EZB noch tiefer im Krisenmodus

Die EZB begründet ihre neuen Schritte mit einem weiteren Rückgang der Inflationserwartungen und enttäuschenden Konjunkturdaten seit der letzten Zinssenkung im  Juni. Allerdings hat sich nach unserer Einschätzung seit Juni nichts Grundlegendes konjunkturell und im Hinblick auf die Preisperspektiven verändert. Ein Verminderung der konjunkturellen Dynamik war bereits im Juni offensichtlich. Dass die Stimmungseintrübung in den Unternehmen, die vor allem geopolitisch bedingt sein dürfte, nicht unbedingt mit negativen harten wirtschaftlichen Daten einhergehen muss, zeigt der kräftige Anstieg der Auftragseingänge in Deutschland im Juli dieses Jahres.

Die von der EZB derzeit betriebene „Feinsteuerung“ birgt erhebliche Risiken. Immer kurzfristiger könnten die Märkte weitere expansive Maßnahmen fordern und im Falle einer Nichterfüllung mit Marktvolatilität und stärkeren Bewertungskorrekturen reagieren. Draghis Erklärung, dass einige Mitglieder im EZB Rat weitreichendere Maßnahmen gefordert hatten, legt nahe, dass die Spekulationen um breit angelegte Ankäufe von Wertpapieren nicht abreißen werden, solange sich die Wirtschaftsaussichten nicht deutlich verbessern. Ein zukünftiger vorsichtiger Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik ist jedenfalls mit den heutigen Entscheidungen nicht einfacher geworden.

Dr. Rolf Schneider

Allianz SE
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