EWU

Konjunkturerholung setzt sich fort

Der Kurs stimmt: Die Wirtschaft im Euroraum wächst nicht übermäßig, aber sie wächst. Die Arbeitslosigkeit geht zwar nicht sehr schnell, aber kontinuierlich zurück. Die Inflation liegt noch nahe Null, aber die Deflationsdebatte wird bald vom Tisch sein. Die EZB kann sich vorerst zurücklehnen.

Nach dem relativ starken Start ins Jahr hat sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im zweiten Quartal laut erster Schätzung von Eurostat auf 0,3% gegenüber Vorquartal abgeschwächt. Die vorliegenden Länderergebnisse weisen eine Stagnation in Frankreich, einen weiterhin kräftigen BIP-Anstieg in Spanien von 0,7% gegenüber Vorquartal und eine mäßige Verlaufsrate von 0,3% in Österreich aus.  Insgesamt bleibt die Konjunktur im Euroraum damit aufwärts gerichtet. Nach den ersten ermutigen Indikatoren für das dritte Quartal, die bislang keinen großen Dämpfer durch das Brexit-Votum erwarten lassen,  halten wir an unserer Prognose eines diesjährigen EWU-Wirtschaftswachstums von 1,5% fest. 

Zu einer wichtigen Stütze für die Konjunktur dürfte sich mehr und mehr die Erholung am Arbeitsmarkt entwickeln. Laut der heutigen Daten betrug die Arbeitslosenquote im Juni 10,1% (unverändert gegenüber Mai, rückläufig verglichen mit 10,4% am Jahresanfang). Sie liegt auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte 2011. Auch wenn der Tiefststand von 7,2% im März 2008 vor Ausbruch der Finanzkrise noch länger nicht in Reichweite kommen wird, ist der fortschreitende Rückgang der Arbeitslosigkeit doch beachtlich (unsere Prognose für Ende 2017: 9,5%).    

Die EWU-Inflationsrate hat sich mit dem heute veröffentlichten Wert von vorläufig 0,2% noch nicht wesentlich von der Nulllinie gelöst. Dies wird aber in den nächsten Monaten geschehen. Zum Jahreswechsel dürfte sie bei über 1% liegen. Auch wenn dies durch einen ölpreisbedingten Basiseffekt hervorgerufen wird, dürfte die Debatte um Deflationsgefahren dann vom Tisch sein und wahrscheinlich werden auch die Inflationserwartungen ansteigen.

Mit dem neuen Datenbündel dürfte der Druck auf die EZB, weiter zu lockern – insbesondere ihr Anleihekaufprogramm auszuweiten und/oder zu verlängern – nicht allzu groß werden. Die EZB wird unseres Erachtens umso mehr versuchen abzuwarten, da eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms wahrscheinlich mit Entscheidungen einhergehen müsste, der möglichen Knappheit an kaufbaren Papieren entgegenzuwirken (existierende Schwellenwerte und/oder Kaufschlüssel verändern, etc.). Spätestens gegen Ende dieses Jahres wird sich die EZB äußern müssen, ob sie ab Ende März 2017 mit Tapering beginnt (und wenn ja in welcher Weise) oder das Anleihekaufprogramm länger laufen lässt. 

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Claudia Broyer

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