Auftakt der Belebung

Die EWU-Wirtschaft ist im letzten Jahresviertel 2014 um 0,3% (Q/Q) gewachsen und hat damit ihr Wachstumstempo gegenüber dem Vorquartal leicht beschleunigt. Dazu trug wesentlich das Schwergewicht Deutschland bei, wo eine BIP-Verlaufsrate von 0,7% verzeichnet wurde. Durch diese Ausgangsbasis sehen wir unsere Erwartung eines deutschen BIP-Anstiegs von 2% im laufenden Jahr gefestigt. Bemerkenswert ist, dass hierzulande die real verfügbaren Einkommen 2015 wahrscheinlich um reichlich 3% ansteigen werden. Vor diesem Hintergrund dürfte der reale private Verbrauch dieses Jahr um 2,5 bis 3% und damit so stark wie schon lange nicht mehr zulegen.

Anders als in Deutschland gingen in Frankreich im vierten Quartal von der Binnennachfrage keine starken Impulse aus, sondern der private Verbrauch expandierte nur leicht und die Investitionstätigkeit lag erneut klar im Minus. So ergab sich eine magere BIP-Verlaufsrate von 0,1%. Wir bleiben bei unserer Prognose, dass Frankreichs Wirtschaft 2015 zwar vom insgesamt positiven Umfeld profitieren wird, aber mit knapp 1% nur etwa halb so stark wachsen dürfte wie die deutsche Wirtschaft.

Noch schwächer als in Frankreich stellt sich die Entwicklung in Italien dar. Mit einer Stagnation im Schlussquartal 2014 konnten dort nach wie vor keine positiven BIP-Verlaufsraten erreicht werden. Für 2015 rechnen wir in Italien unverändert mit einem schwachen Wachstum von knapp 0,5%. Die zweit- und drittgrößte EWU-Volkswirtschaft sind Nachzügler in puncto Umsetzung von Reformen und ihre Wirtschaftsentwicklung hinkt dem Euroraum-Durchschnitt hinterher.

Die Euro-Krisenländer setzen hingegen zu einem wirtschaftlichen Aufholprozess an: Irland konnte bereits 2014 mit schätzungsweise 4,5% ein sehr dynamisches Wachstum verzeichnen. Spanien und Portugal schnitten den heutigen Daten zufolge mit einem Plus von 0,7 bzw. 0,5% (Q/Q) im letzten Quartal 2014 gut ab. Die drei Länder werden 2015 aller Voraussicht nach stärker als der EWU-Durchschnitt (siehe unten) expandieren. Die heute veröffentlichte negative BIP-Verlaufsrate in Griechenland sollte zwar aus statistischen Gründen (wegen instabiler Saisonfiguren) nicht überbewertet werden, aber angesichts der politischen Situation bestehen große Unsicherheiten hinsichtlich des wirtschaftlichen Erholungsprozesses.

Insgesamt halten wir zwar an unserer Einschätzung fest, dass der BIP-Anstieg des Euroraums 2015 etwa 1,5% betragen dürfte (bei BIP-Verlaufsraten im ersten Halbjahr von nahe 0,5%). Doch nach den heutigen bereits relativ starken Daten und angesichts der künftigen positiven Effekte durch Rohstoffpreis- und Eurowechselkursentwicklung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Dynamik der konjunkturellen Aufwärtsbewegung unterschätzt wird. Abgesehen davon, dass wir ohnehin keine Befürworter der umfangreichen EZB-Staatsanleihekäufe sind, erscheinen die angekündigten QE-Maßnahmen vor dem sich abzeichnenden Konjunkturhintergrund umso fragwürdiger.

Claudia Broyer

Allianz SE
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