Trotz steigender Risiken nur eine Konjunkturdelle

Die heute von der Statistikbehörde Eurostat veröffentlichten BIP‑Wachstumsraten für das zweite Quartal 2014 zeichnen ein durchwachsenes Bild der Wirtschaft im Euroraum. Zwar durften sich einige Länder, wie etwa Spanien und Portugal, über kräftige Wachstumsraten freuen, doch konnte keine der drei größten Volkswirtschaften der Währungsunion im Zeitraum von April bis Juni ein positives Wirtschaftswachstum verbuchen. So stagnierte Frankreichs Wirtschaft, während das deutsche BIP erstmal seit 2012 schrumpfte und Italien wieder zurück in die Rezession rutschte.


Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2014 den ersten Dämpfer seit Anfang 2013 einstecken müssen. Nachdem Europas größte Volkswirtschaft zuletzt das Zugpferd der Konjunktur im Euroraum war, schrumpfte das BIP im zweiten Quartal um 0,2% zum Vorquartal. Grund hierfür waren sinkende Investitionen und ein schwächelnder Außenhandel. Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft noch um satte 0,7% zum Vorquartal gewachsen, denn die ungewöhnlich milde Witterung hatte dafür gesorgt, dass Investitionen im Bausektor vorgezogen wurden. Eine Abschwächung im zweiten Quartal - auch aufgrund von Brückentageffekten - war daher vorprogrammiert. Im zweiten Halbjahr 2014 dürfte das deutsche BIP-Wachstum daher wieder anziehen, auch wenn Risiken von außen - insbesondere geopolitischer Natur - deutlich zugenommen haben.


Unerfreuliche Nachrichten kommen auch aus Italien. Mit einem Rückgang von -0,2% zum Vorquartal ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal wieder zurück in die Rezession geschlittert – zum dritten Mal seit Ausbruch der Eurokrise. Die italienische Wirtschaftsleistung liegt nun auf dem Niveau des Jahres 2000. Damit ist Italiens Wirtschaft seit Einführung des Euros im Vergleich zu den anderen EWU-Mitgliedsländern am wenigsten gewachsen. Für das zweite Halbjahr 2014 erwarten wir nur eine sehr graduelle Erholung der konjunkturellen Lage, so dass die italienische Wirtschaft im Jahresdurchschnitt mit einem negativen Wachstumsergebnis rechnen muss.


Die konjunkturelle Erholung in Frankreich dümpelt weiter vor sich hin. So stagnierte die Wirtschaft im Zeitraum von April bis Juni, wie schon bereits im Vorquartal. Aufgrund sinkender Investitionen und eines negativen Außenbeitrags konnte die französische Wirtschaft im zweiten Quartal kein positives Wachstum verbuchen trotz steigendem privaten Konsums.


Spanien, Portugal und die Niederlande konnten dagegen mit guten Ergebnissen auftrumpfen. Das spanische BIP stieg im zweiten Quartal 2014 um 0,6% zum Vorquartal an. In Portugal und den Niederlanden stieg das BIP nach einem schlechten Ergebnis im ersten Quartal um 0,6% und 0,5% im Vergleich zum Vorquartal an.


Die Risiken für die Konjunktur im Euroraum haben in den letzten Monaten merklich zugenommen, insbesondere aufgrund erhöhter geopolitischer Unsicherheiten. Eine Eskalation der Konflikte in Osteuropa und im Mittleren Osten und die möglichen wirtschaftlichen Folgen, könnten sich stark negativ auf die noch recht anfällige Konjunkturerholung im Euroraum auswirken.


Auch ist die Schuldenkrise noch nicht überwunden: ein erlahmender Reformwille und möglicherweise aufkeimende Zweifel an der Solidität des europäischen Bankensektors im Zuge von Asset Quality Review und Stresstests könnten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Währungsunion auswirken und zu einem Wiederaufkeimen der Eurokrise führen.


Trotz dieser Risiken gehen wir nicht davon aus, dass die Lage in Osteuropa eskalieren wird oder die Schuldenkrise zurückkehren wird. Für das laufende Jahr erwarten wir ein moderates Wirtschaftswachstum im Euroraum in der Größenordnung von 0,9%.

Katharina Utermöhl

Allianz SE
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