anderen EWU-Ländern. In Italien dürfte die Bankenproblematik die Unternehmerstimmung belasten. Im Falle Spaniens drücken wahrscheinlich die auch nach den Neuwahlen unklare Regierungsbildung und staatliche Defizitprobleme (geplante Steuererhöhungen für Unternehmen) auf die Stimmung.

In Deutschland verzeichnete der PMI für die Industrie einen Rückgang gegenüber Juni, der aber deutlich geringer war als der starke Anstieg im Vormonat. Der Dienstleistungs-PMI konnte sich verbessern und der deutsche Sammelindex erreichte im Juli mit 55,3 Punkten den höchsten Stand seit Dezember letzten Jahres. Erfreulich entwickelten sich in den Befragungsergebnissen die Neuaufträge aus dem Ausland. Dies passt zu unserer Hypothese, dass Sorgen der Unternehmer über die Folgen der Brexit-Entscheidung aktuell durch Anzeichen einer weltwirtschaftlichen Verbesserung überkompensiert werden. Unsere Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr beträgt 1,8%.

Der französische Einkaufsmanagerindex für den Industrie- und Dienstleistungsbereich hat nach dem Rückgang im Vormonat leicht auf 50 Punkte zugelegt. Er verharrt nun seit Jahresanfang nahe dieser Schwelle. Mit den heute veröffentlichten Umfrageergebnissen zeigen sich Frankreichs Unternehmer unbeeindruckt vom Brexit-Votum. Das Attentat von Nizza dürfte erst in die nächste Befragung eingehen. Wir sehen Frankeichs Wirtschaft nach wie vor auf verhaltenem Wachstumskurs mit einem diesjährigen BIP-Anstieg von voraussichtlich 1,4%. 

Insgesamt rechnen wir für den Euroraum im laufenden Jahr mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,5%. Durch die neuen PMIs sehen wir unsere Einschätzung bestärkt, dass die EWU-Konjunktur trotz der Brexit-Entscheidung aufwärtsgerichtet bleibt. Sowohl für Stimmungs- als auch Wirtschaftsentwicklung ist zu berücksichtigen, dass die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens voraussichtlich nicht vor 2019 endet. Nicht zuletzt bestätigen die heute veröffentlichten Umfrageergebnisse im Nachhinein auch die gestrige abwartende Haltung der EZB. Wir meinen, dass sie weiter eine ruhige Hand bewahren wird, solange es nicht zu gravierenden Finanzmarkturbulenzen kommt.

Der Einkaufsmanagerindex für Großbritannien ist erwartungsgemäß deutlich abgesackt von 52,4 auf 47,7 Punkte. Damit signalisiert er einen Wirtschaftsabschwung. Dies deckt sich mit der allgemeinen Einschätzung, dass das Brexit-Votum eine große Belastung für die britische Konjunktur bringt. Wir erwarten 1% Wirtschaftswachstum für 2016 und damit eine Kontraktion in der zweiten Jahreshälfte. 

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Claudia Broyer

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