EWU

Um die EZB wird es ruhiger - längere Phase unveränderter Geldpolitik

Die heutigen Preis- und Arbeitsmarktdaten passen in unser Bild: Inflations- und Konjunkturentwicklung gehen in die richtige Richtung, sprechen also gegen eine weitere geldpolitische Lockerung. Beide sind aber auch nicht so dynamisch, dass die EZB bereits eine Straffung ihres Kurses erwägen dürfte. Die Märkte via Forward guidance auf ein wahrscheinliches Tapering ab März 2017 vorzubereiten, wird wohl erst in der zweiten Jahreshälfte auf die Agenda kommen.

Die EWU-Inflationsrate liegt der heutigen Schnellschätzung für Mai zufolge mit -0,1% zwar immer noch im negativen Bereich, doch dies entspricht einem sai-sonbereinigten Anstieg von wahrscheinlich 0,4% gegenüber dem Vormonat. Nachdem ein ähnliches Plus auch schon im März verzeichnet wurde, lässt sich konstatieren, dass die Entwicklung (primär ölpreisbedingt) ins Positive dreht. Die Jahresraten werden sich allerdings wohl erst im dritten Quartal von der Nulllinie nach oben lösen und gegen Jahresende bei rund 1% liegen. Bei den EZB-Projektionen von 0,1% für die diesjährige Inflationsrate des Euroraums und 1,3% für 2017 sehen wir leichten Anpassungsbedarf (unsere Prognosen: 0,3 bzw. 1,6%). Auch das Wirtschaftswachstum prognostizieren wir mit 1,7% für dieses und 1,8% für nächstes Jahr etwas höher als bislang die EZB (2016: 1,4%; 2017:1,7%).

Die Arbeitslosenquote des Euroraums verharrte im April bei 10,2% (wobei der Abwärtstrend intakt bleibt). Damit hat sie das Niveau von 2010/2011 wieder erreicht, liegt aber noch deutlich höher als der Tiefpunkt von 7,2% vor der Krise im März 2008. Die EZB-Projektionen sind mit einer Arbeitslosenquote von 10,4% im Durchschnitt 2016 und 10,2% für nächstes Jahr „behind the curve“. Möglicherweise unterschätzen die EZB-Modelle die Reagibilität des Arbeitsmarktes auf eine Wirtschaftsbelebung etwa durch implementierte Reformen in einigen EWU-Ländern. Unseres Erachtens wird die Besserung am Arbeitsmarkt kontinuierlich weitergehen und die Arbeitslosenquote bis Ende 2017 auf etwa 9 ½ % sinken.

Geldpolitisch sind vor diesem Hintergrund keine Überraschungen zu erwarten. Nach den jüngsten zusätzlichen Lockerungsschritten dürfte die EZB sowohl hinsichtlich Leitzinsen als auch bei den unkonventionellen Maßnahmen auf absehbare Zeit stillhalten. Die monatlichen Wertpapierkäufe werden wahrscheinlich wie von der EZB kommuniziert bis März 2017 fortgeführt. Im Sinne der Forward guidance wäre es im weiteren Jahresverlauf gut, dass die EZB die Märkte auf ein voraussichtliches Tapering ab März 2017 vorbereitet. Einen schnelleren Ausstieg halten wir angesichts der Inflations- und Konjunkturperspektiven nicht für wahrscheinlich, auch wenn wir die negativen Nebeneffekte von QE als zunehmend bedenklich ansehen. Auf eine geschickte Kommunikation von Tapering/des beginnenden EZB-Exits aus der ultralockeren Geldpolitik wird es ankommen, um allzu große Renditesprünge zu vermeiden, zumal durch die voraussichtliche US-Geldpolitik und dortige Renditeentwicklung ohnehin Aufwärtsdruck auf die europäischen Langfristzinsen ausgeht.

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Claudia Broyer

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