EWU: Niederlande

Trotz politischer Unsicherheit günstige wirtschaftliche Perspektive

Die Wahlen in den Niederlanden haben kein grundlegend überraschendes Ergebnis gebracht: Die Regierungsbildung wird nicht einfach und danach ist mit gewisser politischer Instabilität zu rechnen. Dies dürfte der positiven Wirtschaftsentwicklung aber nur begrenzt schaden. Auch sind mit dem Wahlausgang keine negativen Konsequenzen im Hinblick auf Europa zu erwarten.

Dass das Votum für die Rechtspopulisten hinter den Befürchtungen zurückblieb und nicht die PVV sondern die rechtsliberale Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Rutte (VVD) als stärkste Kraft aus den niederländischen Wahlen hervorgeht, ist erfreulich – insbesondere auch hinsichtlich des Europakurses der künftigen Regierung und Risiken eines „Nexit“. Da es nach dem Wahlausgang vier Parteien bedarf, um eine Mehrheit zu bilden, werden sich die Koalitionsverhandlungen wohl hinziehen und die neue Regierung wird letztlich fragil sein.

Käme es nun zu einer ausgeprägten Phase politischer Unsicherheit, könnte dies nach unserer Einschätzung bis zu 0.2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten – hauptsächlich via gehemmter privater Investitionen. Doch auf der anderen Seite profitieren die Unternehmen von größerem Preissetzungsspielraum und steigender Nachfrage. Denn im Grunde sind die Niederlande insgesamt wirtschaftlich gut aufgestellt: Wie schon in den letzten zwei Jahren dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2017 um etwa 2% wachsen. Spezifisch für die Niederlande ist, dass hierzu die Erholung im Bausektor erheblich beiträgt. Zudem spielt – vergleichbar mit anderen EWU-Ländern – der private Konsum eine tragende Rolle, der 2015 und 2016 von niederländischen Inflationsraten nahe Null profitierte. Die Inflation wird im laufenden Jahr zwar spürbar höher ausfallen (+1,6%), aber der private Konsum wird weiter von der Besserung am Arbeitsmarkt gestützt (Arbeitslosenquote: 6,8%). Belastend und als Hypothek für die Zukunft wirkt allerdings die überdurchschnittlich hohe Verschuldung der privaten Haushalte.

Einen weiteren Risikofaktor für die Niederlande stellen mittelfristig die bislang relativ engen Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien dar. Demgegenüber findet die künftige Regierung in puncto öffentliche Finanzen eine recht komfortable Situation vor: Sowohl die staatliche Defizit- als auch Schuldenquote sind rückläufig. Bei Letzterer bestehen gute Chancen, dieses Jahr die 60%-Marke zu unterschreiten. Es besteht also gewisser „Gestaltungsspielraum“ bei den Koalitionsvereinbarungen, ohne mit der europäischen Ebene in Konflikt zu kommen.

Kontakt

Ana Boata

Euler Hermes
Fon +33.1.84.11-4873

Send e-mail

Claudia Broyer

Allianz SE
Fon +49. 69.24431-3667

Send e-mail

PDF (218 kb)