EWU

Konsolidierungsziel nicht aus den Augen verlieren

Günstigen Bedingungen wie den Niedrigzinsen und der guten Konjunkturentwicklung ist es zu verdanken, dass die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte im Euroraum vorankommt. Dennoch liegt noch ein langer und zäher Abstieg vom Schuldenberg vor uns und es wäre daher ein Fehler, die fiskalischen Zügel angesichts erster Erfolge weiter zu lockern. Unsere Berechnungen zeigen, dass die ehemaligen EWU-Krisenländer – mit Ausnahme Irlands – auch in 15 Jahren voraussichtlich noch immer nicht das Maastrichter Schuldenstandkriterium einhalten werden.

Die Entwicklung der Staatsschulden im Euroraum geht im Großen und Ganzen in die richtige Richtung. Im Jahr 2016 notierte das staatliche Haushaltsdefizit bei 1,5% gemessen an der Wirtschaftsleistung – der niedrigste Stand seit 2007 –, nachdem es im Vorjahr noch bei 2,1% lag.

Konjunkturerholung und Niedrigzinsen verleihen Rückenwind

Das sinkende Staatsdefizit ist jedoch nicht etwa einer strikten Konsolidierungspolitik zuzuschreiben, sondern vor allem der guten Konjunkturentwicklung im Euroraum. Denn auch wenn die Staatsausgaben im Vergleich zur Wirtschaftsleistung im dritten Jahr in Folge gesunken sind (auf 47,7% in 2016 nach 48,5% in 2015), sind sie in absoluter Rechnung seit 2007 kontinuierlich angestiegen und notierten 2016 rund 20% über dem Vorkrisenniveau. Ein weiterer wichtiger Treiber der rückläufigen Staatsausgaben ist auch die ultra-expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Seit die EZB angekündigt hat, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten, ist die staatliche Zinslast im Euroraum insgesamt  deutlich gesunken – von 2,9% in 2012 auf 2,2% in 2016. Die Gesamteinnahmen des Staates hingegen konnten im Jahr 2016 nicht mit der guten Konjunkturentwicklung Schritt halten und notierten mit 46,2% gemessen am BIP leicht unter dem Vorjahreswert von 46,4%.

Bei der Länderbetrachtung zeigt sich immer noch eine recht unterschiedliche Entwicklung der öffentlichen Finanzen, allerdings klaffen die Ergebnisse weniger auseinander als noch vor einigen Jahren. Immerhin acht Euroraum-Länder konnten 2016 einen Haushaltsüberschuss verzeichnen. Luxemburg führt die Liste an mit einem Finanzierungsaldo von +1,6%. Zwei Mitgliedsstaaten hingegen weisen immer noch ein Defizit von 3% oder mehr auf, nämlich Frankreich mit 3,4% und Spanien mit 4,5%.

Abbau des Schuldenbergs hat gerade erst begonnen

Trotz guter Erfolge bei der Konsolidierung der öffentlichen Defizite im Euroraum hat der Abbau der Schuldenberge jedoch kaum begonnen. Zwar ist die Staatsschuldenquote 2016 im zweiten Jahr in Folge gesunken, doch notiert die Schuldenlast mit 89,2% gemessen am BIP immer noch rund 25 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau. Nur in sechs Euro-Ländern wurde im Jahr 2016 das Maastricht-Kriterium zum Schuldenstand erfüllt. In fünf Mitgliedsstaaten hingegen rangiert die Staatsschuldenquote immer noch über der 100%-Marke und das zum Teil deutlich.

Konsolidierungsziele nicht aus den Augen verlieren

Unsere Berechnungen für die Entwicklung der Staatschulden in den drei großen EWU-Ländern Deutschland, Frankreich und Italien und den vier ehemaligen Krisenländern Spanien, Portugal, Irland und Griechenland belegen, dass sich die nachhaltige Reduzierung der Schuldenberge als zäh und langwierig erweisen dürfte. Nur Deutschland und Irland wird es in den kommenden 15 Jahren unter den hier betrachteten Ländern gelingen, das 60%- Schuldenstandkriterium des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten. Spanien verfehlt die Marke zwar nur knapp, aber Griechenland und auch Italien dürften selbst im Jahr 2031 noch Staatsschuldenquoten von über 100% vorweisen. Trotz erster Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gilt es nun, die fiskalpolitischen Zügel nicht direkt wieder zu lockern und die Konsolidierungsziele nicht aus den Augen zu verlieren. Denn gerade bei der günstigen konjunkturellen Entwicklung dürfte der Abstieg vom Schuldenberg deutlich schneller und schmerzfreier ablaufen.

 Die Entwicklung der Schuldenquoten für ausgewählte Volkswirtschaften im Euroraum können Sie mit unserem interaktiven Debt tool unter alternativen Annahmen ermitteln und unseren Prognosen gegenüberstellen. Das Tool finden Sie hier:

https://www.allianz.com/de/economic_research/research_data/debt-tool/

 

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Katharina Utermöhl

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