Nur langsam aufwärts, aber immerhin nicht abwärts

Dass die EWU-Wirtschaft im dritten Quartal um 0,2% gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, mag zwar über den allgemeinen Erwartungen gelegen haben, doch ansonsten sind die Daten im Grunde unspektakulär. Sie deuten weder auf einen Konjunkturabsturz noch auf einen Aufschwung hin, der diese Bezeichnung verdient hätte.

Das französische BIP expandierte im dritten Quartal etwas stärker als das deutsche und zwar um 0,3% gegenüber Vorquartal. Allerdings wurde das Vorquartal anders als in Deutschland (siehe unsere separate NewsLine) nicht nach oben sondern leicht nach unten korrigiert. Bedenklich stimmt zudem der Wachstumsbeitrag der Lagerveränderungen von 0,3 Prozentpunkten und die heute ebenfalls veröffentlichten Zahlen eines Beschäftigungsrückgangs in der französischen Privatwirtschaft um 0,2% (sowohl Q/Q als auch J/J) im dritten Quartal. Insgesamt ist Frankreich nicht allzu weit an einer Rezession vorbeigeschlittert und die Konjunktur steht weiterhin auf wackeligen Beinen. Die neuen Daten ändern nichts an unserer Prognose eines BIP-Anstiegs von etwa ½% in diesem und 1% im nächsten Jahr.

Deutlich schlechter verläuft die Entwicklung in Italien, dem zweiten EWU-Land, das ähnlich wie Frankreich wegen seiner Schwierigkeiten mit den Brüsseler Konsolidierungsvorgaben und seines „Reformmankos“ aktuell im Zentrum kritischer Beobachtung steht. Mit BIP-Verlaufsraten von -0,2% im zweiten und nun -0,1% im dritten Quartal befindet sich Italien (leicht) in der Rezession. Dies ist das 13. Quartal in Folge ohne positives Vorzeichen gegenüber dem Vorquartal. Auch im Gesamtjahr 2014 wird die italienische Wirtschaft um schätzungsweise 0,3% schrumpfen und 2015 dürfte nicht einmal ein Wirtschaftswachstum von 0,5% erreicht werden.

Von den Euroländern, die unter den Anforderungen der Rettungsprogramme besonders „reformeifrig“ waren, verzeichnete Griechenland im dritten Quartal mit 0,7% (Q/Q) den EWU-weit stärksten BIP-Anstieg gefolgt von Spanien mit 0,5%. Für Irland gab es heute keine neuen Zahlen, doch der Vorjahresabstand von 6,5% im zweiten Quartal übertrifft bei weitem alle übrigen EWU-Länder. In Spanien liegt das Bruttoinlandsprodukt nun 1,6% über dem Vorjahresniveau, in Griechenland 1,4% und in Portugal 1%. Alles in allem ist erfreulich, dass die dortige Konjunkturerholung für die krisengebeutelte Bevölkerung sichtbarer wird.

Für den Euroraum als Ganzes halten wir an unserer Prognose einer moderaten Aufwärtsbewegung fest, d.h. 0,8% Wirtschaftswachstum 2014 und im nächsten Jahr 1,2%. Der Ölpreisrückgang wirkt wie ein Konjunkturprogramm, niedrige Inflationsraten dürften keine Kaufzurückhaltung („Deflationsverhalten“) bewirken sondern den Konsum begünstigen, die Euro-Abwertung kommt den Exporten zugute und die weiter sehr lockere EZB-Politik sollte ein Übriges tun, dass die EWU-Konjunktur endlich etwas mehr in die Gänge kommt.

Claudia Broyer

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